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Zuzana Caputova tritt Amt an - Liberal, pro Europa: Die Präsidentin der Slowakei

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Sie ist die Hoffnungsträgerin vieler Slowaken, die genug haben von einer korrupten Machtelite: Die liberale Bürgeranwältin Zuzana Caputova tritt heute ihr Amt als Präsidentin an.

Zuzana Caputova, Bürgeranwältin und Kämpferin gegen Korruption und Amtsmissbrauch, steht als neue Präsidentin der Slowakei für einen neuen Politik-Stil und für Wandel, hat aber wenig direkten Einfluss auf die Regierung. Sie ist eher eine moralische …

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Gleich am Bahnhof des Städtchens Pezinok türmt sich ein künstlicher Berg auf - ungewöhnlich in dieser topfebenen Gegend. Es ist eine stillgelegte Müllkippe - und ein politischer Ort. Denn hier begann der politische Weg von Zuzana Caputova der heute in den Präsidentenpalast der Hauptstadt mündet. Die Anwältin, die hier erstmals für Bürgerinteressen kämpfte, wird heute als Präsidentin der Slowakei vereidigt. Sie ist die erste Frau in diesem Amt, die erste, die aus der Zivilgesellschaft kommt.

Caputovas Bruder besorgt

Daniel Strapak
Daniel Strapak - im Hintergrund die stillgelegte Müllkippe, wo der politische Weg seiner Schwester Zuzana Caputova begann.
Quelle: ZDF

Ihr Bruder, Daniel Strapak, war damals mit dabei, als die Proteste gegen die Mülldeponie so nah an der Stadt begannen. "Das war der Start für sie", erzählt er. "Danach hat sie angefangen, als Anwältin in der ganzen Slowakei solche Aktivitäten zu unterstützen. Dann hat sie festgestellt: Wenn wir Dinge auf lokaler Ebene lösen, ist das gut, aber wenn wir das nicht gesamtgesellschaftlich machen, wird es immer mehr von diesen lokalen Problemen geben, und das löst das Problem an sich nicht."

Als seine Schwester ihm erzählte, dass sie Präsidentin werden möchte, war er hin- und hergerissen, erzählt er. Denn es mit den Mächtigen aufzunehmen, ist in der Slowakei nicht ungefährlich. "Ich hatte auch Angst", sagt er und erzählt, dass er und seine Schwester schon mal verfolgt wurden. Die Mächtigen aus Politik, Business und organisiertem Verbrechen praktizieren eine brutale Einschüchterungsstrategie. Der traurige Höhepunkt ist der Mord an dem Enthüllungsjournalisten Jan Kuciak und seiner Verlobten Martina Kusnirova im Februar 2018. Es ist auch der Wendepunkt für die Slowakei.

Abstimmung über korrupte Machtelite

Karte: Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn
Quelle: ZDF

An den nachfolgenden Demonstrationen gegen die Verflechtungen von Politik und Mafia beteiligt sich auch Zuzana Caputova. Der Mord rüttelt das ganze Land auf. Sowohl in der Stadt als auch auf dem Land lehnen sich die Menschen auf gegen Korruption und Vetternwirtschaft, gegen eine politische Elite, die den Rechtsstaat missachtet und demokratische Grundfreiheiten, wie die Pressefreiheit, nicht schützt. Kuciak hatte der Polizei Drohungen gegen seine Person gemeldet - die Polizei ignorierte sie.

Der Druck der Straße führte dazu, dass der sozialdemokratische Premierminister Fico, der Journalisten schon mal als Huren bezeichnet hatte, zurücktreten musste. Doch seine Partei klammert sich weiter an die Macht. In diesem Klima wurde die Wahl zum Präsidenten auch eine Abstimmung über diese korrupte Machtelite - und die führte die liberale, pro-europäische Zuzana Caputova zum Sieg.

Ich werde dienen, nicht herrschen

Die neue Präsidentin zeigt gleich am ersten Tag, wie sie ihr Amt versteht: Sie macht beim Amtseid eine gute Figur vor den Honoratioren des Landes, mit angemessem Ernst, aber auch Vorfreude. Sie kann aber auch Bürgernähe, das zeigt sich beim anschließenden Bad in der Menge. "Ich biete meinen Verstand, meine Hände, mein Herz", sagt sie in ihrer Grundsatzrede: "Ich werde dienen, nicht herrschen." Respekt jedem einzelnen gegenüber, Respekt für die Meinungen und Interessen des anderen - das will sie leben und fördern.

In einem Café von Pezinok, an deren Müllhalde Caputovas Weg begann, trifft Daniel Strapak den Wirt Ivan Kocner, der sich im Wahlkampf auch für Zuzana Caputova engagierte. Ivan Kocner ist aber auch der Bruder des Mannes, der angeklagt ist, den Mord an Kuciak und seiner Verlobten in Auftrag gegeben zu haben. 

Zuzana Caputova
Zuzana Caputova - Bad in der Menge
Quelle: Reuters

Ungleiche Brüder - Spiegel der Gesellschaft

Marian Kocner habe mit seinen mafiösen Aktivitäten die Gesellschaft traumatisiert, sagt Ivan Kocner und stimmt zu, als ich frage, ob die Brüder in ihren Ausprägungen auch für die Zerrissenheit der slowakischen Gesellschaft stünden. Allerdings: "Ich bin nur ein normaler Kerl hinter der Kaffeemaschine", sagt er - aber einer, der wie Caputova an einen Wandel der Slowakei glaubt, der doch erst am Anfang steht. 

Daniel Strapak meint, seine Schwester sei die Richtige, um die zerrissene Gesellschaft zu einen: "Sie trägt das in sich. Ich habe zahllose Situationen erlebt, bei denen wir in einer Gruppe zusammensaßen und sie immer Ruhe, Ausgeglichenheit und eine Debattenkultur einbrachte. Ich denke, das schafft sie auch in der gesamten Gesellschaft."

Ivan Kocner meint auch, das brauche das Land jetzt: "Es ist, als ob wir momentan so ein gutes Ozon um uns herum atmen würden. Und das unterstützt uns alle. Wir dürfen uns aber nicht darauf ausruhen. Uns darf nichts gleichgültig sein - niemandem."   

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