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Verbot von Insektengiften - Was bringt die Biene auf die Beine?

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Die EU hat ein Freilandverbot von drei bienenschädlichen Insektengiften beschlossen. Hilft das? Die deutsche Biene hat jedenfalls noch ganz andere Probleme.

Biene
In Deutschland machen der Biene weniger Pestizide zu schaffen als eine ausländische Milbe.
Quelle: dpa

Europa sorgt sich um seine Bienen. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner formuliert das im Bayerischen Rundfunk so: "Das, was der Biene schadet, muss weg vom Markt, denn Bienen sind systemrelevant." Alles für die Biene also.

Insgesamt gesehen schaden der Biene vor allem bestimmte Pestizide, etwa Neonikotinoide. Experten zufolge können sie Insekten bereits in sehr kleinen Mengen lähmen, töten oder deren Lernvermögen und Orientierungsfähigkeit beeinträchtigen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die Schädlichkeit dieser Mittel für Honig- und Wildbienen bestätigt.

Eine Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten hat deshalb am Freitag  ein teilweises Verbot von drei dieser Neonikotinoiden beschlossen. Jetzt dürfen die Substanzen auf dem Acker weder in Form von Saatgutbehandlung noch als Spritzmittel genutzt werden. Nur in Gewächshäusern sind sie noch erlaubt.

Bienen mit gestörtem Verhalten

"Das ist ein Quantensprung, wenn das im Freiland nicht mehr eingesetzt werden darf", sagt Peter Maske, Präsident des Deutschen Imkerbundes, im Gespräch mit heute.de. "Das Verhalten der Bienen wird gestört. Sie finden nicht mehr richtig nach Hause und nehmen ihre Aufgaben im Bienenstock nicht mehr wahr."

In Deutschland sind diese Mittel jedoch schon länger nur noch sehr eingeschränkt im Einsatz. Die Saatgut-Beizung mit diesen "Neonics" ist in Deutschland in allen Kulturen verboten, bis auf die Pflanzgutbehandlung bei Kartoffel und Zuckerrübe. Ob die EU-Entscheidung für Deutschland deshalb von großer Bedeutung ist, ist fraglich. Hier rückt den schwarz-gelben Insekten vor allem ein Parasit auf die Pelle: die Varroamilbe.

Nahrungsmittel-Knappheit bei Wildbienen

Die Milbe kommt aus Asien und hat ursprünglich der östlichen Honigbiene zu schaffen gemacht. In Deutschland hat sie keine Feinde und schießt über das Ziel hinaus: Anstatt sich nur auf Kosten der Biene zu ernähren, bringt der Parasit seinen Wirt sogar um. Das führt bei Imkern mitunter zu großen Ausfällen. "Die Varroamilbe ist die Hauptursache für das Sterben der Honigbienen hierzulande", sagt Maske vom Imkerbund. Und die Bekämpfung der Milben ist kompliziert: Die richtige Zeit, Mittel und Dosierung müssen genau stimmen, damit die Milbe bekämpft werden kann.

Bei Wildbienen ist das Hauptproblem ein anderes, sagt Maske. Denen fehle es schlicht an genügend Nahrung. "Gerade blüht hier in der Landschaft der Raps und die Obstblüte ist fast vorbei. Wenn sie 14 Tage  warten, sehen sie kein buntes Feld mehr, nur grüne monotone Fläche", sagt Maske. Und wenn es weit und breit nur eine Pflanzensorte gibt, finden die Bienen auch keinen Nektar mehr, sobald diese nicht mehr blüht. Auch können Wildbienen lange nicht so weit fliegen wie Honigbienen. Monokulturen sind für Wildbienen deshalb ein Problem. Der sich ausbreitende Beton und Asphalt sowieso.

Anstieg der Bienenvölker

"Deshalb brauchen wir mehr Bunt in der Landschaft. Die Bienen brauchen mehr Nahrung", ist sich Maske sicher. Er fordert von Bauen in Feldern noch andere Pflanzen dazwischen zu setzen, die dann blühen, wenn rings herum die bunte Herrlichkeit schon vorbei ist. Der Leindotter sei da etwa hilfreich. Oder die Durchwachsene Silphie, die blühe von Juli bis September.

Doch zumindest für die Honigbiene geht es nach Jahren der Krisenstimmung und einem deutlichen Rückgang der Bienenvölker derzeit wohl wieder aufwärts: Laut dem Deutschen Imkerbund hat sich die Zahl der Bienenvölker in Deutschland seit 2008 stabilisiert. Und seit 2014 steigt sie sogar wieder leicht an.

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