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Paartherapeut Holger Kuntze - Wenn es langweilig wird, ist es Liebe

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Schmetterlinge im Bauch und Blumen in der Hand: der Valentinstag gilt als Tag der Verliebten. Warum die Liebe im Garten der Langeweile blüht, erklärt Paartherapeut Kuntze.

"Liebe ist etwas völlig anderes als Verliebtheit", so Paartherapeut Holger Kuntze. Liebe muss in langanhaltenden Beziehungen gelernt werden, betont er weiter.

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Es ist wieder soweit: Am 14. Februar kann sich kaum einer den Botschaften von Herzchen und Blümchen entziehen. Selbst die Polizei twittert Liebesgrüße. "Nicht nur heute sollte man seinen Liebsten sagen, dass man sie liebt. Jeder Tag ist doch irgendwie #Valentinstag", heißt es etwa von @bpol_kueste.

Nur ein Spruch? Ein Stückchen Wahrheit steckt drin, könnte man meinen, wenn man es mit Paartherapeut Holger Kuntze hält. Der erklärt im ZDF-Morgenmagazin, was Liebe eigentlich ist, und wie sie sich wachhälten lässt. Erkenntnis Nummer eins: Liebe nicht mit Verliebtheit verwechseln.  

Für viele Paare sei nach ein paar Jahren Schluss, weil sie glaubten, Liebe sei eine permanente Anreihung von Verliebtheit. "Dem ist nicht so. Liebe ist etwas völlig anderes als Verliebtheit und das zu akzeptieren, führt dann auch in die Akzeptanz," sagt Kuntze. Würden wir das, was wir vielleicht in einer langjährigen Beziehung als Langeweile erleben, als Liebe definieren, ändere sich der Blick.

Wie sich Liebe anfühlt

Aber was ist Liebe dann? "Liebe ist Vertrautheit. Liebe ist einander kennen. Verliebtheit ist Fremdheit", erklärt Kuntze. Verliebtheit werde primär durch Adrenalin ausgelöst, das aber auch ein Angst- und Stresshormon sei. "Wenn Sie anhaltend in der Verliebtheit glauben, dass das bleiben kann, dann werden Sie nie in einer Liebe enden," prophezeit der Therapeut.

Verliebtheit sei eine "klassische, evolutionär vorgesehene Stammhirnreizung, die quasi dafür sorgt, dass wir uns alle vermehren". Liebe hingegen sei sozial und spiele sich im Groß- und Vorderhirn ab. "Die Botenstoffe, um die es da geht, sind Oxytocin, Serotonin, Zufriedenheit, Bindung – das ist ein ganz anderes Spiel." Wer daran festhalte, dass er in einer Liebe "permanent in Verrücktheit" ist, sei verloren.

Archiv: Ein verliebtes Paar
Verliebtheit als Dauerphänomen? Liebe ist das nicht, sagt Kuntze.
Quelle: imago

Unsere Kultur mache es uns allerdings schwer, eine andere Haltung zu entwickeln. In der Schule werde das jedenfalls nicht unterrichtet. Und, ob in Musik oder Werbung: Überall werde einem vorgespielt, Liebe könnte eine ständige Abfolge von Verliebtheiten sein. Das sei aber nicht möglich, sagt Kuntze. Die meisten Paare in seiner Praxis sagten, es sei langweilig geworden. "Und ich sage: Das ist Liebe", erklärt er.

Wie sich Liebe wachhalten lässt

Aber etwas Schwung – wie lässt sich der reinbringen, wenn es gar zu dröge zu werden droht? Das müsse jedes Paar für sich definieren, sagt Kuntze. Grundlegend gelte: Natürlich lasse sich eine Beziehung verbessern, indem Fremdes, Neues, Spannendes reingebracht wird. "Auf der anderen Seite ist es aber auch so: Ein Paar trennt sich ja nie, weil es gerade Scheiße ist", sagt Kuntze.

Ein Paar trenne sich immer, weil es keine gemeinsame Geschichte über das tolle Vergangene und keine Idee über etwas Zukünftiges habe. "Und wenn wir unserem Partner anhaltend rückmelden, dass das, was wir gemeinsam erlebt haben, wertvoll ist und das, was noch kommt, toll sein wird, dann kriegen wir alles hin."

Wo wir wieder bei dem Tweet von oben wären. Auch wenn nicht jeder Tag als #Valentinstag gelabelt werden muss, hilft das Erinnern an die gelebte Liebe vielleicht, damit sie auch weiterhin blüht und gedeiht.

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