Sie sind hier:

Lebenshaltungskosten im Vergleich - Geldbeutel versus Portemonnaie

Datum:

In Frankreich protestieren die "Gelben Westen" gegen Spritpreise. Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten bei unseren Nachbarn? Ein Vergleich mit Deutschland.

Benzinpreise an den Tankstellen

An Tankstellen herrscht Benzin-Knappheit.
In etwa zahlen Franzosen und Deutsche jeweils die gleichen Preise für Sprit.
Quelle: Christophe Gateau/dpa

Die Proteste in Frankreich haben sich quasi an den Tankstellen entzündet: Die von der Regierung Macron vorgesehene Ökosteuer auf Kraftstoffe hätte zu im Schnitt drei Cent Aufschlag für Benzin und sieben Cent für Diesel in Frankreich geführt. Diesel und Super kosten aktuell in Frankreich rund 1,50 Euro. Ein Vergleich mit den Spritpreisen hierzulande ist aktuell nicht ganz einfach. Denn in Deutschland herrschen beträchtliche regionale Unterschiede. In Konstanz kostet ein Liter Diesel 1,50 Euro, ein Liter Benzin 1,60 Euro. In Rostock oder Lübeck dagegen liegt der Preis für beide Kraftstoffe zwischen 1,27 und 1,35 Euro. Fest steht aber, dass sich auch hier die Fahrt zur Tankstelle in den vergangenen Wochen verteuert hat. Die Mineralölindustrie begründet das mit den niedrigen Pegelständen der Flüsse im Land. Im Schnitt aber kann man die Belastungen an den Tankstellen in beiden Ländern wohl vergleichen.

Lebenshaltungskosten und Kaufkraft

ALG im Supermarkt
20 Prozent niedriger liegt die Kaufkraft der Franzosen im Vergleich zu der der Deutschen.
Quelle: dpa

Was kann ich für einen Euro in Deutschland oder Frankreich kaufen? Zwei Dinge spielen hier eine Rolle: Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten; und wieviel verdienen die Menschen in den jeweiligen Ländern? Die Lebenshaltungskosten in Frankreich liegen im Schnitt ein bisschen höher als in Deutschland. Da die Deutschen aber im Durchschnitt rund 400 Euro pro Monat mehr verdienen als die Franzosen, entsteht eine deutlichere Kluft: Die Kaufkraft des Durchschnittsfranzosen liegt dann nämlich um bis zu 20 Prozent niedriger als die des Otto-Normal-Verbrauchers hierzulande.

Steuerlast und Steuerquote

Steuern und Abgaben sind in Deutschland weit über Durchschnitt.
Auch die Steuerlast ist in Frankreich höher als die in Deutschland.
Quelle: Hans-Jürgen Wiedl/dpa-Zentralbild/dpa

Auch in Sachen Steuern haben die Franzosen das Nachsehen. In dieser Woche hat die Industriestaaten-Organisation OECD ihre Ergebnisse des Ländervergleichs in Sachen "Steuerbelastung" der Bürger veröffentlicht. Frankreich hat dabei den Spitzenplatz von Dänemark übernommen. 2017 entsprach das Steueraufkommen insgesamt 46,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Im Durchschnitt der Länder liegt dieser Wert nur bei 34,2 Prozent des BIP. Zum Vergleich: Deutschland liegt mit 37,5 Prozent auf Rang acht. Die Franzosen werden also durch den Staat vergleichsweise stark zu Kasse gebeten.

Maut und Bahn

LKW-Maut auf Bundesstraßen
Franzosen müssen zusätzlich noch Pkw-Maut bezahlen - die Bahnpreise sind in beiden Ländern etwa gleich.
Quelle: ZDF

Wie in manch anderen Ländern ebenfalls üblich, so bittet Paris seine Bürger auch auf den Autobahnen zur Kasse: An den so genannten Péages, den Mautstellen, muss bezahlen, wer Schnellverbindung und Überholspur nutzen will. Für die Strecke von der deutschen Grenze bei Mulhouse nach Paris - knapp 500 Kilometer - muss der Fahrer eines normalen Autos beispielsweise gut 40 Euro berappen. Das kommt in Frankreich für längere Strecken also auf den Benzinpreis noch obendrauf. Die Kosten für Bahnfahrten sind in beiden Ländern in etwa vergleichbar: Paris und Dijon sind ähnlich weit entfernt wie die Strecke zwischen Berlin und Erfurt. Wer bei der Bahn oder beim SNCF bucht, zahlt bei einem Vorlauf von einem Monat in ungefähr dasselbe. Wer zeitlich etwas flexibel ist, kann in beiden Ländern durch Rabatte Geld sparen.

Arbeitslosigkeit

Arbeitslose vor Agentur für Arbeit
Besonders die Jugendarbeitslosigkeit ist in Frankreich bedrückend - in Deutschland weitaus weniger.
Quelle: imago

In Frankreich stellt vor allem die hohe Arbeitslosigkeit ein Problem dar. Besonders bedrückend ist die Jugendarbeitslosigkeit in Frankreich. Denn fast jeder sechste Jugendliche unter 25 Jahren in Frankreich ist ohne Arbeit, in Deutschland ist nur etwa jeder zwanzigste (2017: Frankreich: 23,6 Prozent, Deutschland 6,5 Prozent) von Arbeitslosigkeit betroffen.

Überraschend: Franzosen sind vermögender als Deutsche

50-Euro-Scheine: Viele Unternehmen spenden Geld. Archivbild
Franzosen haben mehr Geld auf der hohen Kante als Deutsche.
Quelle: Nicolas Armer/dpa

Dass die Deutschen am Monatsende auf ein höheres Einkommen schauen können und im Schnitt auch weniger Steuern zahlen, wirkt sich interessanterweise nicht auf die Vermögen aus. Denn hier haben die Franzosen die Nase vorn, sprich: Zählt man alles Eigentum und Vermögenswerte zusammen, ist der Durchschnittsfranzose deutlich wohlhabender als sein Nachbar im Saarland oder Berlin. So konnte - nach Zahlen etwa des Global Wealth Report der Credit Suisse für 2018 - der französische Bürger auf ein durchschnittliches Vermögen von rund 280.000 US-Dollar blicken, umgerechnet gut 246.000 Euro. Damit stehen die Franzosen beim Privatvermögen auf Platz 10 in der Welt.

Deutschland dagegen belegt Platz 19 - mit einem Durchschnittsvermögen von rund 215.000 Dollar oder knapp 190.000 Euro. Das liegt unter anderem an der bevorzugten Art der Geldanlage diesseits und jenseits des Rheins. Während die Menschen hierzulande ihr Vermögen mehrheitlich eher in Lebensversicherungen oder auf Sparkonten halten, spielt in Frankreich der Besitz von Immobilien eine größere Rolle. Die Wertsteigerungen am Immobilienmarkt vergrößern damit das Vermögen von Franzosen stärker als das bei Deutschen der Fall ist.

Etwas aussagekräftiger als das Durchschnittsvermögen übrigens ist das mittlere Haushaltsvermögen. Das mittlere Vermögen ist der Betrag, bei dem genau die Hälfte der Haushalte darüber liegt, die andere Hälfte darunter. Denn beim mittleren Vermögen fallen extreme wie wenige Superreiche weniger ins Gewicht. Doch auch hier zeigt sich: Das mittlere Vermögen der Franzosen ist mehr als doppelt so hoch wie das der Deutschen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.