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Handelsstreit - US-Zölle beschleunigen das Zeitungssterben

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Donald Trumps Regierung belegt seit Jahresbeginn kanadisches Zeitungspapier mit Strafzöllen. Die unmittelbar Leidtragenden dieser Maßnahme sind US-Lokalzeitungen.

USA - Zeitungen
USA - Zeitungen
Quelle: imago/Levine-Roberts

US-Präsident Trump schießt mit seiner "Fake-News" Rhetorik regelmäßig auf die traditionelle US-Medienlandschaft. Doch damit nicht genug: Seine Regierung treibt nicht nur Zölle auf Stahl und Aluminium ein sondern seit Januar dieses Jahres auch auf Zeitungspapier. Kleine lokale Zeitungen kämpfen deshalb ums Überleben. Der Preis für Zeitungspapier ist mit Erhebung der Zölle um bis zu 30 Prozent angestiegen. Die Konsequenz: Personalabbau, weniger Erscheinungstage oder ein drastischer Preisanstieg für Abonnenten.

Die amerikanischen Strafzölle richten sich eigentlich gegen kanadische Papierproduzenten, die den US-Markt schon seit mehreren Jahren dominieren. 75 Prozent des Papiers, auf dem US-Zeitungen gedruckt werden, stammen aus Kanada. Die US-Papierfabrik North Pacific Paper Company (NORPAC), einer von insgesamt fünf US-Betrieben, wollte dies nicht hinnehmen und reichte beim US-Wirtschaftsministerium Klage ein. Begründung: die kanadischen Konkurrenten würden von Regierungssubventionen profitieren und deshalb zu niedrigeren Marktpreisen verkaufen können. Und NORPAC aus dem Bundesstaat Washington bekam vorerst Recht.

Im August soll entschieden werden, ob die Zölle permanent bestehen bleiben. Kevin Cooper, Herausgeber des "Natchez Democrat" in Mississippi rechnet mit dem Schlimmsten: "Ich gehe nicht davon aus, dass die Zölle wieder aufgehoben werden. Deshalb haben wir vorsorglich unsere Zeitungsproduktion von sieben auf fünf Tage reduziert." Rund sechstausend Abonnenten hat seine Zeitung derzeit, erklärt er gegenüber heute.de. 15 Dollar kostet ein Monatsabo, dafür bekommt der Leser "Mississippis beste Gemeindenachrichten".

Zeitungsverleger: Zölle sind "Strafmaßnahme gegen uns"

Die Zölle, so scheint es derzeit, schaden den heimischen US-Zeitungen mehr als den kanadischen Papierherstellern. Die Anzahl der Jobs in der US-Papierindustrie ist aufgrund der Digitalisierung in den letzten zwanzig Jahren um fast die Hälfte geschrumpft. Ein Trend, der sich auch mit den Zöllen nicht umkehren wird. "Warum diese Zölle? Es ist eine Strafmaßnahme gegen uns und definitiv kein Schutz für amerikanische Arbeiter, Firmen und Produkte", sagt Chuck Hunt, Inhaber der Buffalo Ridge Zeitungen mit 3.000 Abonnenten in Minnesota, gegeüber heute.de. Er steht, wie derzeit viele der kleinen Lokalzeitungen, vor einer unlösbaren Aufgabe: wo kann noch weiter eingespart werden?

Laut einer Umfrage der "News Media Alliance" kündigen 46 Prozent der Zeitungen an, dass sie ihre Belegschaft aufgrund der Strafzölle durchschnittlich um zweieinhalb Posten verringern müssen. Verglichen mit den 300 Jobs, die die US-Firma NORPAC durch die Zölle erhalten kann, sind die Personaleinsparungen der insgesamt rund 7.300 amerikanischen Zeitungen um einiges signifikanter. "Dieser nicht vorhersehbare Preisanstieg ist für viele Herausgeber eine Katastrophe", prognostiziert Tom Slaugther von der Inland Press Association, die 1.500 Zeitungen im Lande vertritt, gegenüber NBC News.

Kritik von Demokraten und Republikanern

Das sehen auch Kongressabgeordnete der Republikaner und Demokraten so. "Es entzieht sich jedweder Logik, dass eine einzige Papierfabrik diesen Rückschlag und so viel Unsicherheit auslösen kann", sagte Roger Wicker, republikanischer Abgeordneter aus Mississippi, am Dienstag vor der US-Kommission für internationalen Handel aus. Die beiden Senatoren Susan Collins (Demokratin) und Angus King (unabhängig) gaben zu bedenken, dass sich der Papiermarkt mit dieser Strafmaßnahme weiter verkleinern werde, da viele der Zeitungen weniger drucken würden.

Im August soll die US-Kommission nun darüber abstimmen, ob die Zölle auf Zeitungspapier langfristig erhalten bleiben sollen. Doch auch ohne diese Bürde stehen die Zeitungen vor großen Herausforderungen durch den Handelskrieg der USA: "Mit der Einführung der Aluminiumzölle haben sich die Preise für unsere Druckplatten erhöht. Auch das spüren wir", berichtet Zeitungsherausgeber Kevin Cooper.

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