Sie sind hier:

Wirtschaftsexperten - US-Defizit nicht per se Ausdruck von Schwäche

Datum:

Große Handelsdefizite - sind sie ein Problem oder werden sie überbewertet? Fachleute sind gespalten. Fest steht: So manche Importe aus China schaden sehr wohl der US-Industrie.

Freiheitsstatur vor Hafen
Freiheitsstatur vor Hafen Quelle: ZDF

US-Präsident Donald Trump hat bei seinem Besuch in Peking wieder einmal gegen das "schockierend" große Defizit der USA im Handel mit China gewettert. "Ich mache die früheren Regierungen dafür verantwortlich", sagte er, "zuzulassen, dass dieses aus der Kontrolle geratene Defizit zustande gekommen und gewachsen ist".

Defizit als Schmach dargestellt

Die ungleichen Handelsbeziehungen der USA mit China und dem Rest der Welt sind ein Lieblingsthema Trumps und seines Teams von Wirtschaftsberatern. Sie haben Handelsdefizite als Kennzeichen wirtschaftlicher Schwäche - und sogar Schmach - dargestellt, die Wachstum bremsen und in den USA Arbeitsplätze vernichten.Viele Ökonomen widersprechen Trump: Handelsdefizite bedeuten nicht zwangsläufig Schwäche und mit jedem Land eine ausgeglichene Handelsbilanz anzustreben, halten sie für unsinnig. Doch manche Regionen der USA sind besonders geplagt von der Konkurrenz aus China - dort, wo viele Trump gewählt haben.

"Sich auf das Handelsdefizit als Anzeichen einer Schwäche zu fokussieren, ist grundsätzlich ein Fehler", sagt Bryan Riley, Handelsexperte der konservativen Heritage Foundation. "Wenn man sich die Geschichte anschaut, gibt es keine Korrelation zwischen Handelsdefiziten und schwacher Wirtschaft."

Manchmal auch ein Zeichen des Aufschwungs

Ein großes Handelsdefizit - das zeigt, um wie viel die Importe die Exporte übersteigen - kann auch Ausdruck eines Konjunkturaufschwungs sein: Verbraucher sind in guten Zeiten zuversichtlich und geben bereitwillig Geld aus - sowohl für importierte als auch im Inland produzierte Waren.

2006, im Jahr vor Beginn der Wirtschafts- und Finanzkrise, wuchs die US-Wirtschaft um solide 2,7 Prozent. Im gleichen Jahr erreichte das US-Defizit beim Handel mit Waren und Dienstleistungen einen Rekord: 762 Milliarden Dollar.

Als die Rezession 2009 ihren Tiefpunkt erreichte, hatte das Defizit sich auf 384 Milliarden Dollar halbiert. Der Hauptgrund: Ängstliche US-Konsumenten hatten ihre Ausgaben für Importe verringert - ebenso wie für anderes.

China setzt US-Industrie im mittleren Westen zu

Oder man blickt nach Japan. Das Land hat jahrelang Handelsüberschüsse verbucht, obwohl die Wirtschaft während des letzten Vierteljahrhunderts die meiste Zeit beinahe stagniert hat. Im vergangenen Jahr betrug das US-Defizit beim Handel mit Waren und Dienstleistungen fast 505 Milliarden Dollar. Das Defizit alleine mit China lag bei 309 Milliarden Dollar. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres weitete das Defizit sich um 9 Prozent aus im Vergleich zur Vorjahresperiode.

Ein Grund, warum Amerikaner so viel Geld für importierte Waren ausgeben: Sie bekommen aus anderen Ländern billigere Produkte und mehr Auswahl. Anderen kosteten sie den Job. Konkurrenz aus China hat beispielsweise dem mittleren Westen der USA und den Textilproduzenten im Südosten zugesetzt und Hunderttausende Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe zerstört. Dort setzt Trump an. Er argumentiert, dass China, Mexiko und einige andere Länder unfaire Handelsabkommen ausnutzten, um ihre Exporte in die USA zu fördern und Importe zu blockieren.

China subventioniert Exporte

Viele Demokraten stimmen dem zu, ebenso viele Ökonomen. China ist berüchtigt dafür, seine Exporteure zu subventionieren und aus anderen Ländern Geschäftsgeheimnisse zu klauen. Der Hauptgrund für das Handelsdefizit der USA liegt aber nicht am schlechten Benehmen eines anderen Landes, sondern an den Amerikanern selbst: Sie geben viel Geld aus und sparen wenig. Dies zeigt sich an den Haushaltsdefiziten in Washington und den Schulden, die Amerikaner mit ihren Kreditkarten machen. Wenn man mehr ausgibt als man produziert, füllen Importe die Lücke.

Wenn Amerikaner über ihre Verhältnisse leben, sollten sie nicht das Ausland dafür verantwortlich machen, sagen einige Ökonomen.Trump hat insbesondere einige der großen Handelsdefizite aufs Korn genommen, die mit manchen einzelnen Ländern bestehen. Beispielsweise zielt sein Drängen, das nordamerikanische Freihandelsabkommen neu zu verhandeln, darauf ab, das Handelsdefizit mit Mexiko zu verkleinern.

Wenig aussagekräftig

Ökonomen sagen aber, dass die Handelsdefizite eines Landes mit einzelnen anderen Ländern wenig aussagen. Es ist normal, dass die USA mit manchen Ländern Überschüsse erwirtschaften und mit anderen Defizite. Der ehemalige US-Handelsbeauftragte Robert Zoellick witzelte vergangenen Monat, dass er beim Handel mit dem Supermarkt an seinem Wohnort ein Defizit erzielt.

Riley von der Heritage Foundation meint: "Zu erwarten, dass wir mit jedem Land der Welt einen ausgeglichenen Handel haben sollten - das wird nie passieren."

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.