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Wie gefährlich ist Lasertag?

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Trendsport aus den USA - Wie gefährlich ist Lasertag?

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An Lasertag scheiden sich die Geister. Heute befasst sich ein Münchner Gericht damit. Aber: Wie schädlich ist das Spiel für Kinder? Eine Umfrage unter Eltern, Experten und Spielern.

Archiv: Ein Junge zielt mit einem Phaser beim Lasertag auf andere Mitspieler im Lasertag Fun Center in Hannover am 02.03.2016
Trendspiel oder reine Ballerei? Lasertag wird in Deutschland immer beliebter - und kritisch beäugt.
Quelle: dpa

Lothar Wegner, Fachreferent für Gewaltprävention und stellvertretender Geschäftsführer Aktion Jugendschutz Landesarbeitsstelle Baden-Württemberg

Durch die Einteilung in Gruppen sind Teamgeist und Bewegungsfreude gefordert - wie bei jedem Spiel.
Lothar Wegner, Experte

"Das Problem ist: Die Forschungslage zum Thema ist eher unbefriedigend. Es gibt durchaus Studien, die das Spiel negativ sehen, andere aber beurteilen es auch positiv. Die meisten Kinder schaffen es, sich zu distanzieren und das Ganze als Spiel sehen. Die Eltern wiederum sehen es zum großen Teil als Wettkampf, nur wenige speichern es unter 'Kampf' ab. Durch die Einteilung in Gruppen sind Teamgeist und Bewegungsfreude gefordert - wie bei jedem Spiel.

Die Einhaltung von Regeln sollte durch Technik gesichert sein. Wer beispielsweise rennt, obwohl es verboten ist, bei dem sollte sich automatisch die Weste ausschalten oder so. Das ermöglicht ein faires Spiel. Es sollte natürlich immer jemand vom Personal in der Halle sein. Und wenn Kinder Angst bekommen, muss es ein Signal für den Ausstieg geben. Wenn das alles gewährleistet ist, sehe ich für die Freigabe auch ab 12 Jahren kein Problem."  

Melanie Wegel, Institut für Delinquenz und Kriminalprävention in Zürich

"Lasertag ist nicht so leicht zu beurteilen. In unserer Studie aus dem Jahr 2015 haben wir geraten, das Spiel für ab 12-Jährige zu verbieten und es erst ab 16 Jahren zu empfehlen - gerade im Zusammenhang damit, dass Sozialarbeiter es - damals zumindest - sehr positiv und teambildend angesehen haben und mit jungen Flüchtlingen, die aus Kriegsgebieten geflohen waren und traumatisiert waren, hineingegangen sind. Das war absurd. Für den Großteil von Jugendlichen ist Lasertag natürlich nicht gefährlich. Der geht in die Halle rein- und wieder raus.

Es gibt aber eben eine kleine Gruppe von "problematischen Nutzern", die ist unter 16 Jahre alt, spielt vorwiegend gewalthaltige Onlinespiele und nutzt Lasertag, um die Treffsicherheit zu verbessern und/oder Aggressionen abzubauen, wenn Videoshooting nicht mehr ausreicht. Da ist es sogar nicht auszuschließen, dass im Einzelfall eine Person, die ihre Treffgenauigkeit in Lasertag-Arenen trainiert, zukünftig auch in der Realität übergriffig wird. In einigen Lasertag-Spielräumen wird "nur" auf Kopf und Brust gezielt, bei anderen erhält man einen kleinen Stromschlag. Ich empfehle Lasertag erst ab 16 Jahren, weil dann das Gap zwischen virtueller und realer Welt schon viel einsehbarer ist."

Julia V., Mutter eines 12-jährigen Spielers

"Mein Sohn darf bei Kindergeburtstagen mit seinen Kumpels zu Lasertag-Events gehen. Seine Freunde sehen das nicht als Gewaltverherrlichung, sondern als Action-Spiel im Team. Selbstverständlich muss ein Erwachsener ein Auge auf die Kids haben. Eine Lasertag-Einheit dauert auch meist nur 20 Minuten, für längere Einheiten ist der Spaß sowieso zu teuer. Selbstverständlich reden wir darüber, dass es sich dabei um ein Spiel handelt, und dass Waffen niemals eine Lösung für irgendetwas sind."

Gerhard Engels, Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz e.V. (BAJ):

"Wir haben noch keine abschließende Meinung oder Empfehlung, da die jeweiligen Landesstellen für Kinder- und Jugendschutz das sehr unterschiedlich beurteilen. Deren Meinung hängt auch sehr von der jeweiligen Erfahrung ab. Bei den einen sind die Lasertag-Arenen tiefe Höhlen oder Bunker, mit regelrechten Kriegsszenarien, woanders wiederum sind sie hell und bunt und schauen eher aus wie Smaland bei Ikea oder ein Kinderspielsplatz. Vor allem die Bundesländer Bayern und Nordrhein-Westfalen haben sich schon intensiv mit dem Thema beschäftigt."    

Laura O., begeisterte Lasertag-Spielerin

Noch dazu kann es mit dem richtigen Team wirklich anstrengend werden und so kann Lasertag sicher auch gegen das 'Couchpotatoe'-Dasein einiger Kinder wirken.
Laura O., Spielerin

"Ich war anfangs tatsächlich skeptisch gegenüber Lasertag. Nach einigen Geschichten aus der Bundeswehr-Vergangenheit meines Vaters, war ich nicht sehr überzeugt davon, 'zum Spaß' auf andere Leute zu schießen. Mein Vater sieht es als sehr kritisch an, wenn auch nur aus Spaß jemand eine Spielzeug-Waffe auf ihn richtet.

Irgendwann habe ich mich aber doch überreden lassen und wurde eines Besseren belehrt. Wir waren mittlerweile zweimal mit unserer Vereinsjugend Lasertag spielen und es hat tatsächlich Spaß gemacht. Ich denke, wenn man sich von vornherein bewusst ist, dass es sich um ein Spiel handelt und es dabei auch sehr viel um Teamwork geht, kommen dabei gar keine 'falschen Gedanken' auf. Noch dazu kann es mit dem richtigen Team wirklich anstrengend werden und so kann Lasertag sicher auch gegen das 'Couchpotatoe'-Dasein einiger Kinder wirken."

Florian Rehbein, Diplom-Psychologe am Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen

Fest steht: Es gibt nicht das eine Lasertag-Angebot. Wir reden hier von ganz unterschiedlichen Spielformen und daher muss anhand von sehr vielen Faktoren - von der Gestaltung der Arena und Ausrüstung bis hin zu den konkreten Spielzielen - beurteilt werden, für welche Altersgruppen ein Angebot geeignet ist.
Florian Rehbein, Experte

"Die Beurteilung von Lasertag-Angeboten ist eine komplizierte Angelegenheit. Fest steht: Es gibt nicht das eine Lasertag-Angebot. Wir reden hier von ganz unterschiedlichen Spielformen und daher muss anhand von sehr vielen Faktoren - von der Gestaltung der Arena und Ausrüstung bis hin zu den konkreten Spielzielen - beurteilt werden, für welche Altersgruppen ein Angebot geeignet ist. Es gibt durchaus Lasertagangebote, die sind im engeren Sinne als Kriegssimulationen zu bewerten und für Minderjährige grundsätzlich nicht geeignet. Dann aber gibt es Angebote, die durchaus auch jüngere Altersgruppen nicht gefährden. Da stehen dann zum Beispiel ganz andere Spielziele als das Treffen anderer Spieler deutlich im Vordergrund der Spielinszenierung.

Man kann sich das vielleicht anhand der Alterseinstufung von Computerspielen verdeutlichen. Da existiert ja auch keine einheitliche Altersfreigabe für alle Computerspiele. Selbst die Alterseinstufungen von actionreichen Spielen, in denen virtuell auf andere 'geschossen' wird, rangieren zwischen 'Ab 12 Jahren' und 'Ab 18 Jahren'. In ähnlicher Weise kann es in meinen Augen auch keine einheitliche Altersgrenze für Lasertag geben. Somit ist es nicht überraschend, warum unterschiedliche Lasertaganlagen auch unterschiedliche Altersfreigaben erhalten. Die Jugendämter müssen für ein konkret vor Ort bestehendes Lasertagangebot entscheiden und eine Altersgrenze ableiten, ab der eine Gefährdung für die Spielteilnehmenden ausgeschlossen werden kann. Die dabei zugrundegelegten Kriterien sind für Laien nicht immer verständlich."

Die Umfrage machte Elisabeth Jändl.

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