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Deutsche Bank - Von den großen Finanzhäusern abgehängt

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Drei US-Großbanken haben am Freitag über ihre Geschäfte informiert. Das Fazit: Die Gewinne sprudeln, und zwar kräftig. Warum sind Banken wie die Deutsche ins Hintertreffen geraten?

Die Geschäfte von JP Morgan, der Citigroup und Wells Fargo laufen so, wie es sich deutsche Banken derzeit nur erträumen können. Ein Vorteil der amerikanischen Banken liegt in der Vergangenheit begründet: Staatlich verordnete Finanzspritzen sorgten dafür, dass sich die angeschlagene Bankenbranche nach der Finanzkrise in Amerika schneller erholen konnte. "Das hat den Banken die Möglichkeit gegeben, letztendlich einen Warmstart hinzulegen", sagt der Börsenhändler Oliver Roth aus dem Wertpapierhandelshaus Oddo Seydler. "Die Deutsche Bank war zu stolz zuzugeben, dass sie auch in einer prekären Lage steckte und hat staatliche Hilfen abtgelehnt. Das ist nun einer ihrer großen Nachteile gegenüber der Konkurrenz in Amerika".

Gewinne der US-Banken sprudeln

Die Zahlen sprechen für sich: So hat das größte amerikanische Geldhaus JP Morgan alleine in den ersten drei Monaten des Jahres 8,7 Milliarden Dollar verdient; bei der Citigroup waren es 4,6 Milliarden. Und selbst die von Skandalen gebeutelte Wells Fargo konnte ihren Gewinn deutlich ausbauen und verdiente unter dem Strich fast sechs Milliarden Dollar. In einem Quartal, wohlgemerkt. Für die Deutsche Bank wäre es schon ein Erfolg gewesen, wenn sie im gesamten vergangenen Jahr eine Milliarde verdient hätte. Hat sie aber nicht. In ihrer Bilanz nämlich stand ein Verlust von rund einer Dreiviertelmilliarde Euro.

Ein zweiter Vorteil, der den amerikanischen Banken im Unterschied zu den europäischen derzeit in die Karten spielt: Die Zinsen in den USA steigen langsam, aber beständig wieder. Auch das lässt sich an den Bilanzen der US-Banken ablesen: Beim Marktführer JP Morgan etwa haben die anziehenden Zinsen beim Zinsergebnis für ein Plus von neun Prozent gesorgt, einfacher gesagt: Die Bank verdient zunehmend wieder Geld, indem sie Kredite vergibt und durch die Zinsen Gewinne erwirtschaftet.

Zinsen und Abbau der Regulierung dürften Kluft vergrößern

Die US-Notenbank FED erhöht schrittweise die Zinsen wieder, normalisiert also ihre Geldpolitik.  Der aktuelle von der FED festgelegte Leitzins in den USA liegt mittlerweile bei einem Prozent und gibt den amerikanischen Instituten mehr Spielräume als den Europäischen, wo die EZB die Zinsen nach wie vor bei null Prozent hält. "Die FED hat einfach mehr Freiräume als die EZB, weil die von Griechenland bis Deutschland sehr unterschiedliche Strukturen in den einzelnen Ländern vorfindet. Eine pauschale Zinspolitik ist da natürlich viel schwieriger zu machen als in einem einzelnen Land wie den USA", sagt der Bankenexperte und Präsident des Bayerischen Finanz Zentrums Wolfgang Gehrke.

Für die Zukunft wiederum spielt wahrscheinlich noch eine Entwicklung eine entscheidende Rolle: Die Regierung in Washington plant, Regulierungen, die nach der Finanzkrise für das Bankensystem eingeführt worden sind, wieder zurück zu drehen. Das dürfte den amerikanischen Banken wiederum Vorteile bringen, weil die dann wieder höhere Risiken eingehen dürfen. Dass das auch zu Lasten der Finanzstabilität in den USA gehen wird, ist ein anderes Thema.

Schwierige Zeiten für die Deutsche Bank

Schließlich haben die Schwankungen und Turbulenzen an den Aktienmärkten in den vergangenen Monaten für einen verstärkten Handel gesorgt. Das hat beispielsweise bei der Citigroup die Erträge in diesem Handelsbereich steigen lassen. Im Anleihehandel dagegen sind die Erträge bei der amerikanischen Konkurrenz zurückgegangen. Das ist kein gutes Omen für das erste Quartal der Deutschen Bank. Denn in diesem Bereich der Finanzmärkte sind die Frankfurter traditionell gut aufgestellt. Unter den aktuellen Bedingungen wird es jedenfalls auf absehbare Zeit sehr schwer bis unmöglich werden für die Deutsche Bank, wieder zu ihren amerikanischen Konkurrenten aufzuschließen.

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