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Handelsstreit - US-Großkonzerne dringen auf Einlenken Trumps

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Aus Sorgen um ihr Geschäft drängen in den USA Großkonzerne wie Amazon die Regierung verstärkt zu einem Einlenken im Handelsstreit. Ein Drahtseilakt.

Strafzölle: USA und Europa - Handelskrieg
Strafzölle: USA und Europa - Handelskrieg
Quelle: reuters

Der weltgrößte Onlinehändler Amazon erwägt branchenweite Werbekampagnen und eine umfangreichere Lobbyarbeit, um die Pläne für weitere Sonderzölle zu vereiteln, wie aus dem Umfeld des Unternehmens verlautete. Der Aluminium-Produzent Alcoa will in Gesprächen mit der Regierung und Kongress-Mitgliedern eine Abschaffung der seit Juni geltenden Zölle für die Branche oder zumindest Ausnahmen erreichen. Toyota versucht mit Demonstrationen von Mitarbeitern in Washington den Druck gegen die von Präsident Donald Trump angedrohten Zölle auf Importe von Autos und Zulieferer-Teilen zu erhöhen.

Für Firmen ein Balanceakt

Für die Unternehmen ist es ein Drahtseilakt. Sie versuchen dabei, jede Konfrontation mit Trump zu vermeiden, aber zugleich so viel Einfluss wie möglich auszuüben. Amazon sorgt sich den Insidern zufolge vor allem wegen der Trump-Pläne für neue Sonderzölle auf chinesische Produkte. Dies könne zum einen über höhere Preise das Weihnachtsgeschäft empfindlich treffen. Aber auch das Cloud-Computing zur Auslagerung von IT-Diensten ins Internet, bei dem Amazon Weltmarktführer ist, könne unter höheren Importkosten für Komponenten für die riesigen Datenzentren leiden. Amazon wollte sich nicht dazu äußern.

Alcoa bekommt die Folgen der US-Zollpolitik bereits direkt zu spüren. Wegen der Abgaben strich das US-Unternehmen kürzlich seine Jahresprognose zusammen. Die monatlichen Mehrkosten wegen der Zölle auf Aluminiumimporte dürften sich künftig auf bis zu 14 Millionen Dollar belaufen - vor allem wegen Zöllen auf Einfuhren aus Kanada, dem größten Lieferanten des Konzerns. Alcoa-Chef Roy Harvey berichtete daraufhin von "aktiven Gesprächen" mit der Trump-Regierung, dem Handelsministerium und Mitgliedern des Kongresses über die Abschaffung der Zölle oder eine Ausnahme für kanadisches Aluminium.

Trumps Handelskrieg betrifft auch US-Autobauer

Trump verhängte Zölle von 25 Prozent auf Stahlimporte und zehn Prozent auf Aluminium aus Ländern wie Kanada, Mexiko und der Europäische Union, die im Juni in Kraft traten. Trump will damit die US-Industrie schützen, hat aber einen umfassenden Handelskonflikt mit der EU und der Wirtschaftsgroßmacht China angezettelt.

Wegen Vergeltungsmaßnahmen droht Trump der EU auch mit Zöllen auf Auto-Importe. Auch Toyota macht dagegen mobil. Die US-Tochter des japanischen Volkswagen-Rivalen flog in der vergangenen Woche Arbeiter nach Washington, um dort gegen angedrohte Zölle auf die Einfuhr von Fahrzeugen und Komponenten zu demonstrieren. Der Chef der Sparte spricht schon seit Wochen mit Mitgliedern des Kongresses über mögliche Folgen der Zölle.

Auch General Motors befürchtet geschäftliche Einbußen wegen Trumps protektionistischer Handelspolitik. Der größte US-Autobauer warnte kürzlich die US-Regierung deswegen vor einem Aufkündigen des nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA mit Mexiko und Kanada und vor Auto-Zöllen. Die Tarife würden zu einer "reduzierten Präsenz im In- und Ausland" führen. Unterstützung erhofft sich der Konzern Insidern zufolge von einem früheren Regierungsinsider und Trump-Berater. Der Anfang des Monats als stellvertretender Direktor des nationalen Wirtschaftsrats zurückgetretene Everett Eissenstat solle künftig die Öffentlichkeitsarbeit von GM leiten.

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