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Trump will Zölle auf Autos - Dudenhöffer fürchtet keine Schieflage

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Während US-Autozulieferer sich gegen Trumps angekündigte Zölle auf Auto-Importe aussprechen, winkt Auto-Experte Dudenhöffer ab. Die Abgaben wären für Deutschland verschmerzbar.

Deutsche PKW auf der Interstate in Orlando, USA am 23.6.2015
Deutsche PKW auf der Interstate in Orlando.
Quelle: ap

US-Präsident Donald Trump sind die vielen BMW, Mercedes und Volkswagen auf den Straßen seines Landes ein Dorn im Auge. Aktuell prüft das US-amerikanische Handelsministerium, inwiefern die importierten Autos tatsächlich wie von Trump behauptet nationale Sicherheitsinteressen berühren. Der Präsident droht der EU und damit der deutschen Autoindustrie mit hohen Strafzöllen.

US-Autozulieferer bangen um Jobs

Der US-Dachverband der Autozulieferer stellt sich gegen die Handelspolitik Trumps. "Alle Autoproduzenten, ob in- oder ausländisch, sind gegen die Zölle", sagte Ann Wilson, Vizepräsidentin des Verbands Mema, dem "Handelsblatt". Sollte Trump seine Drohung wahr machen und Zölle auf Auto-Importe verhängen, werde das verheerende Folgen haben. "Große Zulieferer werden sich zweimal überlegen, ob sie in den USA weiter investieren wollen. Kleine Zulieferer müssten binnen weniger Monate entscheiden, ob sie sogar Leute entlassen."

Die Mitglieder der Motor and Equipment Manufacturers Association (Mema), darunter die US-Ableger von Continental und Bosch, würden bereits jetzt die amerikanischen Zölle auf Stahl und Aluminium sowie die chinesischen Vergeltungszölle zu spüren bekommen. "Viele Unternehmen müssen Kostenanstiege zwischen 40 und 50 Prozent in Kauf nehmen", sagte Wilson. Autozölle würden die Lage verschlimmern. 871.000 US-Bürger arbeiteten in der Autoteile-Branche, zwei Drittel davon für kleinere Firmen. "Die haben Angst, ob sie überhaupt im Geschäft bleiben können. Manche verschieben Neueinstellungen, weil sie verunsichert sind."

Vor allem Importe aus Mexiko und Kanada

Laut Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut wurden 2017 in den USA insgesamt 17,2 Millionen Fahrzeuge verkauft. Ein Drittel davon wurde importiert. Die importierten neuen Pkw hatten laut US-Handelsministerium einen Wert von 191 Milliarden Dollar (163 Milliarden Euro). Importe aus den Nachbarländern Mexiko und Kanada machten dabei den größten Teil mit 47 beziehungsweise 43 Milliarden Dollar aus. Danach folgt Japan mit 40 Milliarden und Deutschland mit 20 Milliarden Dollar. Dem europäischen Branchenverband Acea zufolge geht mehr als ein Viertel aller Autoexporte aus der EU in die USA.

Allein Deutschland exportierte 2017 laut Verband der Automobilindustrie (VDA) rund eine halbe Million Fahrzeuge dorthin, bei 5,6 Millionen gebauten Autos insgesamt. Die deutschen Hersteller BMW, Daimler und der Volkswagen-Konzern verkauften vergangenes Jahr in den USA zusammengerechnet mehr als 1,2 Millionen Fahrzeuge.

Welche Szenarien sind für Strafzölle vorstellbar?

Dudenhöffer hält zwei Szenarien für denkbar. Im unwahrscheinlicheren Fall würde Trump ausnahmslos alle Importautos mit einem Strafzoll belegen. Das würde allerdings sechs Millionen Neuwagen und auch US-Hersteller wie Ford, Chrysler und General Motors (GM) empfindlich treffen. Sie bauen Hunderttausende Autos in Mexiko und Kanada. Deshalb hält es der Auto-Experte für wahrscheinlicher, dass Trump die Nachbarländer ausnimmt. Dieses Szenario wäre - je nach Ausgestaltung - auch für die deutschen Autobauer gut verkraftbar, weil sie in den USA und Mexiko große Fabriken betreiben. So könnten sie Importe aus der EU reduzieren und dafür mehr in Übersee produzieren.

Allerdings werden in Nordamerika nicht alle Modelle und Marken hergestellt, die dort verkauft werden, und umgekehrt. Deshalb blieben die Folgen von solchen Strafzöllen nur dann gut überschaubar, wenn Importe und Exporte je Herstellergruppe gegengerechnet werden. Sonst würden etwa fast alle Autos der zu Volkswagen gehörenden Marken Porsche und Audi mit Strafzöllen belegt. Hart treffen würde es in jedem Fall Hersteller ohne Produktion in Nordamerika wie Jaguar Land Rover oder Volvo.

Dudenhöffer sieht Androhung entspannt

Aber selbst wenn Trump alle aus Europa importierten Autos abstrafen würde und Exporte nicht gegenrechnete, würde das die deutschen Hersteller laut Dudenhöffer global betrachtet nicht in Schieflage bringen. Denn sowohl Daimler als auch BMW importieren weniger als ein Zehntel ihrer weltweit verkauften Autos in die USA. Bei der Volkswagen-Gruppe wären es sogar weniger als ein Zwanzigstel.

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und Handelskommissarin Cecilia Malmström treffen Trump an diesem Mittwoch in Washington. Die EU will eine Eskalation vermeiden und Autozölle abwenden. Diese würden gerade die deutsche Autobranche treffen. Juncker sagte vor dem Treffen, er sei "nicht übermäßig optimistisch".

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