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Abwertungswettlauf befürchtet - Währungsstreit - deutsche Wirtschaft besorgt

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China hat den Handelsstreit mit den USA durch die Abwertung seiner Währung befeuert. Experten befürchten einen Abwertungswettlauf und Folgen auch für die deutsche Wirtschaft.

Die weltgrößten Wirtschaftsmächte USA und China verschärfen ihren Kurs im Handelsstreit: Die Vereinigten Staaten stuften die Volksrepublik erstmals seit 25 Jahren wieder als Währungsmanipulator ein. China setzte fast parallel den Kauf von US-Agrarprodukten aus.

Beide Seiten erhoben damit verbunden neue Vorwürfe gegeneinander. Eine Einigung in dem seit Monaten tobenden Handelsstreit, der die Weltwirtschaft zunehmend belastet, ist nicht in Sicht. Die chinesische Zentralbank teilte mit, die Volksrepublik habe und werde den Yuan nicht als Waffe im Handelsstreit einsetzen. Der Stempel als Währungsmanipulator sei eine Verletzung internationaler Regeln. Dies könne das Finanzsystem beschädigen und an den Kapitalmärkten zu Chaos führen. Es verhindere zudem eine wirtschaftliche Erholung.

Ökonomen sehen Entwicklung mit Sorge

Ökonomen sehen die Eskalation mit Sorge. "Dies könnte der Anfang eines unumkehrbaren Handelskonflikts zwischen den beiden Ländern sein", sagte Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), der Deutschen Presse-Agentur. China habe immer schon seine Währung manipuliert. "Diese Manipulation aber nun durch den Handelskonflikt zu rechtfertigen, muss zwingendermaßen zu einer Eskalation mit den USA führen."

Fratzscher befürchtet, dass andere asiatische Länder ihre Währungen ebenfalls abwerten könnten, um im globalen Wettbewerb mithalten zu können. Das könnte zu einem stärkeren Euro führen, damit würden Waren "Made in Germany" außerhalb des Euroraumes teurer. "Die Folge werden wohl geringere deutsche Exporte und damit ein schwächeres Wachstum in Deutschland sein. In Zeiten, in denen sich die deutsche Wirtschaft in einer milden Rezession befindet, ist die Eskalation im globalen Handelskonflikt das letzte, was wir brauchen", mahnte Fratzscher.

BDI: Konflikt schwächt gesamte Wirtschaft

Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnt vor den Folgen des Handelskonflikts. Die Ausweitung des Konflikts erhöhe zum einen die Unsicherheit für die Weltwirtschaft, erklärte BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. Die deutsche Industrie müsse sich zum anderen auf "spürbare Verschiebungen in den Wechselkursrelationen und auf größere Schwankungen der Kurse einstellen". Die Kosten der Absicherung gegen diese Schwankungen würden weiter ansteigen.

"Es bleibt abzuwarten, inwieweit sich die Notenbank dem Marktdruck entgegenstemmen wird", erklärte Lang. Bisher habe sich die chinesische Regierung in ihrer Währungspolitik darum bemüht, den Yuan in einem Korridor zu ausländischen Währungen zu halten. Wegen der neuen Strafzölle habe Peking dieses Bemühen eingestellt. Der BDI mache sich auch Sorgen um die neuen Belastungen, die China sich mit der Abwertung selbst zumute. "Zwar werden chinesische Exporte mit der Abwertung günstiger. Aber rund ein Viertel der chinesischen Importe sind Rohstoffe und Energieträger, die überwiegend in Dollar gehandelt werden." Deren Einfuhr nach China verteuere sich mit der Abwertung.

Verband: Keinen Währungskrieg herbeireden

Der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Holger Bingmann, mahnte zur Besonnenheit: "Wir sollten jetzt auf keinen Fall leichtfertig einen Währungskrieg herbeireden."

Käme es beabsichtigt oder auch unabsichtlich dazu, "wären die Folgen dramatisch, denn dann gibt es keine Gewinner, nirgends", sagte Bingmann der Deutschen Presse-Agentur. Angesichts seiner starken internationalen Verflechtung wäre Deutschland sicher ganz besonders betroffen. Deutsche Exporte würden sich wegen eines stärkeren Euros außerhalb des gemeinsamen Währungsraumes verteuern.

Warum der Stempel "Währungsmanipulator" wenig bringt

Der Yuan war am Montag auf den tiefsten Stand zum US-Dollar seit mehr als elf Jahren gefallen. Ein Dollar hatte erstmals seit 2008 wieder mehr als sieben Yuan gekostet. Diese Marke galt unter Experten lange Zeit als "rote Linie", die die chinesische Notenbank nicht überschreiten werde. Dass sie es jetzt zugelassen hat, rief bei Analysten Befürchtungen hervor, China könne den Wechselkurs zur Waffe im Handelskonflikt mit den USA nutzen. Ein niedrigerer Wechselkurs zum Dollar verbilligt den Preis chinesischer Produkte im Ausland.

Die Abwertung war als weitere Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China gewertet worden, weil der Yuan nicht gänzlich frei schwankt, sondern durch die chinesische Notenbank beeinflusst wird.

An den Börsen geht die Angst um

An den Börsen wuchs die Angst, dass Politiker beider Länder mit immer neuen Gegenmaßnahmen reagieren würden - und so das Wachstum der Weltwirtschaft abwürgen. Die Wall Street verzeichnete am Montag einen der schlechtesten Handelstage des Jahres, auch der deutsche Leitindex Dax fiel deutlich. Am Dienstag stabilisierte er sich zunächst wieder.

Trump hatte die Abwertung des Yuan als "Währungsmanipulation" kritisiert. Er legte auf Twitter nach: China habe "schon immer die Manipulation seiner Währung genutzt, um unsere Unternehmen und Fabriken zu stehlen, unseren Arbeitsplätzen zu schaden" und die Löhne der amerikanischen Arbeiter zu drücken. "Damit ist jetzt Schluss."

Chinesische und amerikanische Unterhändler sollen sich im September erneut in Washington treffen, um ein Handelsabkommen abzuschließen.

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