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US-Strafzölle - Direkter Schaden überschaubar - noch

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Die Strafzölle der USA schmerzen die deutsche Wirtschaft zwar. Doch der direkte Schaden ist erst einmal gering. Das kann sich allerdings ganz schnell ändern - auch für Verbraucher.

Die US-Strafzölle auf Stahl- und Aluminium-Einfuhren aus der EU kommen am Freitag. Die jüngsten Verhandlungen konnten daran nichts ändern. Die EU will zügig mit Vergeltungsmaßnahmen antworten. Die Zölle seien "nicht rechtmäßig", so Außenminister Maas.

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Auch auf den letzten Metern ist es nicht gelungen, die USA von ihrem Kurs abzubringen: Ab 1. Juni gelten Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf Stahl und zehn Prozent auf Aluminium aus Ländern der Europäischen Union. Die direkten wirtschaftlichen Auswirkungen der US-Einfuhrbeschränkungen dürften sich in Grenzen halten. Allerdings kann eine Spirale aus Maßnahmen sich negativ auf den Welthandel auswirken.

Direkter Schaden überschaubar

Führende Politiker der EU haben bereits Gegenmaßnahmen  angekündigt. "Das ist ein schlechter Tag für den Welthandel", sagt EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Die Zölle seien völlig inakzeptabel, die USA ließen der EU nun keine andere Wahl, als Vergeltungszölle einzuführen. Die Maßnahmen liegen schon seit Monaten in den Schubladen in Brüssel. Es sind Zölle für bestimmte US-Produkte vorgesehen wie Orangensaft, Whiskey oder Harley-Davidson-Motorräder. Das Volumen der betroffenen Produkte auf der Liste liegt bei knapp drei Milliarden Euro.

Das ist etwa die Hälfte des Volumens, das bei den Stahlproduzierenden und Stahlexportierenden Ländern der EU im Feuer steht. Denn deren Ausfuhren in die USA belaufen sich auf jährlich rund sechs Milliarden Euro. Das klingt viel, sind aber anteilig nur rund zwei Prozent der Europäischen Stahlexporte. Wohl auch aus diesem Grund haben sich deutsche Unternehmen wie Thyssenkrupp und Salzgitter im Vorfeld der US-Entscheidung zum 1. Juni mit Kommentaren zurück gehalten: Man beobachte und analysiere die Situation, hieß es bei den Unternehmen. Hinter vorgehaltener Hand allerdings verweisen Insider darauf, dass sich die direkten wirtschaftlichen Schäden durch die Schutzzölle für sie in relativ überschaubaren Grenzen halten dürften.

Protektionistische Spirale droht

Das erklärt auch die Reaktion des wirtschaftspolitischen Stahlverbandes Wirtschaftsvereinigung Stahl. Sie "verurteilt" die Zölle zwar entschieden. Sie weist in ihrer Reaktion aber vor allem auf die Gefahr hin, dass weltweite Stahl-Handelsströme sich ändern könnten. Da auch andere Länder von den US-Zöllen betroffen sind, wird Stahl aus all diesen Ländern in den USA durch die Zölle womöglich weniger gefragt sein. Genau das ist Sinn und Zweck der ganzen Geschichte, denn die US-Stahlindustrie soll am Ende ja profitieren.

Der Stahl, der an der US-Zollmauer abprallt, könnte sich aber Abnehmer in anderen Regionen des Weltmarktes suchen. Und das dürfte auch die Europäische Union sein. Seit Jahren beklagen Stahlkocher Europas den Umstand, dass große Mengen an Billigstahl aus China - der obendrein zum Teil staatlich subventioniert wird - in die globalen Märkte und so auch nach Europa fließen. Noch mehr Billigstahl könnte ihre Lage in dieser Konkurez weiter verschlechtern.

Ein anderes Risiko - und das dürfte bei vielen Beobachtern die größere Sorge sein -, ist das mögliche Aufschaukeln des Konfliktes in Richtung eines veritablen Handelskrieges. In dem ergreift die eine Seite Maßnahmen, auf die die Gegenseite mit neuen Maßnahmen reagiert. Es könnte also eine protektionistische Spirale beginnen, die am Ende den Welthandel und damit der weltweiten Konjunktur insgesamt schaden könnte.

Außenhandelsexperte fordert "Dicke Berta"

Bereits ab dem 20. Juni könnten die Vergeltungszölle von Seiten der Europäischen Union folgen. Die EU hat diese Maßnahme bereits bei der Welthandelsorganisation beantragt. Am 20. Juni verstreicht die Wartefrist, die die Handelswächter für derartige angemeldete Maßnahmen vorsehen. Vordergründig betrachtet sieht es aus, als wolle die EU in Form einer Politik der kleinen Nadelstiche reagieren: Orangensaft und Whiskey sind nicht eben berühmt dafür, zum Gedeih oder Verderb von Volkswirtschaften wie der USA einen entscheidenden Teil beizutragen. Doch aus Sicht der EU besteht das Ziel offenbar darin, zumindest indirekt Druck auf den Präsidenten der USA auszuüben. Denn diese Waren stammen aus Regionen der USA, in denen bekannte republikanische Politiker ihre Wahlkreise haben. Und demnächst stehen Wahlen in Amerika an.

Gabriel Felbermayr, Außenhandelsexperte des Ifo-Institutes, findet diese Taktik nicht falsch. Allerdings rät er, weitaus stärkere Geschütze aufzufahren: "Man muss nun schon einmal die Dicke Berta in die Auslage stellen", sagt er. Konkret meint er damit, Sondergebühren für amerikanische IT-Dienstleister anzudrohen, Konzerne also wie Google, Facebook oder Amazon. Denn Felbermayr ist der Meinung, dass die USA ebenso auf die EU als Handelspartner angewiesen sind, wie umgekehrt.

Verbraucher vom Konflikt auch betroffen

Je stärker allerdings die Geschütze, die in diesem Handelsstreit zum Einsatz kommen, desto heftiger könnte er am Ende werden. Vor wenigen Tagen erst hat Trump angeordnet zu überprüfen, ob Autoimporte aus der EU eine Gefahr für die nationale Sicherheit für die USA darstellen. Das Ifo-Institut hat ausgerechnet, dass die nun geltenden Stahl- und Aluminiumzölle rund 40 Millionen Euro Schaden für die Wirtschaft hierzulande bringen dürften. Bei Strafzöllen auf Autos und Autoteile stehen nach Berechnungen des Institutes gleich fünf Milliarden Euro im Feuer.

Über dieses Szenario eines drohenden Handelskrieges müssten sich dann auch die Verbraucher sorgen. Denn die jetzigen Maßnahmen werden nur in Nischen zu spüren sein - etwa beim Kauf einer Harley Davidson oder wenn sich Whiskey oder Jeans der Marke Levis verteuern. Sollte sich der Streit auch in andere Bereiche auswirken, könnten die Folgen weitaus drastischer sein.

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