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US-Unternehmen - Kritik am Standort Deutschland wächst

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Noch ist der Standort Deutschland bei den Unternehmen aus den USA beliebt. Aber die Kritik an der Politik wird lauter.

Flaggen von Deutschland und USA an einem Pkw.
Flaggen von Deutschland und USA an einem Pkw.
Quelle: DPA

77 Prozent der US-Firmen sehen ihre aktuelle wirtschaftliche Lage in Deutschland als gut oder sehr gut an. Das sind fünf Prozentpunkte mehr als vor zwei Jahren, zeigt eine Studie der Unternehmensberatung KPMG unter 340 Finanzvorständen dieser Unternehmen. Doch nur noch knapp ein Viertel plant, in den nächsten drei Jahren mehr als zehn Millionen Euro in Deutschland zu investieren.

Vor zwei Jahren wollte das noch knapp die Hälfte. "So sagen uns tatsächlich 21 Prozent der Befragten, dass Deutschland zu den schlechtesten fünf Ländern in Europa gehört", sagt Andreas Glunz, Partner von KPMG. Die Einschätzung der Infrastruktur in Deutschland falle auch deutlich schlechter aus, sowohl bei Straßen und Schienen als auch im digitalen Bereich. Und auch bei der Innovationsfähigkeit habe Deutschland "Luft nach oben".

Digitalisierung fördert Neuinvestitionen

Klagen, die die Politik auch von den deutschen Unternehmen kennt. Auch der Bundesverband der deutschen Industrie lässt sich so immer häufiger vernehmen. Allerdings hatte ein Vergleich der Weltbank gezeigt, dass sich im ablaufenden Jahr die Standortqualität in Deutschland seit zehn Jahren zum ersten Mal wieder etwas verbessert hat. Denn weil die Gerichte Teile der Verfahren digitalisiert haben, verkürze das deren Dauer, sagt Commerzbank-Chef Jörg Krämer.

Solche Mängel könnten entscheidend sein, wenn es darum geht, ob künftig amerikanische Unternehmen bei Neuinvestitionen andere Regionen mit dynamischerem Wachstum bevorzugen, erklärt Frank Riemensperger, Vizepräsident der amerikanischen Handelskammer in Deutschland, der AmCham.

Amerikanische Unternehmen wollen Vorbild sein

Im vergangenen Jahr haben die 50 größten amerikanischen Unternehmen mit 177 Milliarden Euro 5,5 Prozent mehr umgesetzt, sie beschäftigen knapp 280.000 Menschen, das waren 2,3 Prozent mehr als 2017. An der Spitze steht weiter der Autobauer Ford. Doch die Nummer Zwei, der Online-Händler Amazon, hat aufgeholt, das liegt vor allem am Cloud-Geschäft, mit dem Amazon auch in Deutschland sehr erfolgreich ist. Auf Platz drei folgt der Mineralölkonzern Exxon Mobil mit der Marke Esso, gefolgt von den Jet Tankstellen in Deutschland. Das zeigt die aktuelle Übersicht der AmCham.

Archiv: Frank Sportolari
Archiv: Frank Sportolari
Quelle: Imago

Die amerikanischen Unternehmen halten sich in einigen Bereichen wie Nachhaltigkeit, Datenschutz, Diversität und Inklusion oder Gleichberechtigung gegenüber den deutschen Konkurrenten für fortschrittlicher und möchten mit gutem Beispiel vorangehen: "Diversität ist nicht nur da, weil wir korrekt und nett sein wollen, sondern weil sie gut ist für unsere Wettbewerbsfähigkeit", sagt AmCham-Präsident Frank Sportolari. Das habe man aus der amerikanischen Geschichte gelernt.

Diese Erfahrungen und Programme wolle man im nächsten Jahr auch nach Deutschland bringen. "Dann können wir einen positiven Beitrag leisten in einem Land, wo Frauen noch ziemlich unterrepräsentiert sind." Bezeichnend scheint, dass die erste Frau an der Spitze eines DAX-Unternehmen einen Amerikanerin ist: Seit wenigen Wochen steht Jennifer Morgan Software-Konzern SAP als Ko-Chefin vor.

Deutsche Unternehmen in den USA wachsen

Von der gelegentlichen politischen Missstimmung zwischen Washington und Berlin spürt man noch wenig im Handel zwischen den beiden Staaten. Die wirtschaftliche Beziehung sei wichtiger und enger als die politische, gaben die Mitglieder zu Protokoll. Wie gut die sind, das zeigt auch ein Blick auf die 50 größten deutschen Unternehmen in den USA: Die haben zwischen Januar und Juni in allen Bereichen bis auf Rohstoffe, Energie und Chemie zugelegt.

2018 erzielten sie in den USA einen Umsatz von 371 Milliarden Euro, gut drei Prozent mehr, vor allem die Autobauer sorgten aber – sicher auch wegen des politischen Drucks aus Washington für einen kräftigen Jobaufbau in den USA.

Insgesamt beschäftigten die Top 50 deutschen Firmen dort knapp 689.000 Menschen - 5,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Defizit im Güterhandel

Auch auf die Handelsbilanz zwischen den beiden Staaten hat die AmCham in ihrer jüngsten Untersuchung geschaut. So sei das Defizit im Güterhandel der USA mit Deutschland bis zum Sommer dieses Jahres weiter gestiegen. Das wäre Wasser auf die Mühlen von US-Präsident Donald Trump.

"Das ist aber nicht aussagekräftig", sagt AmCham-Vizepräsident Riemensperger. Dabei blende man die immer wichtiger werdenden Dienstleistungen aus, die Technologieriesen wie Google oder Facebook anbieten. Diese aber werden meist über Irland abgerechnet. Die europäische Bilanz zeigt da einen Überschuss der USA mit 60 Milliarden Euro gegenüber 40 Milliarden der Europäer.

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