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Monopolisten in Netz - Tausche Inhalte gegen Daten

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Facebook und Google sind die großen globalen Datenkonzerne. Sie machen Geld mit den Daten ihrer Nutzer. Welche Wirtschaftsmacht sich hinter ihnen verbirgt. Eine Analyse.

Ein Mann ändert die Einstellungen in seinem Facebook-Account
Ein Mann ändert die Einstellungen in seinem Facebook-Account Quelle: ap

Facebook, Google und Co. leben davon, dass ihre Nutzer sie als kostenlos ansehen. Darauf basiert auch der wirtschaftliche und gesellschaftliche Erfolg der Unternehmen. Doch auch hier gilt der alte Spruch: Nichts im Leben ist umsonst. "Dass diese Annahme ein Trugschluss ist, weil eine Bezahlung faktisch in der Bereitstellung seiner Daten erfolgt, wird vielen erst in Anbetracht aktueller Skandale bewusst", erklärt ein Sprecher der Bundesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit.

"Wir konsumieren, wollen aber nichts bezahlen"

Beide US-Konzerne stehen seit Jahren wegen ihres Umgangs mit dem Datenschutz in der Kritik. Für Mark Elsner, stellvertretender Vorsitzender des Ressorts Data Economy des Bundesverbands Digitale Wirtschaft e.V. (BVDW), ist das der zentrale Aspekt, der häufig nicht gesehen wird: "Wir konsumieren es gerne, lassen es uns auf dem Silbertablett servieren, wollen aber nichts dafür bezahlen und dann beklagen wir uns, dass die Daten genutzt werden."

Das Geschäftsmodell der Datenkonzerne ist eben ein neues, das erst durch die Digitalisierung entstanden ist. "Mit Informationen aus den Daten kann Werbung gezielt auf die Bedürfnisse des Nutzers zugeschnitten werden", weiß Elsner. Der Wert von Daten ist pauschal aber nicht bestimmbar. Mit Rohdaten kann laut Elsner niemand etwas anfangen: "Erst wenn die Daten sinnvoll strukturiert werden und man aus ihnen etwas ableiten kann, können sie einen Wert bekommen."

2,1 Milliarden aktive Nutzer

Bei Unternehmen wie Facebook und Google spielt laut Elsner auch der sogenannte "Fast-Follower-Effekt" mit: "Die Pioniere auf den Gebieten haben sich verbrannt, weil sie nicht verstanden haben, wie der Markt funktioniert. Die darauffolgenden Unternehmen sind zu einem relativ frühen Zeitpunkt eingestiegen und haben sich recht schnell als Suchmaschine oder Soziales Netzwerk etablieren können, weil ihre Produkte ausgereifter waren."

Die Plattformen sind nicht nur nutzerfreundlich, sondern auch besser auf die Bedürfnisse ihrer Nutzer angepasst, als die bis dato auf dem Markt vorhandene Konkurrenz. Bei Facebook spielt der Effekt der kritischen Masse eine Rolle - sind erst mal genug Nutzer vorhanden, treten neue Nutzer eher diesem Netzwerk bei als dem eines Mitbewerbers. Die Plattform hat aktuell 2,1 Milliarden aktive Nutzer, von denen 1,4 Milliarden sie täglich nutzen. 2017 hat das Unternehmen rund 40,653 Milliarden Dollar Umsatz generiert.

Kein Kontroll-Organ im Internet

Google hingegen konnte sich nicht nur wegen der Suchmaschine etablieren, sondern durch die Vernetzung verschiedener Angebote wie Maps, Mailingdienste oder der Möglichkeit zur Bearbeitung von Dokumenten. "Das Gesamtpaket von Google ist etwas, das dem Konsumenten einen recht hohen Nutzen bringt", fügt Mark Elsner vom BVDW hinzu. Die Suchmaschine machte 2016 einen Jahresumsatz von 89,5 Milliarden Dollar. Der größte Teil der Einnahmen wird über Werbung generiert. Rund 79 Prozent aller Suchanfragen weltweit, werden über Google gespielt. Die Suchmaschine gehört seit einigen Jahren zu den wertvollsten Marken weltweit.

"Wirtschaftsmacht bedeutet, dass man erfolgreich am Markt ist, hohe Umsatzzahlen erreicht und die Nutzerbedürfnisse befriedigt", erklärt Sascha Münnich, Juniorprofessor am Institut für Soziologie der Universität Göttingen. All diese Faktoren treffen auf die Datenkonzerne zu. Die Wirtschaftsmacht von Facebook und Google beruht auch auf ihren monopolartigen Strukturen. "Wir haben es hier einerseits mit einer sehr klassischen Monopol-Frage zu tun, auf der anderen Seite aber auch mit einem neuen Phänomen", fügt der Wirtschafts-Soziologe hinzu. Das Klassische ist: Sie sind Anbieter von Infrastruktur und unterscheiden sich darin kaum von der Telekom. Wer die Netze kontrolliert, kann den Wettbewerb einschränken. Hier hat der Staat regulierend eingegriffen und die Bundesnetzagentur geschaffen. Im Internet fehlt so ein Kontroll-Organ bislang.

Druck durch verbundene "Freunde"

Auf der anderen Seite ist diese Infrastruktur dahingehend neu, dass sie sich online und in sozialen Netzwerken abspielt. Es ist laut Münnich eine Infrastruktur der Wahrnehmung. Alle Teilnehmer - ob privat oder aus der Wirtschaft - erleben die Welt durch diese Infrastruktur gefiltert.

"Unter Umständen kann so die Wahrnehmung der Entscheidungsmöglichkeiten beeinflusst werden, was das Monopol noch ausbauen kann", erklärt der Juniorprofessor. Der Unterschied zum klassischen Monopolisten ist, dass die Nutzung der sozialen Netzwerke von der Anerkennung andere Menschen getragen wird. "Dem Nutzer wird gespiegelt: 'Deine Freunde machen das auch so'", sagt Münnich. Der soziale Druck, der künstlich erzeugt wird, stärkt diese Machtposition - auch wenn er laut dem Wirtschafts-Soziologen komplett subjektiv ist.

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