Sie sind hier:

US-Sanktionen - Iran wird wirtschaftlich deutlich leiden

Datum:

Im Mai hatte US-Präsident Trump den Rückzug aus dem Atomabkommen mit Iran verkündet. Jetzt treten die US-Sanktionen gegen Teheran wieder in Kraft. Das Land wird deutlich leiden.

Gasfackel auf einer iranischen Ölplattform
Gasfackel auf einer iranischen Ölplattform
Quelle: reuters

Noch bevor die Sanktionen greifen (um Mitternacht US-Ostküstenzeit/6 Uhr MESZ am Dienstag), zeigen sie schon deutliche Wirkung. So hat die iranische Währung in den vergangenen Tagen massiv und rapide an Wert verloren. Ende Juli fiel der Rial auf ein neues Tief, seit Jahresbeginn büßte er rund zwei Drittel seines Wertes ein. Das allerdings könnte nur ein Vorgeschmack der Auswirkungen sein, die die wieder eingesetzten US-Sanktionen auf das Land haben dürften. "Es ist schon wahrscheinlich, dass es mit der Währung noch weiter bergab gehen wird", sagt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-Diba. "Nur wie weit, das kann im Moment keiner sagen."

Ölexporte dürften leiden

Die Folgen werden spürbar sein in Teheran. Denn durch die schwache Währung verteuern sich die Importe, also ausländische Waren. Zudem steigt die Inflation, die in Iran ohnehin schon hoch ist: Im vergangenen Jahr betrug sie zehn Prozent, Tendenz steigend. Das sind Symptome, wie man sie in einem ungut fortgeschrittenen Stadium aktuell in einem anderen Land beobachten kann: Venezuela. Auch gegen dieses Land haben die USA und andere Länder wirtschaftliche Sanktionen verhängt. Die Inflation galoppiert und in Kombination mit einer seit Jahren herrschenden schweren Wirtschaftskrise ist Venezuela wirtschaftlich faktisch zusammengebrochen.

Ebenso wie die venezolanische ist auch die iranische Wirtschaft vor allem von einem Exportgut abhängig: Öl. 2017 exportierte Iran Waren im Volumen von gut 90 Milliarden Dollar, davon hat Öl einen Anteil von rund 60 Prozent. Zweitwichtigste Exportgüter sind chemische oder petrochemische Produkte. Die Nachfrage dürfte spätestens bis November deutlich zurückgehen, wenn ab 4. November in einem zweiten Schritt die US-Sanktionen vollends greifen. "Wir haben im Juli schon gesehen, dass Iran seine Ölproduktion gesenkt hat", sagt Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank. Und das dürfte sich in den kommenden Wochen verstärken. "Viele Länder werden ihre Nachfrage nach Öl aus Iran auf Null senken" - aus Angst vor Sanktionen der Wirtschaftsmacht USA.

USA verbieten auch Anderen Iran-Geschäfte

Die Trump-Administration will zum 4. November erreichen, dass die Ölexporte Irans versiegen. Die meisten Beobachter halten dieses Szenario aber für unwahrscheinlich. Denn viele Länder halten an dem Atomabkommen mit dem Land fest, das die USA am 8. Mai einseitig aufgekündigt hatten. China beispielsweise will sich dem Druck der USA nicht beugen und weiterhin Öl aus Iran beziehen.

Die EU hatte bei ihrem Außenministertreffen in Wien im Juli ebenfalls beschlossen, auch nach dem Inkrafttreten der US-Sanktionen zu den wirtschaftlichen Verpflichtungen gegenüber Iran zu stehen. Und das schließe Öl- und Gasexporte des Landes mit ein. Allerdings ist fraglich, wie wirkungsvoll diese Zusicherung angesichts der Übermacht der USA ist. Denn die Regierung in Washington hat nicht nur direkte Sanktionen gegen Iran verhängt, sondern auch andere Ländern und Unternehmen davor gewarnt, mit Iran weiter Geschäfte zu machen.

Diese Sekundärsanktionen sind eigentlich völkerrechtswidrig. Deswegen hat die Europäische Kommission reagiert und das so genannte "Blocking Statute" reaktiviert. Im Kern untersagt es europäischen Firmen, sich an die US-Sanktionen zu halten. Damit wolle die EU, so EU-Präsident Jean-Claude Junker, die Interessen der in Iran "investierenden" Unternehmen wahren und zeigen, dass die EU weiterhin an dem Atom-Abkommen mit Iran festhält. Allerdings dürfte die Maßnahme mehr oder weniger ins Leere laufen.

David gegen Goliath

Denn größere Unternehmen oder auch Banken befürchten, dass die USA Geschäfte mit ihnen einstellen werden, wenn sie sich nicht an die Sanktionen halten. Die Reederei Hapag Lloyd beispielsweise hat zwar keine eigenen oder gecharterten Schiffe, die Iran anlaufen. Ein Unternehmenssprecher sagte aber, dass Buchungen von Warentransporten nach Iran bis auf Weiteres gestoppt und Buchungen aus Iran zurückgefahren worden seien. Größere Banken lassen das heiße Eisen Iran auch lieber liegen. Auch das wird die iranische Wirtschaft treffen, weil damit Gelder für Investitionen fehlen werden.

Dass viele Unternehmen lieber ihre Geschäfte mit Iran einstellen als die USA zu verärgern, hat einen simplen Grund: David gegen Goliath lautet die Abwägung. 600 Milliarden Euro beträgt das Handelsvolumen der EU mit den USA - kaum mehr als 20 Milliarden mit dem ölreichen Iran. In diesem Fall gewinnt nach einfachem Kalkül: Goliath. Man kann nur hoffen, dass die drohende wirtschaftliche Krise in Iran durch die US-Sanktionen nicht zu einem geopolitischen Beben in der Region führen wird.

Hintergrund

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.