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US-Richterin Ruth Bader Ginsburg - Popstar am Obersten Gerichtshof

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Ruth Bader Ginsburg ist gerade 85 geworden. Ihre Richterrobe will sie aber noch lange nicht einmotten. Sie will weiterkämpfen - für liberale Werte, Frauen- und Minderheitenrechte.

Ruth Bader Ginsburg
Ruth Bader Ginsburg Quelle: reuters

"Schau mal, das ist Ruth." Eine alte Dame im Glitzer T-Shirt hält einen Glücksbringer hoch. Ihre Tochter nickt. "Ruth Bader Ginsburg, ja! Und hier ist auch ein Buch über sie." Mutter und Tochter stehen im Museumsladen an der Upper West Side in New York und staunen. "Ich habe mit Ruth zusammen an der Columbia University hier in New York studiert", erzählt Dr. Maria Zachmanoglou stolz. "Ruth saß immer in der ersten Reihe. Sie war sehr ernst, sehr fleißig und sehr hübsch." Frauen gehören dahin, wo Entscheidungen getroffen werden, steht auf der Pappverpackung des Ginsburg-Glücksbringers. "Eine tolle Frau", schwärmt Zachmanoglou.

Popstar mit Spitzenkragen

Dr. Maria Zachmanoglou, Kommilitonin von Ruth Bader Ginsburg mit RBG Glücksbringer
Dr. Maria Zachmanoglou, Kommilitonin von Ruth Bader Ginsburg mit RBG Glücksbringer Quelle: ZDF

Schwarze Riesenbrille, weißer Spitzenkragen, Pferdeschwanz: wie ein Popstar sieht die gerade einmal einen Meter 55 große Richterin in ihrer langen Robe nicht aus. Aber das täuscht, sagt Betsy West. Gemeinsam mit Julie Cohens hat sie gerade einen Dokumentarfilm über Amerikas älteste Richterin am Supreme Curt gedreht. "Ruth Bader Ginsburg ist eine Art Superheldin, vor allem für Millennials. Eine kleine, 85-jährige jüdische Großmutter, die den Mächtigen die Wahrheit ins Gesicht sagt." Und das tut sie nicht erst, seit sie Richterin am Supreme Court, dem Obersten Gerichtshof der USA ist.

Vorkämpferin für #MeToo

Geboren und aufgewachsen in Brooklyn New York, studierte Ruth Bader als eine von nur neun Frauen an der Eliteuniversität Harvard Jura. Als Anwältin setzte sie sich in den 1960er Jahren für Frauenrechte ein. Statt mit Protestplakaten auf die Strasse zu gehen, stand sie im Gerichtssaal und klagte gegen Diskriminierung. Sie vertrat Frauen, die ihren Job verloren, weil sie schwanger wurden, oder schlechter bezahlt wurden als männliche Kollegen.

1993 wurde Ruth Bader Ginsburg von Präsident Clinton an den Obersten Gerichtshof der USA berufen. "Sie hat dafür gekämpft, dass es den Ehefrauen und Müttern, Schwestern und Töchtern in diesem Land besser geht", sagte Clinton in seiner Rede. Heute, in Zeiten von #MeToo, ist Ruth Bader Ginsburgs Kampf gegen Diskriminierung und für Frauenrechte aktueller denn je.

Berühmt und berüchtigt

RBG Glücksbringer und Buch im Museumsladen der New York Historical Society
RBG Glücksbringer und Buch im Museumsladen der New York Historical Society Quelle: ZDF

Ihr Aufstieg von der Richterin zur Rächerin begann vor fünf Jahren, im Juni 2013. Das Oberste Gericht hatte gerade eine umstrittene Entscheidung zur Rassendiskriminierung im US-Wahlrecht gefällt. Das Zeitalter des Rassismus sei vorbei, ein schwarzer Präsident gewählt und Gesetze zum Schutz schwarzer Wähler überflüssig, fand die konservative Mehrheit der Richter.

Bader Ginsburg sah das völlig anders. Schwarze und andere Minderheiten würden bei Wahlen weiterhin benachteiligt, argumentierte sie. Das Wahlrechtsgesetz abzuschaffen, weil es zu gut funktioniert, sei in etwa so, als würde man mitten in einem Unwetter den Regenschirm wegschmeißen, weil man ja nicht nass wird.

"Keine Wahrheit ohne Ruth"

Die Wut über die Gerichtsentscheidung explodierte im Internet. Gleichzeitig wuchs die Bewunderung für Richterin Ginsburg. Zwei junge Aktivisten verteilten überall in der Hauptstadt Washington Sticker mit dem Aufdruck "Can't spell truth without Ruth" - "keine Wahrheit ohne Ruth". In New York startete eine 24-jährige Jurastudentin einen Blog namens "Notorious RBG".

Über Nacht wurde aus der ernsten, zurückhaltenden, strengen Richterin Ginsburg eine Internet- Sensation. Ihre Fans nennen sie liebevoll RBG. Ginsburgs Gesicht mit der markanten Brille ist auf T-Shirts und Kaffeetassen abgebildet. Es gibt die Superheldin mit Spitzenkragen als Schlüsselanhänger und als Umhängetasche. In der Kult-Comedy Show "Saturday Night Life" wird Ginsburg regelmäßig parodiert.

Trump? Ein Faker!

Was sie von Donald Trump hält, hat RGB lange vor seiner Wahl zum Präsidenten klargestellt. Er sei ein "Faker" mit einem großen Ego. Damit spricht sie vielen liberalen Amerikanern aus dem Herzen. Als vergangene Woche der Dokumentarfilm RBG anlief, strömten Hunderttausende ins Kino.

Super Diva steht auf dem Sweatshirt, das RBG trägt, wenn sie nicht im Gerichtssaal sitzt, sondern im Fitnessraum Gewichte stemmt und Liegestützen macht. "Sie ist stahlhart", sagt ihr Trainer Bryan Johnson, ein ehemaliger Soldat anerkennend. RGB ist keine, die aufgibt oder nachgibt - weder beim Sport noch bei der Arbeit. "Ich hoffe sie macht noch lange weiter", sagt Maria Zachmanoglou, RBG’s 88-jährige Kommilitonin. "Sie ist drei Jahre jünger als ich und wir sind beide noch topfit." "Stimmt", sagt ihre Tochter und lächelt. "Lang lebe Ruth Bader Ginsburg!"

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