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Guaidó will Land lahmlegen - Großmächte streiten

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Machtkampf in Venezuela - Guaidó will Land lahmlegen - Großmächte streiten

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Der erhoffte Militär-Aufstand gegen Staatschef Maduro ist ausgeblieben. Sein Rivale Guaidó fordert zum Generalstreik auf. Moskau und Washington werfen sich Einmischung vor.

Nach den gewaltsamen Auseinandersetzungen vom Dienstag sind in Venezuela auch am Mittwoch wieder Anhänger und Gegner des umstrittenen Staatschefs Nicolás Maduro auf die Straßen geströmt. Dessen Rivale, der selbst ernannte Übergangspräsident Juan Guaidó, gab sich kämpferisch, obwohl sein Aufruf an das Militär, sich gegen Maduro zu erheben, weitgehend ungehört verhallt war. "Eine glaubwürdige Theorie besagt", erklärt ZDF-Korrespondent Christoph Röckerath, "dass Guaidó mit Teilen des Militärapparates kurz vor einer Einigung über eine Machtübergabe stand". Dann aber habe er von seiner" angeblich unmittelbar bevorstehenden Festnahme erfahren, so dass ihm nur noch die Flucht nach vorne blieb. Ohne die Unterstützung des Militärapparates abschließend sichergestellt zu haben.“

Maduro wirft Guaidó Putschversuch vor

"Es ist jetzt völlig klar, dass der unrechtmäßige Präsident verloren hat."
Nicolás Maduro

"Es ist jetzt völlig klar, dass der unrechtmäßige Präsident verloren hat", sagte Guaidó vor Anhängern. Maduro seinerseits warf Guaidó vor, im Auftrag der USA einen Putschversuch gegen ihn unternommen zu haben. "Das kann nicht unbestraft bleiben", sagte er. Der sozialistische Parteichef Diosdado Cabello erklärte bei einer Kundgebung am Mittwoch, die Streitkräfte Venezuelas stünden vereint hinter Maduro. Nur einige wenige seien übergelaufen. Die Revolte der Opposition sei gescheitert.

Guaidó rief dessen ungeachtet seine Anhänger auf, den Druck auf Maduro weiter zu erhöhen und einen Generalstreik vorzubereiten. Tausende versammelten sich in verschiedenen Teilen von Caracas. Im Viertel El Paraiso setzten Soldaten der Nationalgarde Tränengas und Gummigeschosse gegen eine kleinere Gruppe von Maduro-Gegnern ein.

USA und Russland streiten wegen Venezuela

Wenn er Guaidó nicht festnehmen lässt, wird das als Zeichen der Schwäche Maduros gesehen werden. Aber wenn er ihn festnehmen lässt, riskiert er eine starke Gegenreaktion der USA
Giancarlo Morelli, Experte

Der Konflikt reicht weiter über die Grenzen Venezuelas hinaus. Die USA, die wie rund 50 andere Staaten Guaidó als Übergangspräsident anerkannt haben, stellten sich klar hinter dessen Aufruf für einen Aufstand des Militärs. Russland stärkte Maduro den Rücken. Am Mittwoch sagte Außenminister Sergej Lawrow in einem Telefonat mit seinem US-Amtskollegen Mike Pompeo, die Opposition habe mit eindeutiger Unterstützung der USA versucht, in Venezuela die Macht zu ergreifen, wie das Außenministerium in Moskau mitteilte. Das sei eine Verletzung des Völkerrechts. Sollte Washington seine "aggressiven Schritte" fortsetzen, werde das "drastische Konsequenzen" nach sich ziehen.

Am Dienstag hatte neben Guaidó auch der Oppositionspolitiker Leopoldo López zum Aufstand gegen Maduro aufgerufen. Er sagte, er sei auf Anweisung Guaidós von Sicherheitskräften aus dem Hausarrest befreit worden. Danach floh er zunächst in die chilenische Botschaft. Später kam er mit Frau und Tochter in der Vertretung Spaniens unter, wie die Regierung in Madrid mitteilte. López war 2014 als Anführer von Anti-Regierungs-Demonstrationen festgenommen worden.

Wie wird Maduro reagieren?

Beobachter stellen sich nun die Frage, ob Maduro nach der Kampfansage Guaidós nun auch diesen in Haft nehmen lassen wird. Bisher konnte er weitgehend unbehelligt vor Anhängern auftreten und sogar außer Landes und wieder zurück reisen, obwohl er mit einem Reiseverbot belegt wurde. Giancarlo Morelli von der Economist Intelligence Unit in Großbritannien sagte, beide Wege seien für Maduro schwierig. "Wenn er Guaidó nicht festnehmen lässt, wird das als Zeichen der Schwäche Maduros gesehen werden. Aber wenn er ihn festnehmen lässt, riskiert er eine starke Gegenreaktion der USA", sagte Morelli.

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