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Venezuela - Flüchtlingskrise destabilisiert Lateinamerika

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Mehr als 2,3 Millionen Venezolaner haben in den letzten vier Jahren ihre Heimat verlassen. In den Nachbarländern wachsen die Spannungen.

Staatschef Maduro kämpft mit drastischen Maßnahmen ums politische Überleben: Wegen der hohen Inflationsrate streicht die Regierung fünf Nullen der alten Geldscheine. Die Menschen tätigen Hamsterkäufe, aus Angst vor noch höheren Preisen.

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Die Gesichter ängstlich, die Augen voller Furcht: Als am Wochenende in der brasilianischen Grenzstadt Pacaraima die Jagd auf die venezolanischen Geflüchteten begann, flüchteten viele in Panik zurück über die nahegelegene Grenze. Doch damit nicht genug: Die Brasilianer zündeten auch noch das restliche Hab und Gut der geflohenen Venezolaner an. Eine traumatische Erfahrung für Menschen, die wegen der katastrophalen Versorgungslage im eigenen Land ihre Heimat verlassen hatten und nun auf der anderen Seite der Grenze im Norden Brasiliens auf ein besseres Leben hofften.

Mehr als 2,3 Millionen Venezolaner auf der Flucht

Anlass der Ausschreitungen war ein Überfall von vier vermeintlichen venezolanischen Flüchtlingen auf einen lokalen Händler. Unter die Geflüchteten hatten sich auch Diebesbanden gemischt. Daraufhin entlud sich der Zorn der Brasilianer gegen die Flüchtlinge. Mehr als 1.000 Menschen sollen im Anschluss in Panik zurück geflohen sein. Die Grenze zwischen Brasilien und Venezuela ist nicht der einzige Brennpunkt in Lateinamerika. Mehr als 2,3 Millionen Venezolaner haben in den letzten vier Jahren ihre Heimat verlassen. Eine Million ging ins Nachbarland Kolumbien, das damit die meiste humanitäre Arbeit leisten muss. Ecuador meldet seit Jahresbeginn rund 570.000 Einreisen aus Venezuela, ähnliche Zahlen gibt es aus Peru. Nach Brasilien gingen rund 100.000 Venezolaner.

Karte von Lateinamerika
Karte von Lateinamerika Quelle: ZDF

Das schafft Probleme. "Niemand verlässt sein Land, seine Familie, seine Kinder freiwillig", sagte Ecuadors Präsident Lenin Moreno am Wochenende im Kreis von venezolanischen Flüchtlingen in Quito. Er will um Verständnis werben für die Migranten. Doch das kleine Land ist überfordert mit dem Andrang, in einigen Provinzen wurde der humanitäre Notstand ausgerufen. Peru und Ecuador änderten nun ihre Einreisevorgaben. Künftig müssen Venezolaner einen Reisepass vorweisen. Weil aber Papier in Venezuela knapp ist und die Behörden mit dem Drucken kaum nachkommen, bedeutet das praktisch einen Einreisestopp für die Venezolaner. Für das Nachbarland Kolumbien bedeutet das eine zusätzliche Belastung, denn nun reist ein Teil der Geflüchteten nicht mehr in Drittländer weiter. Auch hier kam es zu ausländerfeindlichen Übergriffen. In der Grenzstadt Cucuta wird der Ruf nach einer stärkeren Regulierung der Einreise immer lauter.

Im Norden Brasiliens leben momentan viele Menschen, die aus Venezuela wegen der dortigen Krise geflüchtet sind. Nun gab es einen Angriff auf die Flüchtlinge.

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Neue Währung, alte Machtstrukturen

Die Venezolaner verlassen ihre Heimat wegen der katastrophalen Versorgungslage und der brutalen Unterdrückung der Opposition, der trotz eines klaren Sieges bei den Parlamentswahlen Ende 2015 nahezu jede Möglichkeit genommen wurde, Einfluss auf die politische Entwicklung zu nehmen. Venezuelas sozialistischer Präsident Nicolas Maduro, der bei den jüngsten Präsidentschaftswahlen ohne die Konkurrenz der wichtigsten Oppositionellen antrat, da denen eine Kandidatur untersagt wurde, will nun mit einer Wirtschaftsreform das Ruder herumreißen. Mit einer deutlichen Abwertung der Währung, einem neuer "Bolivar", der an die Kryptowährung "Petro" gekoppelt ist, die wiederum an die Ölreserven gebunden sind. Fünf Nullen hat das Land über Nacht von den Geldscheinen gestrichen.

In Venezuela sind seit dem 21.08.2018 neue Banknoten im Umlauf.
In Venezuela sind seit dem 21.08.2018 neue Banknoten im Umlauf. Quelle: dpa

Ein waghalsiges Manöver, das es so in der Wirtschaftsgeschichte noch nicht gab und der Hyperinflation Einhalt gewähren soll. Zudem ist künftig das Tanken von Benzin nicht mehr kostenfrei. Bislang verschenkte der ölreichste Staat der Welt seinen Sprit an die Bevölkerung, sowohl ökologisch als auch ökonomisch eine umstrittene Maßnahme. Aber der Spritpreis ist historisch belastet: Es waren auch die Unruhen um eine damalige Benzinpreiserhöhung, die den jungen Revolutionsführer Hugo Chavez 1999 an die Macht brachte. Anschließend profitierte der 2013 gestorbene Chavez jahrelang von den hohen Öleinnahmen ehe der Ölpreis sank und durch die fehlenden Einnahmen das Geld für teure Lebensmittel- und Medikamentenimporte fehlte.

Hoffen auf Reformen

Inzwischen liegt Venezuelas Wirtschaft am Boden, auch das ist ein Grund für den Massenexodus. Maduro will nun das Steuer herumreißen. Die vorsichtige Spritpreiserhöhung und eine Annäherung an Privatisierungen lassen erkennen, dass es einen Kurswechsel geben könnte. Im Wahlkampf hatte Maduro seinen Landsleuten versprochen, dass Venezuelas beste Jahre noch bevorstehen. Die, die geblieben sind oder bleiben mussten, würden ihm gerne glauben.

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