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Urteil im Susanna-Prozess - Höchststrafe für Ali B. gefordert

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Die Staatsanwaltschaft fordert eine lebenslange Haft für Ali B. - mit Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Jetzt fällt das Landgericht im Fall Susanna das Urteil.

Angeklagter im Prozess um den Mord an Susanna
Ali B. - bekommt er heute die Höchststrafe?
Quelle: dpa

"Kaltblütig", so beschrieb Staatsanwältin Sabine Kolb-Schlotter den Angeklagten Ali B. in ihrem Plädoyer vor der Schwurgerichtskammer. Er habe den ganzen Prozess und auch in seinem persönlichen Verhalten weder Reue noch irgendwelche anderen Emotionen gezeigt. Der irakische Flüchtling Ali B. ist angeklagt, die 14-jährige Susanna vor mehr als einem Jahr im Wiesbadener Stadtteil Erbenheim vergewaltigt und ermordet zu haben.

Der Fall hatte bundesweit für Aussehen gesorgt. Ali B. hatte sich kurz nach der Tat mit seiner Familie in den kurdisch kontrollierten Nordirak abgesetzt. Er wurde von kurdischen Sicherheitskräften gefasst und von der Bundespolizei nach Deutschland überführt. Behördenchef Dieter Romann reiste dazu persönlich ins irakische Erbil.

Frauen als "Freiwild"

Ali B. gestand im Prozess die Tötung des Mädchens, bestritt jedoch eine Vergewaltigung. Staatsanwältin Kolb-Schlotter beschrieb Ali B. als einen Menschen, der Frauen verachte und sie als Schlampen und Freiwild betrachte. Er nehme sich, was er will, Susanna sei "ein Spielball seiner sexuellen Bedürfnisse" gewesen, so Kolb-Schlotter im Prozess. Die Tat von Ali B. zeichne sich durch "massive Gewalt" und "Skrupellosigkeit" aus.

Folgt das Gericht der Linie der Staatsanwaltschaft, wäre mit der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld auch eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft beantragte außerdem, eine Prüfung der vorbehaltlichen Sicherungsverwahrung durch das Gericht. Ali B. habe einen Hang zu Straftaten, vom ihm gehe eine "extreme Gefährlichkeit" aus.

Die Verteidigung stellte keinen konkreten Strafantrag. Rechtsanwalt Marcus Steffel hob in seinem Schlussvortrag jedoch hervor, dass Ali B. die Tat eingeräumt und Reue gezeigt habe. Er verwies auf die fehlende Sozialisierung seines Mandanten in Deutschland und dessen hohen Alkoholkonsum. Den Vorwurf der Vergewaltigung sieht die Verteidigung nicht nachgewiesen.

Der Fall Susanna und die Flüchtlingsdebatte

Ali B. war 2015 aus dem Irak nach Deutschland gekommen. Sein Asylantrag wurde Ende 2016 abgelehnt. Nach der Klage eines Anwaltes lag der Fall beim Verwaltungsgericht. Ali B. war bei der Polizei kein unbeschriebenes Blatt. Allerdings hatte es nach Auskunft hessischer Sicherheitsbehörden trotz mehrerer Verdachtsfälle keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine Untersuchungshaft gegeben.

Die Sicherheitsdebatte rund um den tatverdächtigen Flüchtling beschäftigte auch die Bundespolitik. Kanzlerin Angela Merkel sagte: "Der Fall zeigt doch, wie wichtig es ist, dass die Menschen, die keinen Aufenthaltsstatus haben, schnell ihr Verwaltungsgerichtsverfahren bekommen und schnell wieder nach Hause geschickt werden können."

Susannas Mutter erklärte im Prozess, dass keine Strafe für den Angeklagten gerecht sei. "Was meiner Tochter und uns angetan wurde, ist nicht wieder gut zu machen", sagte sie. Sie bekräftigte zugleich ihren Vorwurf an die Ermittlungsbehörden, sie habe sich in manchen Situationen "im Stich gelassen" gefühlt. Sie habe bereits lebenslänglich bekommen, obwohl sie keine Schuld trage. In seinem letzten Wort entschuldigte sich Ali B. bei Susannas Mutter für die Tat. Er sei bereit, seine Strafe auf sich zu nehmen und diese bis zum letzten Tag abzusitzen.

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