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Medikamente werden teurer - US-Sanktionen gegen Iran treffen Schwerkranke

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Manche Arzneimittel sind im Iran praktisch nicht mehr erhältlich. Washington beteuert, die Sanktionen gälten nicht für Medizin, doch viele Patienten verzweifeln.

Medikamente im Iran werden teurer
Medikamente im Iran werden teurer
Quelle: AP

Taha Schakuri findet in dem Teheraner Kinderkrankenhaus, in dem er behandelt wird, noch immer abgelegene Ecken zum Spielen. Der Achtjährige weiß nicht, dass seinen Ärzten die Medikamente für die Chemotherapie gegen seinen Leberkrebs ausgehen. Seit dem Rückzug der USA aus dem internationalen Atomabkommen im vergangenen Jahr und den verschärften Sanktionen befindet sich die iranische Wirtschaft im freien Fall.

Die Preise für Importmedikamente sind rapide gestiegen, während die Währung gegenüber dem Dollar um etwa 70 Prozent abstürzte. Selbst im eigenen Land hergestellte Arzneimittel sind für normale Iraner inzwischen schwerer erhältlich. Viele Menschen können sich die Medikamente bei einem durchschnittlichen Monatslohn von umgerechnet etwa 400 Euro nicht mehr leisten. Das Gesundheitssystem kann nicht Schritt halten.

Trump in der Verantwortung

Viele machen die Politik des "maximalen Drucks" von US-Präsident Donald Trump verantwortlich für die hohen Preise und den Mangel. Die Sanktionen haben Preise für Grundnahrungsmittel und Verbrauchsgüter bis hin zu Wohnraum nach oben getrieben. Darunter leiden vor allem gewöhnliche Bürger. Und am Horizont droht ein Krieg mit den USA. Tahas Mutter Laja Taghisadeh sagt, das Krankenhaus stelle ihrem Sohn die Medikamente kostenlos zur Verfügung - in einer privaten Klinik würde eine einzige Behandlung 1.240 Euro kosten.

In der Kritik: US-Präsident Donald Trump.
In der Kritik: US-Präsident Donald Trump.
Quelle: Alex Brandon/AP/dpa

Die Familie sei den Ärzten und dem Pflegepersonal zutiefst dankbar, fügt sie hinzu. "Ohne ihre Unterstützung würden wir es nicht schaffen", sagt die 30-Jährige. "Mein Mann ist ein einfacher Mitarbeiter in einem Lebensmittelladen, und das ist eine sehr kostspielige Krankheit." Die iranische Währung ist von einem Kurs von 32.000 Rial für einen Dollar zur Zeit des Atomabkommens von 2015 auf aktuell etwa 120.000 Rial zum Dollar abgestürzt. Das hat für importierte Medikamente drastische Folgen.

Weniger Investitionen im Iran

Das Abkommen, das der Iran mit den USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und China geschlossen hatte, weckte bei vielen Iranern Erwartungen auf ein besseres Leben ohne erdrückende Sanktionen aus dem Ausland. Im Gegenzug stimmte Teheran Einschränkungen bei seinem Atomprogramm zu. Doch inzwischen haben die USA neue und härtere Sanktionen verhängt. Die USA betonen zwar, dass Arzneimittel und humanitäre Güter davon ausgenommen seien, doch haben Handelsbeschränkungen dazu geführt, dass viele Banken und Unternehmen weltweit davor zurückschrecken, Geschäfte mit dem Iran zu treiben. Sie befürchten Strafmaßnahmen Washingtons. Der Iran ist somit vom internationalen Bankensystem abgeschnitten.

Gesundheitsminister Said Namaki erklärte in der vergangenen Woche, Haushaltskürzungen in Folge des Rückgangs der Rohölexporte hätten drastische Auswirkungen auf seine Behörde. Die US-Sanktionen zielten auf alle Schichten. "Die amerikanischen Behauptungen, dass Medizin und medizinisches Gerät keinen Sanktionen unterliegen, sind eine große und offensichtliche Lüge", sagte Namaki. "Unsere größte Sorge ist, dass die Kanäle zur Außenwelt geschlossen sind", sagt der Arzt Arasb Ahmadian, Leiter des Kinderkrankenhauses Mahak, das mit wohltätigen Spenden betrieben wird und landesweit rund 32.000 Kinder und Jugendliche unter 16 unterstützt, unter ihnen der kleine Taha.

Iran bei Medikamenten stark auf Importe angewiesen

Wegen der Bankensanktionen seien Transaktionen blockiert und Spenden aus dem Ausland unmöglich. Geldüberweisungen scheiterten ganz einfach, auch solche, die vom US-Finanzministerium genehmigt wurden. "In der Tat verlieren wir die Hoffnung", sagt Ahmadian. Offiziellen Berichten zufolge stellt der Iran rund 95 Prozent der im Land benötigten grundlegenden Arzneimittel selbst her und exportiert sogar einen Teil der Produktion in Nachbarländer. Doch bei anspruchsvolleren Mitteln und solchen für teure und seltene Krankheiten sowie medizinischem Gerät ist der Iran stark auf Importe angewiesen.

"Teheran sucht die Konfrontation", so ZDF-Korrespondent Jörg Brase. Iran will dem Ölhandel im Persischen Golf schaden, um damit Vergeltung für die harten US-Sanktionen zu üben. Damit bewege sich Teheran knapp unterhalb der Schwelle zum Krieg, so Brase.

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Und obwohl es eine staatliche Gesundheitsversorgung für alle Bürger gibt, sind viele Behandlungen für komplizierte Fälle schlicht nicht erhältlich. Wer es sich leisten kann, wendet sich an Privatkliniken und umgeht so lange Wartelisten in den staatlichen Krankenhäusern. An der Apotheke "13-Aban" in der Karimichan-Straße im Zentrum Teherans bilden sich jeden Morgen lange Schlangen. Die Wartenden hoffen auf seltene Arzneimittel für kranke Angehörige. Auch Hamid Resa Mohammadi verbringt viel Zeit damit, Medikamente für seine Frau und seine Tochter aufzutreiben, die beide an Muskeldystrophie leiden. "Vor zwei, drei Monaten konnte ich das Rezept noch leicht in jeder Apotheke einlösen", sagt der 53-Jährige und lässt damit erkennen, wie rasch sich die Lage verschlechtert hat.

Medikamente um Vielfaches teurer

Der Apotheker Pejman Kejwanfar erklärt, wegen der geschwundenen Kaufkraft könnten sich viele Iraner Importmedikamente nicht mehr leisten und suchten nach Ersatz, der im eigenen Land hergestellt wurde. Medikamente seien drastisch teurer geworden, manche um das Drei- bis Vierfache, sagt Kejwanfar. Wer noch Bargeld hat, sucht oft auf dem Schwarzmarkt. Der Student Mahmud Alisadeh eilte in die Nasser-Chosrow-Straße im Süden der Hauptstadt, als er erfuhr, dass es das Mittel gegen Multiple Sklerose, das seine Mutter einnimmt, dort gibt. "Sie ist erst 45, und es ist zu früh, sie so schwer gelähmt zu sehen", sagt er. Alisadeh zahlt auf der Straße drei mal mehr für das Medikament als im Mai 2018. "Ich weiß nicht, gegen wen Trump Sanktionen verhängt hat, außer, dass er unheilbar kranke Menschen hier bestraft."

Ein Jahr lang hatte der Iran die verschärften US-Sanktionen ohne Gegenmaßnahmen hingenommen. Nun ist die Geduld Teherans aufgebraucht: Man werde Uran höher als bislang erlaubt anreichern. Besonders vom Wirtschaftskrieg betroffen: Irans Bevölkerung.

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Viele fahren auf der Suche nach Medikamenten für ihre Angehörigen vom Land in die Großstädte. Hosseingholi Barati kam aus der 550 Kilometer entfernten Stadt Gonbad Kawus nach Teheran, um Arznei für seine an Leukämie leidende Frau aufzutreiben. Bislang habe er umgerechnet 6.900 Euro für die Behandlung ihrer Krankheit ausgegeben, sagt der 48 Jahre alte Vater von drei Kindern. "Es ist eine riesige Belastung. Ich habe alles verkauft, was ich hatte, und habe Geld von Familie und Freunden geliehen."

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