US-Wahlkampfteams rechnen mit neuen Cyberattacken

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Demokraten und Republikaner - US-Wahlkampfteams rechnen mit neuen Cyberattacken

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Haben Republikaner und Demokraten aus ihren Fehlern von 2016 gelernt? Zumindest investieren die Kandidaten beider Parteien zur US-Wahl 2020 in die Sicherheit der eigenen Daten.

Glasfaser, Programmcode und Binärzahlen
Die US-Wahlkampfteams wollen 2020 besser geschützt sein gegen Cyberattacken.
Quelle: picture alliance

Die Wahlkampfhelfer waren so beschäftigt, dass es die russischen Angreifer einfach hatten. Alles begann mit einer betrügerischen E-Mail und einer überstürzten Passwort-Eingabe. Die anschließende Veröffentlichung von internen Dokumenten beeinflusste die US-Politik nachhaltig - und überschattet bis heute die Präsidentschaft von Donald Trump. Ob die Parteien aus den Fehlern von 2016 gelernt haben, wird sich im kommenden Jahr zeigen. Cyberattacken werden als ernsthafte Bedrohung erkannt. Doch der Schutz gegen sie ist aufwendig und teuer.

Wahlkämpfer: Für IT-Sicherheit kaum Ressourcen

"Wenn du das Pentagon bist oder die NSA, dann hast du es zwar mit den besten Gegnern der Welt zu tun. Aber du hast auch einige der besten Leute zur eigenen Verteidigung", sagt Robby Mook, der 2016 für die Demokratin Hillary Clinton im Einsatz war. "Wahlkampfteams stehen ganz ähnlichen Gegnern gegenüber. Und sie haben keine vergleichbaren Ressourcen und praktisch überhaupt keine Spezialkenntnisse."

Du solltest nicht vor der Entscheidung stehen, entweder den Wählern deine Botschaft vermitteln zu können oder die Chinesen vom Lesen deiner E-Mails abzuhalten.
Wahlkämpfer Robby Mook

Lange Zeit hatte IT-Sicherheit für amerikanische Politiker im Wahlkampf keine besonders hohe Priorität. Gerade in der Anfangsphase einer Kandidatur waren sie in der Regel voll und ganz damit ausgelastet, Spenden einzuwerben, gute Mitarbeiter zu finden, landesweite Strukturen aufzubauen und von einem Staat zum anderen zu reisen. Wenn die Vorwahlen in die heiße Phase gehen, müssen Wahlkampfmanager oft genau überlegen, wie sie mit den vorhandenen Mitteln die entscheidenden Zielgruppen erreichen. Ein griffiger TV-Spot erscheint da womöglich wichtiger als ein weiteres Upgrade für den Schutz der Computer in den provisorischen Wahlkampfbüros.

"Du solltest nicht vor der Entscheidung stehen, entweder den Wählern deine Botschaft vermitteln zu können oder die Chinesen vom Lesen deiner E-Mails abzuhalten", sagt Mook, der inzwischen an der Harvard Kennedy School für das Defending Digital Democracy Project arbeitet. Experten des US-Heimatschutzministeriums bieten zwar Unterstützung an. Für die Demokraten ist es allerdings eine nicht gerade optimale Option, Hilfe von der Regierung anzunehmen, die sie ablösen wollen.

Hohe Fluktuation in Wahlkampfteams eine Herausforderung

Einige der demokratischen Bewerber scheinen sich dennoch auf die Zusammenarbeit einzulassen. Nach Angaben des Ministeriums hat es diesbezüglich bereits etwa ein Dutzend Gespräche gegeben. Zunächst gehe es darum, Vertrauen aufzubauen, damit Informationen über potenzielle Bedrohungen ausgetauscht werden könnten, sagt Matt Masterson, ein hochrangiger Cybersicherheitsberater des Ministeriums. Die Herausforderung liege darin, dass bei den Wahlkampfteams vieles improvisiert sei. "Die Leute kommen und gehen, und dabei müssen Zugänge verwaltet werden."

John Delaney, der als erster Demokrat verkündete, sich um die Präsidentschaftskandidatur der Partei bewerben zu wollen, betrachtet Investitionen in die IT-Sicherheit nach eigenen Angaben als feste Ausgabe. "Es geht nicht darum, dass Supercomputer deine Firewall durchbrechen", sagt er. Das Problem sei tatsächlich vor allem, dass Leute auf "irreführende E-Mails" reagieren und damit Informationen preisgeben würden.

Auch von den nationalen Organisationen ihrer Parteien werden die Kandidaten beraten. Für den nationalen Dachverband der Republikaner habe Datensicherheit "oberste Priorität", sagt dessen Sprecherin Blair Ellis. Das Pendant der Demokraten engagierte im vergangenen Jahr Bob Lord, der früher beim Internet-Unternehmen Yahoo für die digitale Sicherheit zuständig war.

Grundlagen wichtiger als technische Spielereien

Neue und interessante Dinge sind schön und gut. Entscheidend ist aber, dass man sich mit größter Sorgfalt an das Grundlegende hält.
IT-Sicherheitsexperte Bob Lord

Für die Demokraten hat Lord nun unter anderem eine Checkliste erstellt, die an grundlegende Standards erinnern soll: Passwort-Sicherheit, Website-Verschlüsselung und Datenschutz in sozialen Medien. Auch er legt den Fokus nicht so sehr auf technische Spielereien. "Neue und interessante Dinge sind schön und gut. Entscheidend ist aber, dass man sich mit größter Sorgfalt an das Grundlegende hält", sagt er. "Das ist nicht glamourös - genauso wenig wie der Ratschlag, sich fit zu halten."

Die Cyberattacken im Vorfeld der Wahlen von 2016 dienen dabei als mahnendes Beispiel. Russische Agenten verschickten hundertfach ganz gezielte Phishing-Mails an Mitarbeiter und ehrenamtliche Helfer des Clinton-Teams. Nachdem eine der ins Visier genommenen Personen einen Link angeklickt und ein Passwort eingegeben hatte, erhielten die Angreifer zunächst Zugang zum Netzwerk des Kongress-Kampagnenkomitees der Demokraten und darüber schließlich auch zu dem des nationalen Dachverbands der Partei.

Ich will niemandem Angst einjagen. Aber ich möchte, dass sich alle Kandidaten darüber im Klaren sind, dass dies noch immer eine Bedrohung ist.
Ex-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton

Clintons Wahlkampfleiter John Podesta tappte ebenfalls in die Falle: Die Russen verschafften sich Zugriff auf seinen persönlichen E-Mail-Account und konnten Tausende Nachrichten mit Bezug zur internen Planung der Kampagne stehlen. Robby Mook, der 2016 im Clinton-Team war, betont, dass es auch 2016 durchaus Vorsichtsmaßnahmen gegeben habe. Dass die Hacker dennoch relativ leicht ans Ziel kamen, zeigt die besondere Gefährdung von Wahlkampfteams. Clinton wird deswegen nicht müde, ihre Parteikollegen zu warnen. "Ich will niemandem Angst einjagen", sagte sie in einem Interview des Nachrichtensenders MSNBC. "Aber ich möchte, dass sich alle Kandidaten darüber im Klaren sind, dass dies noch immer eine Bedrohung ist."

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