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Zinspolitik der US-Notenbank - Trump schießt gegen Fed

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Donald Trump kritisiert die US-Notenbank, seit Jahrzehnten hat das kein US-Präsident mehr getan. Analysten bewerten die Auswirkung seiner Aussagen unterschiedlich.

Donald Trump am 20.8.2018 in Washington
US-Präsident Donald Trump hat den Kurs der Notenbank Fed kritisiert. Quelle: reuters

US-Präsident Donald Trump hat den Kurs der Notenbank Fed kritisiert, von der er sich mehr Rückendeckung wünscht. "Ich bin nicht davon begeistert, dass er (Fed-Präsident Jerome Powell) die Zinsen erhöht. Nein, ich bin nicht begeistert", sagte Trump in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters.

Bereits zwei Mal Leitzins-Erhöhung in 2018

Auf die Frage, ob er an die Unabhängigkeit der Notenbank glaube, sagte der Präsident, er glaube an eine Fed, die "das tut, was gut für das Land ist". Es gebe im Handelsstreit harte Verhandlungen. "Wir werden gewinnen. Aber in dieser Zeit sollte mir die Fed etwas helfen." Zugleich warf Trump China und Europa vor, ihre Währungen zu manipulieren.

Die Fed hat in diesem Jahr bereits zweimal ihren Leitzins erhöht. Zuletzt hob sie im Juni den Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld auf die aktuell gültige Spanne von 1,75 bis 2,0 Prozent an. An den Börsen wird mit einem weiteren Schritt im September gerechnet, weil die US-Wirtschaft heiß läuft. Die Inflation ist so hoch wie seit sechs Jahren nicht mehr und die Arbeitslosigkeit so gering wie seit rund 20 Jahren. Trump hat mit seiner radikalen Steuerreform der Wirtschaft einen zusätzlichen Schub verliehen.

US-Präsidenten haben in der Vergangenheit die unabhängig agierende Fed so gut wie nie öffentlich kritisiert. Trump sagte, er werde sie sich aber weiter vornehmen, sollten die Zinsen noch mehr steigen. Die Federal Reserve wollte nicht auf die Aussagen Trumps eingehen.

Dollar unter Druck

Trumps kritische Äußerungen setzten im asiatischen Börsenhandel den Dollar unter Druck. Der japanische Yen legte am Dienstag gegenüber der US-Währung zu und stand bei einem Kurs von 109,9 zum Dollar. Auch der Euro und das britische Pfund profitierten ebenso wie die Währungen von Südkorea, Indonesien und Australien von Trumps Äußerungen.

Am Montag hatte der Euro an der Wall Street gegenüber dem Dollar bereits leicht zugelegt. Gegen 21.00 Uhr MESZ war die europäische Gemeinschaftswährung 1,1468 Dollar wert, gegenüber 1,1438 Dollar am Freitag zur selben Zeit. Auch gegenüber dem Yen verlor der Dollar leicht.

Trump bricht mit unausgesprochener Regel

Dass ein US-Präsident die Fed kritisiert, ist aus Sicht von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Kramer historisch sehr ungewöhnlich. "In den sechziger, siebziger Jahren war es noch üblich, dass sich Washington massiv in die Geldpolitik einmischt. Das Resultat kennen wir: eine hohe Inflation. Seit Präsident Clinton galt eigentlich die unausgesprochene Regel, dass der Präsident die Notenbank-Politik nicht kommentiert. Mit dieser Regel hat Trump gebrochen", sagte er. Ursprünglich hätten Trump und die Republikaner die Fed wegen ihrer lockeren Geldpolitik kritisiert. Nun komme ein opportunistischer Schwenk.

"Trump befürchtet nun offenbar, dass höhere Zinsen der US-Konjunktur schaden können. Sein Finanzminister muss ebenfalls höhere Zinsen zahlen", betonte er. Keine Zentralbank der Welt könne sich langfristig der Tatsache entziehen, dass beträchtliche Teile der Wählerschaft gegen ihre Unabhängigkeit sind. "Dann findet sich die Zentralbank unter dem Einfluss der Politik wider. Wenn sich das ändert in Amerika, dann hat die Fed langfristig Gegenwind." Sollte Trump ein zweites Mal Präsident werden, könne die Unabhängigkeit in fünf bis zehn Jahren erodieren. "Dann kann sich die Fed dem Druck nicht mehr entziehen. Langfristig ist das gefährlich."

Der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, sieht das anders: "Trumps Kommentare halte ich für bedeutungslosen Lärm. Anders als in Fragen der Handels- und Außenpolitik, wo man seine Aussagen ernster nehmen muss, kann er Entscheidungen der Fed nicht beeinflussen", sagte er. Auch der von Trump ernannte Fed-Präsident Jerome Powell werde sich nicht reinreden lassen.

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