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Neue alte Strategie am Hindukusch - "Die USA sind nur wegen Pakistan in Afghanistan"

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Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, die amerikanische Truppenstärke in Afghanistan wieder aufzustocken, ist kein kompletter Politikwechsel. Das passe durchaus zu den langfristigen geopolitischen Zielen der USA, sagt USA-Experte Josef Braml im Gespräch mit heute.de.

Die Ankündigung von US-Präsident Trump, die amerikanische Truppenstärke in Afghanistan wieder aufzustocken, wird auch von der Nato begrüßt. Denn die Taliban gewannen zuletzt wieder an Boden. Trump hatte im Wahlkampf angekündigt, US-Truppen abzuziehen.

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Seit seinem Wahlkampf schien die Afghanistan-Politik von US-Präsident Donald Trump klar: raus aus Afghanistan, Truppenabzug. "Es kommt darauf an, welchen Maßstab man anlegt", sagt Josef Braml, Experte für US-Politik bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP). "Wenn man seine Aussagen im Wahlkampf zugrunde legt, dann ist die Ankündigung einer Truppenaufstockung neu. In Bezug auf die US-Politik in dieser Weltregion ist sie es nicht." Es habe in der Vergangenheit andere Beispiele für solche Kurswechsel gegeben, so Braml weiter: "Auch Obama musste damals im Irak umsteuern."

Es geht den USA nicht um Afghanistan

Aber man müsse den Rahmen weiter spannen, ein Blick nur auf Afghanistan gehe nicht weit genug, so der DGAP-Experte. "Die USA waren nie wegen Afghanistan in Afghanistan - sondern wegen Pakistan", sagt Braml. Und zitiert den früheren langjährigen CIA-Mitarbeiter und Berater dreier US-Präsidenten, Bruce Riedel, mit der These, die USA seien nur in Afghanistan, weil sie nach Pakistan nicht hineinkommen. Riedel begründete die Strategie der USA, Afghanistan und Pakistan als sogenannte AfPak-Region gemeinsam zu betrachten.
Aber warum Pakistan? Das sei eine Frage der Geopolitik, erklärt Braml. Denn eigentlich gehe es um China. Der Anti-Terror-Kampf, den Trump jetzt aktuell in Bezug auf Afghanistan in den Vordergrund stelle, sei "immer auch ein Deckmantel für eine Politik, um China in Schach zu halten". Die chinesische Politik zum Beispiel mit dem Seidenstraßen-Projekt sei eine geopolitische Gefahr für die USA. Und in dieser chinesischen Politik spiele Pakistan eine Schlüsselrolle.

Vor diesem Hintergrund wundert es dann auch nicht, dass China Pakistan unmittelbar vor Kritik des US-Präsidenten in Schutz nahm. China wies Trumps Vorwurf zurück, Pakistan sei ein Rückzugsraum für die Taliban und Terrororganisationen. Das Land kämpfe vielmehr an vorderster Front gegen den Terrorismus und habe dabei große Opfer und Beiträge geleistet, sagte Außenamtssprecherin Hua Chunying am Dienstag vor Journalisten in Peking. Die internationale Gemeinschaft solle dies anerkennen. China würde es begrüßen, wenn Pakistan und die USA ihre Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terror auf der Grundlage gegenseitigen Respekts führten und zusammenarbeiten würden, um Sicherheit und Stabilität in der Region und der ganzen Welt zu fördern.

Trump hört mehr auf die Militärs

Und wie geht der Schwenk von der Wahlkampfaussage 'raus aus Afghanistan' hin zu der neuen Marschrichtung in der US-Regierung vonstatten? Ohne große Reibungspunkte, sagt Braml: "Die Isolationisten im Weißen Haus sind durch den Abgang von Steve Bannon geschwächt. Trump hört jetzt mehr auf die Militärs, die er ja grundsätzlich sehr schätzt." Der vermeintliche Kurswechsel Trumps ist also eigentlich ein Stück Kontinuität - wenn man es im geopolitischen Gesamtzusammenhang sieht.

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