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Mysteriöse Angriffe - Störgeräusche zwischen den USA und Kuba

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Mysteriöse Geräusche machen US-Botschaftsmitarbeiter in Havanna krank. Vieles liegt im Dunkeln. Doch offenbar ist auch das amerikanische Agentennetzwerk in Kuba getroffen. Als Reaktion auf die angeblichen "Akustik-Attacken" haben die USA nun 15 kubanische Diplomaten des Landes verwiesen.

Die USA erwägen eine Schließung ihrer Botschaft in der kubanischen Hauptstadt Havanna, nachdem mehrere Mitarbeiter mysteriöse Gesundheitsschäden erlitten haben. US-Medien spekulieren über nicht hörbaren Schall als Ursache.

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Von Matratzen über Kinderspielzeug bis hin zu Konserven: Botschaftsmitarbeiter der USA bieten in Kuba Hausstand und Vorräte feil. Es herrscht Hektik, nachdem die Regierung in Washington den Abzug von mehr als der Hälfte ihres Personals in Havanna angeordnet hat. Grund dafür sind rätselhafte Erkrankungen mehrerer Botschaftsmitarbeiter, die die USA auf gezielte Attacken zurückführen. Die US-Regierung verwies als Reaktion auf die mysteriösen "Angriffe" am Dienstag 15 kubanische Diplomaten des Landes, wie Außenminister Rex Tillerson in Washington mitteilte.

Schon vor knapp einem Jahr sollen diese Angriffe begonnen haben - unmittelbar nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. Im Sommer brachten die USA die Sache an die Öffentlichkeit und sprachen lange von "Vorfällen". Seit Freitag nennt das Außenministerium die mysteriösen Vorgänge nun "gezielte Angriffe", lässt allerdings nicht durchblicken, ob neue Erkenntnisse hinter der Wortwahl stehen.

Schwere Gehirnschäden und Hörverlust

Viel ist tatsächlich nicht bekannt. Bizarre durchdringende Geräusche sollen eine Reihe von Botschaftsmitarbeitern krank gemacht haben. 21 Fälle haben die USA gemeldet, darunter auch schwere mit Gehirnschäden oder unwiederbringlichem Hörverlust. Die Opfer waren nach Regierungsangaben Botschaftsmitarbeiter oder "Mitglieder der diplomatischen Gemeinde".

Die ersten Berichte deuteten darauf hin, dass die Angriffe dem Spionagenetzwerk an der US-Botschaft in Havanna gelten könnten. Doch bald sei dann festgestellt worden, dass auch Diplomaten betroffen seien, hieß es aus Regierungskreisen. Was die Suche nach Quelle und Motiv weiter erschwerte.

Von den 21 gemeldeten Fällen erlitten nach Angaben mehrerer Behördenvertreter jedoch gerade Agenten einige der ersten und stärksten Schädigungen, wie die Nachrichtenagentur AP aus informierten Kreisen erfuhr. Sie hörten demnach ein aufreibendes Geräusch, meist in ihren Häusern, das an ein lautes Zirpen von Grillen erinnert haben soll. Dann wurden sie krank.

Befürchtung: Die Angriffe werden immer subtiler

In einigen der jüngsten Fälle aber hörten die Betroffenen nicht einmal mehr Geräusche, sondern entwickelten lediglich Symptome. Das mache den Ermittlern Sorgen, dass die mutmaßlichen Angriffe immer ausgereifter würden und schwerer aufzuspüren seien, verlautete aus Kreisen, die mit den Ermittlungen vertraut sind.

Behördenvertreter deuten aber auch an, dass einige Botschaftsmitarbeiter inmitten der Belastungen und Verunsicherungen andere, damit nicht zusammenhängende Krankheitssymptome solchen Attacken zugeschrieben haben könnten. Das US-Außenministerium hat hingegen erklärt, alle Fälle seien "medizinisch bestätigt".

Während über Jahrzehnte hinweg Eiszeit zwischen Washington und Havanna herrschte, begannen

Die Vorfälle starteten in einer diplomatisch wichtigen Zeit

Die rätselhaften Vorfälle begannen just zu einer Zeit, in der diplomatisches Tauwetter angesagt war. Über Jahrzehnte herrschte Eiszeit zwischen Washington und Havanna, bis Ende 2015 eine Wiederannäherung begann. Es wuchs die Zuversicht, dass die bittere Geschichte auf Dauer bewältigt würde. Als die mutmaßlichen Angriffe starteten, waren Kuba und die USA gerade dabei, ihre neuen Wirtschafts- und Einwanderungsbeziehungen unter Dach und Fach zu bringen.

Knapp ein Jahr später scheint alles wieder zu wackeln. In der vergangenen Woche zogen die USA nicht nur einen beträchtlichen Teil ihres Botschaftspersonals ab, sondern rieten US-Bürgern auch von Reisen nach Kuba ab. Auch für das Botschaftspersonal war das ein neuer Ton: Bislang war den Mitarbeitern freigestellt, ob sie nach Hause zurückkehren wollten - und selbst die meisten derer, die Krankheitssymptome entwickelt hatten, blieben nach Angaben aus informierten Kreisen in Kuba.

Motiv der mutmaßlichen Angriffe unklar

Ihnen und allen neu nach Havanna Gekommenen gab die US-Regierung laut Behördenvertretern Anweisungen mit, wie sie mögliche Angriffe identifizieren könnten - oder wie sie im Falle einer Attacke die Risiken mindern könnten. Schwierig, denn die mögliche Quelle der Angriffe wurde bislang nicht ausgemacht.

Um hier weiterzukommen, kartieren die Ermittler nun die Gegenden in der kubanischen Hauptstadt, in denen solche Attacken verübt worden sein sollen. Drei "Zonen" umfassten die Häuser von Diplomaten und mehrere Hotels, berichten Gewährsleute.

Auch ein Motiv liegt nicht auf der Hand. Das offenkundigste wäre, einen Keil in die neuen Beziehungen zu treiben. Die kubanische Regierung hat eine Verwicklung in die Vorfälle oder Kenntnis darüber weit von sich gewiesen. Aus US-Behördenkreise heißt es, dass auch einige Vertreter der Washingtoner Regierung glauben, dass dies der Wahrheit entspricht. Schon bei einem Besuch von US-Abgeordneten im Februar zog der kubanische Staatschef Raúl Castro nach AP-Recherchen den US-Topdiplomaten in Kuba, Jeff DeLaurentis, zur Seite - um ihm zu sagen, dass seine Regierung gleichermaßen alarmiert sei.

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