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Weltkatzentag - "Ich werde von meiner Katze gehalten"

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Über 13 Millionen Katzen leben in Deutschland. Die Verhaltensbiologin Eva Waiblinger erklärt, wie sie sich verhalten und wie sie es schaffen, das zu bekommen, was sie wollen.

Eine Katze am 01.08.2018 in Berlin
Das Verhalten von Katzen bleibt für viele Menschen unverständlich.
Quelle: dpa

"Auch ich werde von meiner Katze gehalten", sagt die Schweizer Verhaltensbiologin und Zoologin Eva Waiblinger. Den Ruf, sich gerne von Menschen bedienen zu lassen, haben die Tiere nicht ohne Grund. Es ist eine evolutionäre Strategie, die Katzen so erfolgreich macht. Das Klischee, Katzen hätten in Wahrheit den Menschen domestiziert, "ist gar nicht weit hergeholt", sagt Waiblinger. "Sie belohnen eher uns, indem wir sie streicheln dürfen, als umgekehrt."  

Ihr Kollege, der Katzenexperte und ehemalige Dozent für Heimtierethologie an der Universität Zürich, Dennis Turner fand nämlich heraus, dass der Kontakt zwischen Katze und Mensch länger dauert, wenn er vom Tier initiiert wird. Kommt man zu einer Katze und streichelt sie, spielt sie vielleicht kurz mit, verliert aber schnell das Interesse. Wenn der Kontakt allerdings von der Katze ausgeht, dauert er meist länger. Positive Konditionierung einmal andersherum.

Schlaue Imitatoren

Im Laufe der letzten 9.000 Jahre, in denen Menschen Katzen halten, haben diese gelernt,  genau das zu bekommen, was sie wollen. Dafür kommunizieren sie mit uns auf unterschiedliche Weise. Schnurrt eine Katze zum Beispiel, tut sie dabei mehr, als nur Zufriedenheit bekunden. Forscher fanden heraus, dass es neben dem zufriedenen Schnurren auch ein forderndes gibt.

Heute ist Weltkatzentag. Wir feiern die flauschigen Mitbewohner und fragen: Warum sind Katzenvideos so beliebt und was macht die eigensinnigen Mitbewohner aus?

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Dazu erzeugt die Katze neben dem Schnurr-Geräusch noch einen weiteren Ton. "Filtert man diesen heraus, ähneln die Frequenzen dem Schrei eines Säuglings", so Waiblinger. Sie vermutet, dass Katzen wohl gelernt haben, dass Menschen Babyschreie kaum  ignorieren können. Aber auch das Miauen haben Hauskatzen weiterentwickelt. "Menschen, denen man sowohl  Aufnahmen miauender Hauskatzen, als auch miauender Wildkatzen vorgespielt hat, empfanden das Geräusch der Hauskatzen als angenehmer“, sagt Waiblinger. Katzen wissen also auch, was uns Menschen gefällt.

Katzen sind weltweit das am meisten verbreitete Haustier. Allein in Deutschland gibt es über 13,4 Millionen von ihnen. In jedem fünften Haushalt lebt mindestens eine von ihnen. Damit liegen sie sogar weit vor dem "besten Freund des Menschen", dem Hund. Von denen gibt es in Deutschland nur gut 8,6 Millionen. "Katzen sind einfach wirtschaftliche Haustiere", sagt Eva Waiblinger. "Mit Hunden muss man spazieren gehen, Katzen gehen selbst spazieren". Trotzdem scheinen wir Katzen schlecht zu verstehen. Das hat vor allem damit zu tun, wie wir ihr Verhalten interpretieren. Streicht eine Katze um die Beine eines Menschen oder reibt ihren Kopf an dessen Hand, ist das nicht nur ein Zeichen von Zuneigung. "Dabei beduften sie ihre Umgebung mittels der Mundwinkeldrüse. Sie markieren ihr Revier", sagt die Verhaltensbiologin.

Verhalten häufig falsch interpretiert

Dass wir Menschen dazu neigen, unser Verhalten auf Katzen zu projizieren, sieht Waiblinger auch an der Tierfutterindustrie. "Da gibt es dann Rind mit Karotten und Erbsen in Soße zu kaufen. Eine Katze würde aber nie ein Rind reißen oder Erbsen fressen", sagt sie. "Besser wäre eher ein Wühlmausragout oder vielleicht Sperling in Soße." In der natürlichen Nahrung von Katzen sei nämlich alles enthalten, was die Tiere benötigen. "Mäuse sind perfekt: Muskeln, Fett und Calcium in den Knochen. Außerdem ist in der Maus ja noch ein bisschen Grünzeug drin, das sie gefressen hat."

Maine-Coon-Karter
Unterschiedlichste Mottotage stellen Katzen in der Welt in den Mittelpunkt.
Quelle: ZDF

Vielleicht eine Gelegenheit auch einen "Tag der gesunden Katzenernährung“ zu proklamieren? Der "Bring deine Katze zum Tierarzt-Tag" steht übrigens am 22. August schon an. Auch an anderen Gedenktagen mangelt es neben dem Weltkatzentag  nicht. So gibt es zum Beispiel in den USA ein eigenes Katzen-Neujahrsfest, das am 2. Januar begangen wird. Verwechseln darf man den Termin allerdings nicht mit dem 22. Januar. Da findet nämlich der "Answer your cats questions-Day" statt und außerdem der japanische Katzentag, "Neko no hi“. Und das ist nur der Januar.  Das ganze Jahr ist durchzogen von mehr oder minder nachvollziehbaren Feier- und Mottotagen, wie dem  "Garfield-Tag" oder den terminlich und national getrennten amerikanischen und britischen "Black-Cat-Tagen".

Für die, denen der Weltkatzentag besonders gut gefallen haben sollte, gibt es also genügend Gelegenheiten, an anderer Stelle weiterzufeiern. Das, worum es am Internationalen Katzentag geht, kann man außerdem täglich zelebrieren. Tierschutzorganisationen nutzen den 8. August nämlich, um auf Missstände in der Haltung und den Artenschutz hinzuweisen. Dieses Jahr stellt der WWF anlässlich des Weltkatzentages zum Beispiel seinen "Aktionsplan Luchs" vor.

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