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Korruptionsvorwürfe - Venezuelas schwarze Kassen

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Gewaltige Korruptionsvorwürfe: Minister der venezolanischen Regierung von Hugo Chavez sollen Boni-Zahlungen von rund zwei Milliarden Euro im Steuerparadies Andorra geparkt haben.

Arbeiter zählt venezolanische Bolivar
Arbeiter zählt venezolanische Bolivar Quelle: Reuters

Venezuelas staatlicher Erdölkonzern PDVSA ist das Rückgrat der Wirtschaft des südamerikanischen Landes. Mehr als zwei Drittel der Staatseinnahmen kommen aus der Förderung und dem Verkauf der fossilen Brennstoffe Öl und Gas. Umso härter trifft das Land von Präsident Nicolas Maduro der Ölpreisverfall der letzten Jahre. Als die Märkte den Preis für ein Barrel Rohöl über die Marke von 150 US Dollar trieben, spülten diese Spekulationen an den Börsen Milliarden in die Kassen der sozialistischen Regierung. Danach aber begann der Absturz des Ölpreises. Und damit die schwere Wirtschafts- und Versorgungskrise. Bislang machte die Regierung Maduro vor allem "neoliberale Kräfte", die einen Wirtschaftskrieg gegen das Land führten, für das Desaster im eigenen Land verantwortlich.

Offenbar Milliarden nach Andorra verschoben

Nun sorgen aber Korruptionsermittlungen für eine andere Blickweise auf die venezolanische Krise. Nach Recherchen der spanischen Tageszeitung "El Pais" erhielten ehemalige Minister der Regierung des 2013 an Krebs verstorbenen Revolutionsführers Hugo Chavez Boni-Zahlungen in Milliardenhöhe, die anschließend im Steuerparadies Andorra geparkt wurden. Chavez selbst regierte zwischen 1999 und 2013 das Land. Die Boni-Zahlungen an die Politiker wurden offenbar gezahlt, um erfolgreiche Verhandlungen zwischen dem staatlichen Erdölkonzern PDSVA und ausländischen Öl-Firmen zu belohnen.

Nach Recherchen von "El Pais" standen mindestens zehn ranghohe ehemalige Politiker, Unternehmen und deren Familienangehörige, die den Sozialisten nahestanden, auf der Liste der Empfänger der exorbitant hohen Zahlungen. Die Geldflüsse sind Gegenstand von Ermittlungen in deren Zentrum die Banca Privada de Andorra (BPA), die Privatbank von Andorra, steht. Von da aus flossen die Gelder weiter in andere Steuerparadiese wie die Schweiz oder ins mittelamerikanische Belize.

Enge Vertraute des Präsidenten involviert

Die Zeitung hat Informationen über die Summen auf den Konten und Zugang zu vertraulichen Informationen rund um die Zahlungen. In deren Zentrum stehen die ehemaligen Vize-Energie-Minister Nervis Villalobos und Javier Alvarado sowie ein Neffe des ehemaligen PDVSA-Konzernchefs, die offenbar ein System an Strohmännern aufgebaut hatten. Alle galten während der Zeit von Revolutionsführer Hugo Chavez als enge Vertraute des Präsidenten.

Die Recherchen von "El Pais" platzen in eine Phase einer Verhaftungswelle rund um den Erdölkonzern PDVSA. Dabei ermitteln auch die venezolanischen Behörden wegen Korruption gegen ranghohe Konzernfunktionäre und Politiker. Vor allem Rafael Ramirez, lange Zeit die rechte Hand von Chavez und zweitmächtigster Mann als Konzernchef von PDVSA, ist inzwischen ins Visier der Ermittler geraten. Venezuelas Generalstaatsanwalt Tarek Saab kündigte in der vergangenen Woche an, dass gegen den ehemaligen Chavez-Vertrauten wegen unlauterer Verträge mit einem Cousin ermittelt werde.

Ölkonzern wird jetzt von Militär geleitet

Im Zuge dieser Entwicklungen hatte Maduro jüngst eine Politik der harten Hand angekündigt und das Schicksal des Konzerns in die Hände eines hochrangigen Offiziers der Nationalgarde gelegt. "Die Zeit ist reif für eine neue Ölrevolution", kündigte Staatspräsident Nicolas Maduro zu Monatsbeginn an. Generalmajor Manuel Quevedo sollte innerhalb des Unternehmens "aufräumen", forderte Maduro. Mit Quevedo übernimmt ein linientreuer Militär das Amt des Konzernchefs und Ölministers. Er selbst bezeichnet sich als "Soldat des Volkes" und überzeugter "Chavista", wie sich die Unterstützer von Maduro und Chavez selbst nennen.

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