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Konferenz für Cyber-Sicherheit - "Vernetzte Unsicherheit"

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Angriffe auf das Stromnetz, Datenspionage im Regierungsnetzwerk: Die digitale Sicherheitslage ist schlecht. Daran ändern auch die zahlreichen Konferenzen nicht viel.

Glasfaserkabel und Mikrochips
Lässt sich die komplexe Vernetzung noch kontrollieren? Quelle: imago

Am Donnerstag und Freitag tagen die Cybersicherheitsexperten in Potsdam. Auf der Nationalen Cybersicherheitskonferenz werden dieselben Themen diskutiert wie auf der Münchner IT-Sicherheitskonferenz, auf dem Deutschen Sicherheitskongress des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik oder auf der Sicherheitsfachmesse Itsa.

Problemanalyse bleibt vage

Mehr als 30 der von Experten als "hochkarätig" bezeichnete Sicherheitskongresse und -konferenzen zur Cybersicherheit finden allein jedes Jahr in Deutschland statt. Und die Redner und international anerkannten Keynotespeaker stellen dabei immer wieder fest: Wir vernetzen unsere Computer und andere digitalen Geräte immer stärker miteinander.

Und darin liegen Gefahren, die allmählich unbeherrschbar zu werden drohen: Da legt ein Verschlüsselungstrojaner mal eben einige Krankenhäuser und die Videoüberwachung in Bahnhöfen lahm. Ein Spionagetrojaner schnüffelt Politiker aus. Oder ein Angriffsvirus setzt einen Fernsehsender außer Gefecht.

Katastrophe ist absehbar

"Meine Prognose ist, dass wir mit dem Internet der Dinge im Moment sehenden Auges auf eine Katastrophe zusteuern, wie wir sie bis jetzt im IT-Bereich nicht gekannt haben", meint Jürgen Schmidt, Chefredakteur von Heise Security.

Da textet sich halt ein Fachjournalist eine aufsehenerregende Schlagzeile zusammen, könnte man die Schreckensvision von Jürgen Schmidt leicht vom Tisch wischen. Doch auch Technologieberatungsunternehmen wie die Gartner Group warnen inzwischen.

Sie beklagen, dass wir neue vernetzte Computertechniken einsetzen, ohne sie wirklich zu beherrschen, ohne ihre Sicherheitsmängel überhaupt einschätzen zu können. In zu vielen Fällen fehle bereits der Analyseansatz.

"Wenn mein Kühlschrank jetzt merkt, dass ich irgendwie neue Milch kaufen muss, und das dann automatisch irgendwo bestellt und das dann für mich geliefert wird, dann gebe ich Kompetenzen an meinen Kühlschrank weiter, ohne zu wissen, was der damit macht", beschreibt Felix Gaehtgens, Technologieexperte bei der Gartner Group das Problem.

Smart Home als Einfallstor

Genau dieses Problem ist zu einem ernsten Sicherheitsrisiko geworden. Denn die Vernetzung wird so komplex, dass sogar ihre Entwickler die Kontrolle zu verlieren drohen. Ausgereifte Sicherheitskonzepte, die genau dieser Komplexität von Vernetzung gerecht würden, fehlen noch. Das gilt nicht nur für das Internet der Dinge, sondern für die Cybersicherheitspolitik insgesamt.

Der Chemnitzer Politikwissenschaftler Jakob Kullik hat die deutsche Cybersicherheitspolitik sehr gründlich analysiert und sie mit nur zwei Worten beschrieben: "Vernetzte Unsicherheit".

Kontrollverlust auch in der Politik

Damit sind nicht nur zersplitterte Kompetenzen und weit verteilte Zuständigkeiten der Sicherheitsbehörden gemeint. Vielmehr müssen die technischen Schwachstellen der Vernetzung analysiert und möglichst beseitigt werden.

Denn sie sind die Grundlage jeder digitalen Waffe und eines jeden Spionageprogramms. Computerwissenschaftler und Informatiker fordern deshalb schon lange eine Melde- und Veröffentlichungspflicht für solche Schwachstellen und Sicherheitslücken.

"Aber hier konnten und können sich nicht die Informatiker durchsetzen, sondern in den entsprechenden Ministerien werden die machtpolitischen Interessen durchgesetzt", beschreibt Jakob Kullik die Situation.

Deshalb werden auf den vielen Sicherheitskonferenzen auch nur sehr allgemeine und vage formulierte Forderungen nach einer Lösung der vielen Sicherheitsprobleme vorgetragen. Eine lautet, die Sicherheitskonferenzen stärker zu vernetzen. Das wäre dann ein weiteres Detail in Sachen "vernetzter Unsicherheit".

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