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US-Präsident in London - Wo Fettnäpfchen lauern: Trump bei den Briten

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US-Präsident Trump kommt als Staatsgast nach Großbritannien - samt Queen-Empfang. Viel Raum für Fettnäpfchen, in die er mehr oder minder absichtlich treten könnte.

US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania
Für drei Tage nach Großbritannien: US-Präsident Trump und First Lady Melania
Quelle: AP

Für US-Präsident Donald Trump gibt es keine Regeln. Wenn er Herzogin Meghan "gemein" nennen will, macht er es halt. Wenn er seinen Senf zur Diskussion um die Nachfolge von Großbritanniens Premierministerin Theresa May abgeben will, tut er auch dies. Aber wird er oder wird er nicht eine so altehrwürdige Institution - und genau das ist die Queen of England - desavouieren? Es scheint die wichtigste Frage bei diesem Staatsbesuch im Vereinigten Königreich zu sein. Denn die drei Tage sind vollgepackt mit Fettnäpfchen, in die Donald Trump nicht versehentlich, sondern gar mit voller Absicht treten könnte, bis jedem royal und national gesinnten Briten die Zornesröte ins Gesicht steigt.

Es erscheint abwegig, dass er in der Gegenwart der Königin von England unfreundlich sein könnte. Es sei denn, sie provoziert ihn - eher unwahrscheinlich.
Michael o'Hanlon vom Brookings-Institut

Heute Nachmittag wird der US-Präsident von Queen Elizabeth persönlich im Buckingham-Palast begrüßt. Danach ein Treffen mit Prinz Charles und Camilla, gefolgt vom abendlichen Staatsbankett im Palast mit den großen Festreden. Aber wer von Trump dabei flegelhaftes Verhalten erwartet, könnte sehr schnell enttäuscht werden, meint Michael o'Hanlon vom Brookings-Institut: "Es erscheint abwegig, dass er in der Gegenwart der Königin von England unfreundlich sein könnte. Es sei denn, sie provoziert ihn - eher unwahrscheinlich. Und ich wäre sehr überrascht, wenn er sich bei dieser Gelegenheit danebenbenimmt."

Erst als dritter US-Präsident als Staatsgast empfangen

Tatsächlich weiß Donald Trump, so ist aus seinem Umfeld zu hören, durchaus zu schätzen, dass er seit dem Amtsantritt der Queen vor 67 Jahren erst der dritte US-Präsident ist, der hier als Staatsgast im Vereinigten Königreich empfangen wird. Diese Ehre wurde vor ihm nur George W. Bush 2003 und Barack Obama 2011 zuteil.

O'Hanlon rät deshalb, die Stimmung nicht ganz so ernst zu nehmen wie die Substanz des Besuchs, der mitten in das Brexit-Chaos platzt und in eine Zeit, in der große Fragen entschieden werden müssten: "Wird durch Trumps Außenpolitik dauerhafter Schaden angerichtet? Landen wir in Konflikten, die vermeidbar waren?" Der Sicherheitsexperte verweist auf Themen wie Iran, die Terrorgefahr, Chinas Machtstreben und weitere Herausforderungen, die der Zusammenarbeit zwischen Europa und den USA bedürften. "Das sind für mich die wirklich wichtigen Fragen", so o'Hanlon, "das andere, atmosphärische, in den Nachrichten dieser Woche, wird schnell wieder vergessen sein."

Treffen auch mit Johnson und Farage?

Deshalb ist der zweite Tag der Visite eigentlich viel spannender, denn am Dienstag schaut Trump in No. 10 Downing Street bei Theresa May vorbei. Da gehört es sich eigentlich nicht, wenn der Besucher sich schon in den letzten Tagen massiv in die Politik Großbritanniens einmischt. Am Freitag verkündet er stolz am Weißen Haus, dass er vielleicht auch seine beiden "Freunde" Boris Johnson und Nigel Farage treffen will, zwei "sehr gute Typen, interessante Leute".

Am Sonntag lässt Donald Trump dann per Saudi Times wissen, dass er Nigel Farage für den richtigen Mann hält, mit der EU den harten Brexit zu verhandeln. Farage, der mit seiner Brexit-Partei erstmals in einer Meinungsumfrage vor allen politischen Kräften im Land liegt, freute so sehr darüber, dass er die Anrufer bei seiner sonntäglichen Radiotalkshow darüber diskutieren ließ, ob solch ein unverhohlener Einflussversuch auf die Nachfolgedebatte um das Amt des Premierministers denn erlaubt sei. Natürlich, so sein Fazit, schließlich habe "Barack Obama bei seinem Besuch 2011 den Leuten auch beibringen wollen, dass der Brexit eine dumme Idee" sei.

Eindeutig positioniert in Sachen Brexit

Er freut sich auf den Tag, an dem die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich eine bilaterale Vereinbarung verhandeln können, die für beide Länder vorteilhaft ist und dem Willen ihrer Völker entspricht.
John Bolton, Sicherheitsberater

Der Sicherheitsberater des amerikanischen Präsidenten, John Bolton, hat die Position des gegenwärtigen Weißen Hauses unmissverständlich klargemacht. Donald Trump wolle den Brexit, so Bolton im Interview mit SkyNews: "Er freut sich auf den Tag, an dem die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich eine bilaterale Vereinbarung verhandeln können, die für beide Länder vorteilhaft ist und dem Willen ihrer Völker entspricht." Deshalb gebe es auch wichtiges mit Theresa May zu diskutieren, auch wenn sie ihr Amt bald verlassen werde.

Tatsächlich wird es um die unterschiedlichen Auffassungen in der Iran-Frage gehen und um die Differenzen darüber, ob der chinesische Konzern Huawei am Aufbau der 5G-Mobilfunknetze in Europa und den USA beteiligt sein sollte. In beiden Punkten, so glaubt Michael o'Hanlon, werde der US-Präsident unnachgiebig sein. In der Iran-Frage sei dies zwar ein Fehler, aber in Sachen Huawei sieht der Sicherheitsexperte die US-Regierung auf die richtigen Seite: "Wer glaubt, dass man Huawei nur in einem bestimmten Teil des Internets beteiligen kann ohne Zugang zu anderen Teilen, der hat das Internet nicht verstanden. Das klingt vielleicht überheblich, aber die USA haben in der Sache Recht. Europa wünscht sich, es wäre anders, aber das ist es nicht", so o'Hanlon.

D-Day-Feier ohne große Beleidigungs-Gefahr

"China, stiehlt intellektuelles Eigentum, es gibt keine belastbare Trennung zwischen chinesischen Konzernen und dem Staat, und wir sind mit China im Wettbewerb, im Sicherheitsbereich und in der Wirtschaft. Da ist es keine gute Idee, China in Herz und Seele unserer Kommunikationssysteme hineinzulassen." Vor diesem Hintergrund könnte es bei Trumps Treffen mit May und der gemeinsamen Pressekonferenz am Dienstagnachmittag durchaus zu einem politischen Schlagabtausch auf offener Bühne kommen. Dabei muss Trump keine Rücksicht nehmen, denn May ist nicht die Queen, sondern "nur" eine gescheiterte Politikerin.  

Am Mittwoch dann nehmen die Premierministerin und der Staatsgast an der britischen Küste in Portsmouth die Gedenkfeier zum 75. Jahrestag der Landung in der Normandie. Da besteht wenig Gefahr, dass Donald Trump die Seele des Vereinigten Königreichs beleidigen wird. Denn militärisches Zeremoniell mag er gern. Da stören ihn vermutlich die Teilnehmer vom europäischen Festland, darunter Angela Merkel und Emmanuel Macron, nicht wirklich. Nur einen Stachel fühlt der amerikanische Präsident bei seinem Staatsbesuch auf der britischen Insel: dass er die so sehr von ihm gewünschte Kutschfahrt mit der Queen durch London nicht bekommt. Spätestens bei der Festrede an diesem Montagabend wird die Welt erfahren, ob es doch noch aus ihm rausplatzt - oder er die große Ehre, hier zu sein, wirklich auch zu schätzen weiß.

Elmar Theveßen ist Leiter des ZDF-Studios in Washington.

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