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Studie über Risiko Motorradfahren - Ein Helm alleine reicht nicht aus

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Motorradfahrer haben ein viel höheres Risiko, bei Unfällen zu sterben, als andere Verkehrsteilnehmer. Warum das so ist und wie die Versicherungen damit umgehen, zeigt eine Studie.

Zwei Motorradfahrer im Straßenverkehr
Motorradfahrer haben ein hohes Unfallrisiko - oft mit Todesfolge. Auch die Kleidung schützt nicht, ergab jetzt eine Studie der Versicherungen.
Quelle: dpa

Jeden Tag sterben auf Deutschlands Straßen im Schnitt fast neun Menschen. Das lässt sich jedenfalls aus den Zahlen des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2018 errechnen. Dabei war die Zahl der Todesopfer insgesamt von 3.459 Toten im Jahr 2015 auf 3.180 (in 2017) kontinuierlich zurückgegangen. Im vergangenen Jahr stieg sie jedoch wieder an – auf 3.275. Besonders auffällig im Vergleich zum Vorjahr ist der Anstieg bei den Zweiradfahrern.

21 Mal höheres Risiko für Unfalltod

Während die Zahl der getöteten Fußgänger und Autofahrer sank, gab es 2018 deutlich mehr Todesopfer unter Fahrrad- und Motorradfahrern als noch 2017. Über die Gründe für diesen Trend lässt sich nur spekulieren. Möglicherweise lag es auch am guten Wetter, wenn mehr Motorradfahrer unterwegs sind. Klar ist aber: die Versicherungen sind alarmiert. Denn das Risiko, bei einem Unfall getötet zu werden, ist nach Angaben der Unfallforschung der Versicherer (UDV) auf dem Motorrad - bezogen auf die gefahrenen Kilometer - inzwischen 21 Mal größer als im Pkw.

Die UDV beschäftigt sich im Auftrag der großen Versicherungen schon lange mit der Frage, wie man die Folgen eines Verkehrsunfalls minimieren kann. Dabei analysiert sie reale Unfälle und untersucht nicht nur die Ursachen, sondern auch, ob technische Sicherheitssysteme wirksam sind oder nicht. Jetzt glaubt man genauer zu wissen, welche konkreten Verletzungen bei Motorradunfällen zum Tod führen. Untersucht wurde auch, ob Motorradschutzkleidung vor diesen schweren Verletzungen schützen kann und wie sie optimiert werden müsste.

Ein Polizist spricht mit einem zuvor rasenden Motorradfahrer - im Hintergrund ein weiterer Motorradfahrer.
Kontrollen zeigen oft Sicherheitsrisiken.

Kleidung bietet zu wenig Schutz

Die Ergebnisse der Untersuchung sind ernüchternd. Zwar ist bei einem einfachen Sturz auf die Fahrbahn eine herkömmliche Schutzkleidung mit Protektoren noch ausreichend. Aber schon bei einem Aufprall auf ein Hindernis mit Geschwindigkeiten von über 25 km/h kann Schutzkleidung lebensbedrohliche Verletzungen nicht mehr verhindern, heißt es in der UDV-Studie. Verfügbare Airbag-Jacken könnten diesen Bereich auf etwa 50 km/h erweitern. Derartige Jacken mit noch größerem Volumen wären sogar bei Aufprallgeschwindigkeiten bis zu 70 km/h wirksam.

"Wir müssen klar sagen, dass keine praktikable Schutzkleidung in der Lage ist, bei einem Aufprall mit üblicher Landstraßengeschwindigkeit eine tödliche Verletzung zu verhindern", so der Leiter der UDV, Siegfried Brockmann im Gespräch mit heute.de. Die Bilder von Motorradrennen, bei denen die Fahrer nach schweren Stürzen aufstehen und weiterfahren, seien deshalb fatal. Denn in der Landstraßenrealität gebe es solche Auslaufzonen selten. Seine Forderung: es müsste noch bessere und wirksamere Kleidung zum Schutz von Motorradfahrern entwickelt werden.

Oft Streit um Schmerzensgeld

Bislang ist nur das Tragen eines Schutzhelms für Motorradfahrer zwingend gesetzlich vorgeschrieben. Dennoch gibt es nach Unfällen immer wieder Streit darüber, ob Motorradfahrer Anspruch auf Schmerzensgeld haben, wenn sie verletzt wurden. In einem aktuellen Fall verweigerte die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers dem Geschädigten das Schmerzensgeld mit der Begründung, er trage eine Mitschuld, weil er seinen Körper nicht ausreichend geschützt habe. Dagegen klagte der Motoradfahrer mit Erfolg vor dem Frankfurter Landgericht. Andere Gerichte haben allerdings schon anders entschieden.

Ob das Nichttragen von Motorradschutzkleidung – etwa Lederhosen und Protektoren – als Mitverschulden zu werten ist, wird von der Rechtsprechung nicht einheitlich beantwortet und in jedem Einzelfall neu entschieden. Dabei hatte der Bundesgerichtshof schon 1979 festgestellt, dass grundsätzlich maßgeblich ist, ob ein allgemeines Verkehrsbewusstsein besteht, zum eigenen Schutz bestimmte Schutzkleidung zu tragen.

Der Helm alleine reicht nicht

Dass es durchaus sinnvoll ist, außer einem Helm noch weitere Schutzkleidung zu tragen, zeigt eine andere Studie der UDV. Sie hat untersucht, an welchen Stellen getötete Motorradfahrer, die im Straßenverkehr ums Leben kamen, schwere Verletzungen erlitten haben: In mehr als 94 Prozent der Fälle war das der Brustkorb. Immer noch 63,5 Prozent hatten - trotz Helm - schwere Kopfverletzungen. "Der Brustkorb ist eine ganz wesentliche Stelle und der Schutz muss hier deutlich optimiert werden", fordert Brockmann.

Er betont aber auch: "Das größte Verbesserungspotential sitzt auf dem Motorrad." Zwei Drittel aller auf Landstraßen getöteten Motorradfahrer hätten ihren Unfall selbst verursacht. Nötig seien deshalb regelmäßige verpflichtende Fahrsicherheitstrainings - nicht nur auf abgesperrtem Gelände, sondern auch im realen Straßenverkehr. Das müsse genauso wie eine Helmplicht im Gesetz zwingend vorgeschrieben werden.

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