Sie sind hier:

Drohendes Impeachment - Trumps Strategiewechsel in der Ukraine-Affäre

Datum:

Trump droht nach der Ukraine-Affäre ein Amtsenthebungsverfahren. Doch er setzt zum Gegenangriff an. Ein klarer Strategiewechsel, sagt ZDF-Korrespondent Theveßen.

Trotz eines möglichen Amtsenthebungsverfahrens ermuntert US-Präsident Donald Trotz eines möglichen Amtsenthebungsverfahrens ermuntert US-Präsident Donald Trump nun auch China zu Untersuchungen gegen seinen politischen Rivalen Joe Biden und dessen Sohn. …

Beitragslänge:
3 min
Datum:

In den Vorermittlungen zu einem möglichen Amtsenthebungsverfahren haben die Vorsitzenden der zuständigen Ausschüsse im US-Repräsentantenhaus schwere Vorwürfe gegen Präsident Donald Trump erhoben. Der Präsident und seine Berater führten "eine Kampagne mit Falschinformationen und Irreführung", um es normal erscheinen zu lassen, dass man ausländische Kräfte zur Beeinflussung von US-Wahlen anwerbe, heißt es in einem veröffentlichten Schreiben von Eliot Engel, Adam Schiff und Elijah Cummings an Kongressabgeordnete. Dieses bezieht sich auf jüngst bekannt gewordene Gespräche mit Vertretern der Ukraine.

SMS bieten "ungeschminkten Blick"

In einem Anhang an ihr Schreiben veröffentlichten die Ausschussvorsitzenden zudem brisante Textnachrichten des bisherigen Sondergesandten für die Ukraine, Kurt Volker, der am Donnerstag vor den ermittelnden Ausschüssen im Repräsentantenhaus ausgesagt hatte. "Mit der Veröffentlichung dutzender von Kurzmitteilungen der beteiligten Diplomaten wollen die Demokraten im Kongress die öffentliche Meinung zugunsten einer Amtsenthebung beeinflussen", sagt ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen:

Trump droht ein Amtsenthebungsverfahren, weil er den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in einem Telefonat Ende Juli zu Ermittlungen gegen den Joe Biden und seinen Sohn Hunter ermuntert hatte. Der Inhalt des Gesprächs kam allerdings erst an die Öffentlichkeit, nachdem ein anonymer Geheimdienstmitarbeiter Beschwerde bei einem internen Kontrollgremium eingereicht hatte.

Aufforderungen Trumps "unethisch, unpatriotisch und falsch"

Biden bewirbt sich um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten für die Wahl 2020. Trump beschuldigt ihn, sich als US-Vizepräsident um die Entlassung des ukrainischen Generalstaatsanwalts bemüht zu haben, um seinen Sohn vor der Justiz zu schützen. Belege dafür hat er bisher nicht vorgelegt. Den Demokraten zufolge nutzte der Präsident auch blockierte Militärhilfe als Druckmittel, damit sich eine ausländische Regierung zu seinen Gunsten in den Wahlkampf einmischt.

Der Inhalt von Trumps Telefonat mit Selenskyj sei bekannt, schreiben Engel, Schiff und Cummings in ihrem Brief weiter. Dennoch behaupte Trump, er habe nichts falsch gemacht. Und nun habe er gar China öffentlich dazu aufgerufen, ebenfalls gegen Biden und dessen Sohn zu ermitteln. "Das ist nicht normal und auch nicht akzeptabel", schreiben die drei Abgeordneten: "Es ist unethisch, unpatriotisch und falsch." US-Präsidenten sollten niemals ausländische Kräfte unter Druck setzen, ihre internen politischen Rivalen anzugreifen.

Mit Blick auf die Ukraine hatte Trump am Donnerstag vor laufenden Kameras im Garten des Weißen Hauses gesagt: "Ich würde denken, wenn sie ehrlich wären, würden sie eine umfassende Untersuchung der Bidens einleiten." Wenn er selbst an Selenskyjs Stelle wäre, würde er das "sicherlich empfehlen", sagte Trump. "Und übrigens: China sollte ebenfalls eine Untersuchung der Bidens beginnen", fügte er hinzu.

Erst die Ukraine - jetzt fordert US-Präsident Trump auch China offen auf, gegen seinen Rivalen Biden zu ermitteln. Und riskiert damit weiter ein Amtsenthebungsverfahren gegen sich selbst.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

ZDF-Korrespondent sieht Strategiewechsel

Für ZDF-Korrespondent Theveßen ist Trumps Aufforderung an China "ein Strategiewechsel". "Er behauptet, dass er nach der amerikanischen Verfassung als Präsident tun darf, was er will. Das Impeachment-Verfahren dreht sich deshalb immer mehr darum, wie die Machtverhältnisse in den Vereinigten Staaten von Amerika verteilt sind - wie in einer Demokratie oder wie in einem autokratischen Regime."

Trump behauptet unter anderem, dass Hunter Biden ein Geschäft für einen Fonds eingefädelt habe, als er seinen Vater Ende 2013 auf einer offiziellen Reise nach China begleitete.

Tauschgeschäft mit Ukraine

Die von Volker an die Ermittler weitergegebenen Textnachrichten deuten derweil darauf hin, dass Trump ein Treffen mit Selenskyj im Weißen Haus davon abhängig gemacht habe, dass dieser in der Causa Biden mit ihm kooperiere.

In einer Nachricht äußerte der Diplomat und ehemalige US-Botschafter in der Ukraine, Bill Taylor, zudem ernsthafte Bedenken darüber, dass das Blockieren von Militärhilfe als Druckmittel genutzt werden sollte. "Ich denke, es ist verrückt, militärische Unterstützung zu verweigern, um Hilfe für eine politische Kampagne zu bekommen", wird Taylor zitiert.

Diese SMS an einen Kollegen im amerikanischen Außenministerium zeige, dass selbst bei erfahrensten Diplomaten der Eindruck entstand, dass ein Deal gemacht werden sollte", sagt ZDF-Korrespondent Theveßen. "Belastende Informationen über den politischen Widersacher Biden im Austausch gegen Militärhilfe für die Ukraine."

Auch Pompeo scharf kritisiert

In ihrem Schreiben kritisieren die Ermittler auch Außenminister Mike Pompeo scharf. Dieser habe von dem Telefonat zwischen den beiden Präsidenten gewusst, aber weder den Inlandsgeheimdienst FBI noch andere Strafverfolgungsbehörden darüber informiert.

Zudem gingen die Ermittler derzeit Berichten nach, wonach Vizepräsident Mike Pence ebenfalls von dem Inhalt des Gesprächs gewusst habe. Möglicherweise sei auch sein Fehlen bei der Amtseinführung Selenskyjs als ein weiteres Druckmittel auf die Ukraine gedacht gewesen, hieß es.

In den Vorermittlungen für ein Impeachment-Verfahren soll auch Pompeo im Kongress vorgeladen werden. Für ihn läuft an diesem Freitag eine Frist für die Herausgabe von Dokumenten im Zusammenhang mit der Ukraine-Affäre aus, zu der er unter Strafandrohung aufgefordert wurde. Die Demokraten wollen auch das Weiße Haus unter Strafandrohung zur Herausgabe von Dokumenten zwingen. Dafür wollten sie ebenfalls am Freitag eine sogenannte Subpoena erlassen, sollte das Weiße Haus die bereits am 9. September angeforderten Unterlagen nicht übermitteln.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.