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Mit aller Macht den Glauben verteidigt

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Doku über Papst Benedikt XVI. - Mit aller Macht den Glauben verteidigt

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Es geht um das Machtsystem Vatikan und vor allem, wie Joseph Ratzinger als Symbolfigur dieses System prägte. Die Doku "Verteidiger des Glaubens" ist ab heute im Kino zu sehen.

Der 2013 emeritierte Papst Benedikt XVI. ist gerade wieder in die Schlagzeilen geraten. Er soll den sexuellen Missbrauch an Priestern im Vatikan gedeckt und vertuscht haben. Heute kommt ein Dokumentarfilm in die Kinos, der genau diese Politik der Verschleierung zum Thema macht. "Verteidiger des Glaubens" des britisch-deutschen Filmemachers Christoph Röhl zeigt akribisch recherchiert auf, wie das Machtsystem Vatikan funktioniert, wie die Unantastbarkeit der heiligen Institution um jeden Preis geschützt werden soll. Ganz besonders ins Visier nimmt Röhl dabei Joseph Ratzinger, der die katholische Kirche erst als Präfekt der Kongregation der Glaubenslehre und später als Heiliger Vater maßgeblich prägte.

Als Benedikt XVI. will er die katholische Kirche zur reinen Lehre zurückführen, gegen jede Öffnung zur Moderne und um jeden Preis. Um sie damit aber - so die These des Dokumentarfilms - in ihre größte Krise zu stürzen.

Wendepunkt 68er

Indem man Joseph Ratzinger versteht, versteht man gleichzeitig, wie die Kirche über sich denkt, wie sie handelt.
Christoph Röhl, Filmemacher

Röhl recherchierte akribisch, befragte Wegbegleiter, aber auch Kritiker und Missbrauchsopfer. Für ihn ist Joseph Ratzinger Symbolfigur für ein ganzes System. "Indem man Joseph Ratzinger versteht, versteht man gleichzeitig, wie die Kirche über sich denkt, wie sie handelt", sagt Röhl, der selbst kirchenfern im südlichen England aufwuchs.

Als junger Theologe lehrte Joseph Ratzinger in Tübingen und galt kurzzeitig als Erneuerer, der durchaus Reformen in der Kirche begrüßte. Bis die 68er Revolution in seine Welt einbrach. Tief schockiert machte Ratzinger eine ideologische Kehrtwende.

Reaktion von Ratzinger: Vertuschung und Verschleierung

"Er hat nicht gedacht, dass Frauen sich emanzipieren würden, dass es eine sexuelle Revolution geben würde. Er hat von der Büchse der Pandora gesprochen und er wollte unbedingt diesen Deckel wieder zumachen", sagt der Regisseur.

Papst Johannes Paul II. rief ihn 1981 in den Vatikan, wo er mehr als 20 Jahre lang als Präfekt der Glaubenskongregation für die Reinhaltung der katholischen Lehre zuständig war. In diese Zeit platzten gehäuft Missbrauchsvorwürfe innerhalb der katholischen Kirche. Unter anderem auch Vorwürfe gegen Marcial Maciel, den Leiter der papsttreuen Organisation "Legionäre Christi". Maciel wurde von acht jungen Priestern seiner Institution beschuldigt, sie sexuell missbraucht zu haben. Die Fälle landen - so der Dokumentar-Film - auch bei Ratzinger. Seine Reaktion: Vertuschung und Verschleierung.

Lieber opferte er acht Männer, die so keine Gerechtigkeit erfuhren, als zu riskieren, dass sich Millionen Gläubige von der katholischen Kirche abwenden.
Christoph Röhl

"Lieber opferte er acht Männer, die so keine Gerechtigkeit erfuhren, als zu riskieren, dass sich Millionen Gläubige von der katholischen Kirche abwenden", sagt Röhl. "Hauptsache ist, die Kirche wird als heilige Institution geschützt gegen alles, was diese Mission bedrohen könnte." Der Regisseur gibt den Opfern eine Stimme, lässt sie zu Wort kommen. Wie die Irin Marie Collins. Die als Kind von einem Priester missbraucht und dann als Lügnerin abgestempelt wurde.

Erschreckende Einblicke in die Welt des Vatikan

Die globale Krise um die Verschleierung von Missbrauchsfällen und Korruption innerhalb der katholischen Kirche sind zentrale Themen der Dokumentation. Es offenbart sich ein differenziertes Bild über Papst Benedikt XVI. Die moderne Gesellschaft sah er als verloren an, ein Vertrauensverlust gegenüber der Gesellschaft und seinen engsten Vertrauten zeichnete sich ab. Sein einziger Ausweg aus der Krise war sein Rücktritt aus dem Pontifikat im Frühjahr 2013.

"Verteidiger des Glaubens" ist ein spannender Film, der teilweise erschreckende Einblicke bietet in die Welt des Vatikan und des Joseph Ratzinger.

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