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Verharmlost und verschwiegen - Tabuthema Gewalt gegen Frauen

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Die eigene Wohnung und die Familie sollten Schutz und Geborgenheit geben. Für viele Menschen, meist Frauen, ist das Gegenteil der Fall. Ein Besuch bei Betroffenen.

Jede dritte Frau erfährt partnerschaftliche Gewalt. Justizministerin Barley fordert bei „dunja hayali“ mehr Aufmerksamkeit, damit Frauen wissen, dass sie nicht alleine sind.

Beitragslänge:
1 min
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Ich besuche das Autonome Frauenhaus in Lübeck. Und stehe zunächst vor verschlossener Tür ohne Namensschild. Das hat einen guten Grund: Wenigstens hier sollen Frauen sich sicher fühlen, die jahrelang gepeinigt wurden, die Gewalt ertragen haben, oft um ihrer Kinder willen, manchmal aus Angst und Abhängigkeit. Es ist ungewöhnlich, dass wir hier einen Einblick bekommen – und ich bin dankbar dafür.

Weihnachten: Das Fest der Hiebe

Ich bin mit der Mitarbeiterin Anke Kock verabredet. Sei 38 Jahren kümmert sie sich um Opfer häuslicher Gewalt. Sie hat vieles gesehen, noch mehr gehört, und setzt sich dennoch weiter leidenschaftlich für Betroffene ein – oder gerade deswegen. "Jede dritte Frau hat Gewalt durch Partner oder Ex-Partner erlebt", schätzt sie. Besonders schlimm sei es an Feiertagen: Weihnachten nennen sie hier das "Fest der Hiebe". Anke Kock klingt nüchtern, kann sich aber auch mächtig aufregen.

Etwa, wenn es um die Hilfsmöglichkeiten für Betroffene geht. In Deutschland suchen jährlich etwa 17.000 Frauen mit ihren Kindern in Frauenhäusern Schutz. Knapp 340 der Einrichtungen gibt es – aus Sicht Kocks viel zu wenige. "Wir haben bereits vor zwei Jahren gefordert, dass auf jeden bestehenden Frauenhausplatz ein weiterer kommt", sagt sie mir. Und dann kommt ein Satz, der mir nachgeht: "Nach 40 Jahren Frauenhausarbeit ist der zäheste Kampf nicht die Beratungsarbeit, sondern der Kampf mit der Politik."

Terror aus nichtigen Anlässen

Wie schwer es ist, sich aus den Fängen eines gewaltsamen Partners zu befreien, erzählt mir Bianca. Die ehemalige Bewohnerin des Frauenhauses ist heute zu Besuch. Sie verteilt Schoko-Nikoläuse, weil sie immer noch dankbar ist für die empfangene Hilfe. Zehn Jahre lang terrorisierte ihr Mann sie und die Kinder, erzählt sie. Körperliche, seelische, sexualisierte Gewalt – aus nichtigen Anlässen. Während er Fußball schaute, musste sie mit dem Kinderwagen draußen vor der Tür warten. "Man lässt sich so viel gefallen, damit die Kinder es nicht mitkriegen." Ich bekomme eine Ahnung, unter welchen Zwängen betroffene Frauen stehen.

Dunja Hayali klebt mit einem Verein gegen Häusliche Gewalt Plakate, um aufzuklären
Dunja Hayali klebt mit einem Verein gegen Häusliche Gewalt Plakate, um aufzuklären.
Quelle: ZDF/Ole Jürgens

Das Leid der Kinder ist aber auch oft der Anlass, sich irgendwann Hilfe zu suchen. Davon berichtet mir die 35-jährige Cemile. Jahrelang glaubte sie, sie müsse die Schläge und Demütigungen ihres Mannes ertragen. Getrennt hat sie sich erst, als er auch die sechsjährige Tochter bedrohte. "Ich wollte nicht, dass meine Kinder dasselbe durchmachen wie ich." Die junge Frau nimmt ihren kleinen Jungen auf den Schoß und ich denke: Wie gut, dass es Frauenhäuser wie dieses gibt.

Wir alle sind gefragt

Eine große Hürde bleibt für viele Betroffene der erste Schritt: sich jemandem anzuvertrauen, Hilfe zu suchen. Aus diesem Grund lädt die Hamburger Initiative "Stop" ("Stadtteile ohne Partnergewalt") einmal im Monat zum Kaffee-Trinken ein. Auch das bräuchte es eigentlich einmal pro Woche, sagt Silke Ramou Jawara-Joof, die ehrenamtlich hilft. Sie hofft, dass mehr Frauen herkommen und nach und nach Vertrauen fassen, "sie müssen sich ja nicht gleich offenbaren."

Die Hilfe der Frauen untereinander ist unschätzbar wichtig, weiß auch Polizist Thomas Preßler. Er besucht das Café regelmäßig mit Kollegen. Auch hier braucht es Vertrauen, damit die Polizei als Ansprechpartner akzeptiert wird. Er weiß aus langjähriger Erfahrung, dass häusliche Gewalt in allen Milieus und Altersgruppen vorkommt. "Das geht durch die Bank. Überall. Die Gewalt ist überall zu Hause."

Nach einem aufschlussreichen und aufreibenden Tag weiß ich: es braucht mehr Frauenhäuser, aufmerksame Nachbarn und Solidarität unter Frauen. Die Politik ist gefragt. Aber auch wir alle.

Mehr zum Thema sehen Sie am Mittwoch, 12. Dezember, in der Sendung "dunja hayali" um 22.45 Uhr im ZDF. 

Politik | dunja hayali - dunja hayali am 12. Dezember 2018

Am Mittwoch, 12. Dezember 2018, 22:45 Uhr, geht es bei „dunja hayali“ im ZDF um ein Thema, das immer noch verharmlost und häufig verschwiegen wird: Gewalt gegen Frauen im Alltag.

Videolänge:
46 min
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