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Gefährliche Liebschaften - Trump geht auf die Demokraten zu

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Donald Trump sucht neue Verbündete im politischen Washington. Seine Republikaner haben ihn zu oft hängen lassen. Inzwischen rückt er dafür sogar von Prestige-Projekten ab, etwa dem Mauerbau. Seine Fans reiben sich die Augen. Ihre Wut, die Trump im Wahlkampf noch nutzte, könnte sich nun gegen ihn wenden.

In den USA ziehen 15 Bundesstaaten gemeinsam vor Gericht. Sie klagen gegen die Entscheidung von US-Präsident Trump, das als „Dreamer“ bekannte Programm zu beenden, das Kindern illegaler Einwanderer einen Abschiebeschutz gewährt.

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Man muss kein Trump-Kritiker sein, um davon auszugehen, dass der Präsident den Zauberlehrling nicht kennt. Er hat es nicht so mit Gedichten. Schade eigentlich. Er könnte viel davon lernen. Die Zauberei lief dem Lehrling bekanntlich aus dem Ruder. Er verlor die Kontrolle über die hilfreichen Geister, die er rief. Immer neue Wassereimer brachte der Besen. "O, du Ausgeburt der Hölle! Soll das ganze Haus ersaufen? Seh ich über jede Schwelle doch schon Wasserströme laufen", schrie der verzweifelte Lehrling.

Ulf Röller, Leiter des ZDF-Studios Washington
Ulf Röller Quelle: ZDF

Trump könnte es bald ähnlich ergehen. Sein Besen sind seine Wähler, die er während des Wahlkampfes verzaubert hat und die jetzt nicht mehr zu stoppen sind. Seine Anhänger haben sich zu einer Wutwelle formiert, die wie ein Tsunami über das Land fegt. Trump hatte versprochen, eine Mauer zu bauen und Mexiko dafür zahlen zu lassen. Passiert ist bisher aber nichts. Im Gegenteil: Der Plan liegt auf Eis. Trump spricht nur selten darüber. Und im Kongress fehlt selbst bei den Republikanern genügend Begeisterung, um die vielen Milliarden im Haushalt lockerzumachen. Seine Anhänger sind sauer, fühlen sich betrogen. Sie marschieren weiter, wie im Zauberlehrling der Besen zum Wasser.

Demokrat Schumer: "Trump mag uns und mich"

Derweil begibt sich der Präsident immer mehr auf politische Abwege. Trump hat sich diese Woche mit den Demokraten zum Abendessen getroffen. Chuck Schumer, der Minderheitenführer der Demokraten im Senat, gestand unvorsichtigerweise einem Kollegen. "Trump mag uns und mich." Leider war das Mikrophon offen und nun witzeln sie im Kongress über die neue Männerfreundschaft. Im Wahlkampf hatte der Präsident seine Anhänger noch damit beglückt, Schumer als Clown zu bezeichnen.

Washington hat schon manche Zwangsehe hervorgebracht. Aber diese? Und dann ging es bei dem Gespräch auch noch um Einwanderung. Trump und die Demokraten haben über ein Bleibrecht für Illegale gesprochen, die als Kinder nach Amerika kamen und sich bestens integriert haben. "Dreamer", Träumer werden sie genannt. Sie träumen von einer Zukunft in den USA. Im Wahlkampf wollte Trump sie alle noch deportieren. Jetzt signalisiert er Milde im Gespräch mit den Demokraten, stellt ein dauerhaftes Bleiberecht in Aussicht. Erstaunt und panisch reiben sich seine Fans die Augen.

Wo ist der alte Trump, den sie lieben und gewählt haben? Wo ist der Mann, der wie kein anderer Linke beleidigte? Wo ist der wütende Trump, der wie kein anderer Amerikas Grenzen dicht machen wollte. "We build the Wall", "wir bauen die Mauer" brüllten Trump und seine Fans gemeinsam einer schockierten Nation entgegen. Das klingt wie aus einer anderen politischen Zeit.

Präsident Trump wird dem Wahlkämpfer Trump untreu

Trumps politisches Fremdgehen basiert auf einer sehr einfachen Analyse, die das Weiße Haus gemacht hat. Der Präsident zweifelt an seinen Republikanern. Nach dem Debakel bei der Gesundheitsreform, als die Republikaner sich selbst Schachmatt setzten, ist Trump bereit, andere Mehrheiten zu suchen.

Mit dem Abgang von Rechtsaußen Steve Bannon und dem neuen Stabschef John Kelley haben sich die Kräfte im Weißen Haus verschoben. Die Nationalen, die ein klares Freund-Feind-Denken besitzen, sind durch die Pragmatiker ersetzt worden. Die Neuen in der Machtzentrale wollen Erfolge, egal mit wem. Im Haushaltsstreit hat Trump deshalb schon gegen den Willen seiner Partei mit den Demokraten erfolgreich zusammengearbeitet. Sie fanden einen Kompromiss, die Finanzierung des Staates bis Endes des Jahres zu sichern und die Hilfen für die Hurrikan-Opfer zu beschließen.

Trump muss aufpassen, dass die von ihm geschürte Wut ihn nicht auffrisst

Nun soll das so weiter gehen. Vielleicht funktioniert die neue Partnerschaft auch bei Steuerreform oder Infrastrukturgesetz. Dass der Präsident Trump dem Wahlkämpfer Trump dabei untreu wird, stört den Mann im Weißen Haus nicht. Wenn am Ende ein Steuer-Deal herausspringt, ist er zufrieden. Er glaubt, die Zauberworte zu finden, die seine Basis beruhigen. Die fühlt sich allerdings hintergangen, weil Trump die reine Lehre verrät. Der Präsident sollte sich an das Schicksal des Zauberlehrlings erinnern. "Herr, die Not ist groß! Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los."

Trumps Geister demonstrieren heute in Washington. Tausende von seinen Anhängern in der Stadt, randvoll mit Wut, die sie über die Hauptstadt ausschütten wollen. Vielleicht schafft es Trump ja, die Wut, die er gesät hat, einzufangen. Vielleicht ist er Lehrling und Zaubermeister zugleich. Vielleicht aber reicht seine Magie nicht aus. Dann wird aus dem Retter Trump schnell ein Verräter. Der Präsident muss aufpassen, dass die von ihm geschürte Wut ihn nicht auffrisst.

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