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Kohlendioxid umwandeln - Wie eine Schweizer Firma CO2 direkt aus der Luft saugt

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In der Schweiz wollen ein paar Tüftler die Luft vom wohl schädlichsten Klimagas reinigen: CO2. Das angesaugte Kohlendioxid soll etwa für die Kraftstoffproduktion recycelt werden.

Smog, Feinstaub und Stickoxide belasten unsere Städte, das Klima – und unsere Gesundheit. "plan b" zeigt innovative Methoden, die uns und unsere Städte wieder besser durchatmen lassen.

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Jan Hildenbeutel vom Unternehmen "Climeworks" checkt die Anlage in der Nähe von Zürich regelmäßig. Die Aufgabe der dort eingesetzten Röhren: Sie sollen der Atmosphäre CO2 entziehen.

Die riesigen Ventilatoren des Systems arbeiten wie gigantische Staubsauger. Sie saugen die Umgebungsluft an. Die wird dann durch einen Filter geleitet. Der Filter bindet das CO2 und auf der anderen Seite strömt saubere Luft zurück ins Freie.

"Momentan ist natürlich CO2 in der Atmosphäre ein ganz großes Thema. Ich finde es sehr gut, wenn wir bewusst mit unseren Ressourcen umgehen, bewusst damit umgehen, was für Emissionen wir als Gesellschaft haben", sagt Ingenieur Hildebeutel vom Unternehmen "Climeworks", das die Sauganlagen entwickelt hat.

Das konzentrierte CO2 wird jetzt nicht etwa einfach gelagert. Es fließt durch Rohre zu den Gewächshäusern einer benachbarten Gärtnerei. Denn Pflanzen brauchen CO2, um zu wachsen. Sie wandeln das Gas in Sauerstoff um und werden dabei größer und kräftiger. Mehr CO2 macht also die Ernte ertragreicher. Darum gibt es sogar Unternehmen, die CO2 extra für den Pflanzenmarkt produzieren. Hier wird nur das ohnehin vorhandene CO2 aus der Atmosphäre genutzt: CO2-Recycling sozusagen.

2.000 Tonnen CO2-Einsparung pro Jahr

Das abgesaugte CO2 wird noch für andere Dinge verwendet. Man kann daraus synthetische Kraftstoffe herstellen. Heißt: Mit CO2 können Autos betankt werden. Und die Industrie nutzt es, um Getränke mit Kohlensäure zu versetzen.

Jan Hildenbeutel betankt das Methan-Auto mit CO2 aus der Atmosphäre
Mit dem Kohlendioxid aus der Atmosphäre können auch Autos betankt werden, wie Jan Hildenbeutel (rechts) demonstriert. Foto: ZDF

14 CO2-Anlagen hat das Unternehmen inzwischen in ganz Europa. Sie entziehen der Luft etwa 2.000 Tonnen CO2 pro Jahr. So viel, wie 225 Deutsche jährlich produzieren. Auf die Idee kam Ingenieur Jan Wurzbacher zusammen mit einem Freund vor zehn Jahren. "Wir wollten nicht irgendein Start-up gründen, sondern wir wollten irgendwas im Klima- und Energiebereich machen, das war uns wichtig", sagt der Geschäftsführer von "Climeworks".

Kohlendioxid in Stein verwandeln

Im Moment ist das Verfahren noch sehr teuer. Damit sich das ändert, muss die Technik immer weiter optimiert werden. Bisher verbraucht das Absaugen des CO2 außerdem noch zu viel Energie. "Je schneller das funktioniert, mit je weniger Energieeintrag wir das tun können, umso effizienter ist unser Verfahren und schlussendlich umso kostengünstiger ist es, das CO2 aus der Luft abzuscheiden", erklärt Wurzbacher. "Unser großes Ziel ist es, CO2 in der Atmosphäre zu reduzieren, das heißt wir müssen CO2 herausfiltern und dann dauerhaft entfernen und das tun wir in Island."

Die Vulkaninsel Island bietet mit ihrem besonderen Boden die besten Voraussetzungen für diese zweite Idee des Unternehmens: CO2 in Stein verwandeln. Das aus der Luft gefilterte CO2 wird hier mit Wasser versetzt und 700 Meter in die Tiefe gepumpt. Hier reagiert das Gas mit dem vulkanischen Basaltgestein. Das CO2 versteinert zu Kalkstein.

Neue Ideen entwickeln

Wurzbacher zeigt auf ein Gesteinsstück und erklärt: "Man sieht hier einen Bohrkern, der aus so einer Schicht genommen wurde und man sieht sehr schön hier die Poren und viele der Poren sind mit weißen Inhaltsstoffen gefüllt und das weiße, das ist das gefangene CO2."

CO2 zu Stein machen, das könnte grundsätzlich in vielen vulkanischen Gebieten der Welt funktionieren. Wurzbacher hat schon neue Ideen: Seit wenigen Wochen können Privatleute den CO2-Ausstoß ihrer Reisen in seinen Anlagen versteinern lassen.

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