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Urwald statt Monokultur - Wie Wälder sinnvoll genutzt werden

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Möbel, Papier, Verpackungen: Holz aus deutschen Wäldern wird für vieles verwendet. Doch wie können wir Wälder nutzen und trotzdem schützen? Die Lösung heißt: mehr Vielfalt.

Der deutsche Wald ist Sehnsuchtsort, Mythos und - Holzlieferant.

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Die Waldfläche in Deutschland hat sich zwischen 2002 und 2012 nur wenig verändert. 58.000 Hektar Waldverlust stehen 108.000 Hektar neuem Wald gegenüber. 32 Prozent der deutschen Landesfläche ist Waldgebiet. Dabei steckt der Teufel allerdings im Detail. Denn Wald ist nicht gleich Wald. "Je älter ein Wald ist, desto mehr Biomasse hat er. Und je mehr Biomasse im Wald vorhanden ist, desto mehr kann der Wald sich selbst und seine Umgebung kühlen", erklärt Pierre Leonhard Ibisch, Professor für Naturschutz an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde.

Wälder gegen den Klimawandel

In den vergangenen Jahren wurden neue Wälder meist von Menschenhand mit Kiefern und Fichten in großen Abständen bepflanzt. In den Monokulturen können die Bäume zwar schnell wachsen, der Boden erhitzt sich durch den fehlenden Schatten aber auch schneller. Vor allem bei immer länger werdenden Hitzeperioden leiden neue, dünn bepflanzte Wälder unter der Trockenheit. Das betrifft nicht nur Bäume, sondern auch den Waldboden mit vielen wichtigen Nährstoffen. In den älteren, dicht gewachsenen Wäldern, ist es am Boden oftmals deutlich kühler. In den "Heiligen Hallen", Deutschlands ältestem Wald im Landkreis der Mecklenburgischen Seenplatte, wurden zum Teil bis zu zwölf Grad weniger gemessen als in einem nah gelegenen Kiefernwald.

In den "Heiligen Hallen" sind die Bäume meist deutlich älter als 100 Jahre. So ein Baum spendet 4.600 Kilogramm Sauerstoff im Jahr. Das reicht für einen Erwachsenen mehr als 13 Jahre zum Atmen. Selbst wenn die Bäume sterben, spendet das sogenannte Totholz Nährstoffe für Lebewesen und Pflanzen. "Mit mehr Wäldern wie den 'Heiligen Hallen' könnten wir der Erwärmung entgegenwirken", ist Nachhaltigkeits-Professor Ibisch überzeugt.

Wälder durch Hitze immer mehr belastet

Durch die lang anhaltende Hitze in diesem Sommer haben gerade neu gepflanzte Bäume stark gelitten. Rund die Hälfte der jungen Bäume habe die diesjährige Hitzeperiode nicht überstanden. "Wie bei einem langen Winter für Menschen ist das Immunsystem der Bäume bei lang anhaltender Hitze stark geschwächt. Krankheitserreger haben es dann deutlich einfacher", erklärt Maike Wanders von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW). Insekten wie der Borkenkäfer können die geschwächten Bäume so extrem schädigen. 

Ein Umdenken hat auch bei vielen privaten Waldbesitzern eingesetzt, denen ungefähr die Hälfte des deutschen Waldes gehört. Lange Zeit haben viele Waldeigentümer auf schnell wachsende, aber anfälligere Nadelwälder gesetzt, weil die früher Geld erwirtschaften. Der Vizepräsident des Europäischen Waldbesitzerverbandes, Philipp zu Guttenberg, erklärt aber: "Wir sind dabei, unsere Wälder der Situation anzupassen und gehen immer mehr auf Mischwälder. Aber in diesem Jahr waren auch Buchen und Eichen von der Hitze betroffen".

Die veränderten Klimabedingungen, wie extrem heiße Sommer, werden die Forstwirtschaft künftig noch stärker beschäftigen. Denn es wird deutlich, dass mehr Wald nicht unbedingt besserer Wald bedeutet.

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