Sie sind hier:

Zwischenfall bei Flug zu G20 - Panne im Merkel-Flieger: Bauteil war schuld

Datum:

Es war eine elektronische Verteilerbox: Die Luftwaffe hat den Grund für die Panne der Regierungsmaschine mit Kanzlerin Merkel an Bord ausfindig gemacht.

Der Kanzler-Airbus von Angela Merkel muss auf dem Weg zum G20-Gipfel nach Argentinien wegen eines Ausfalls des Kommunikationssystems in Köln-Bonn notlanden. Es ist nicht das erste Mal, dass eine Regierungsmaschine wegen technischer Mängel ausfällt.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Der Defekt einer Verteilerbox hat den Regierungs-Airbus "Konrad Adenauer" zu einer ungeplanten Landung gezwungen. Mit der Box fiel auch die gesamte Funkanlage des A340-300 aus. Kanzlerin Angela Merkel hatte ihren Flug zum G20-Gipfel in Argentinien deswegen unterbrechen müssen und verpasst den Auftakt des Treffens. Die fehlerhafte Box im Flugzeug wurde inzwischen ausgetauscht. "Das Bauteil ist gewechselt, die Maschine ist funktionstüchtig", sagte der Kommandeur der Flugbereitschaft, Oberst Guido Henrich. An der Box hingen mehrere Systeme, darunter der Funk und die Anlage, über die Sprit abgelassen werden könne.

Der Regierungsflieger war am Donnerstagabend nach Köln umgeleitet worden, von wo aus Merkel am Freitagmorgen zusammen mit Vizekanzler Olaf Scholz über Madrid nach Buenos Aires gestartet ist. Merkels Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin soll trotz der Panne wie geplant am Samstag stattfinden.

Kommunikation über Satellitentelefon

Nach dem Ausfall der Funkanlage sei die Kommunikation mit dem Boden nur noch per Satellitentelefone möglich gewesen, sagte Oberst Henrich. "Diese Verteilerbox sitzt sehr tief im System und ist für die Notversorgung des Stroms an Bord verantwortlich", fügte er hinzu. Normalerweise schalte das System selbstständig um, das sei aber nicht mehr passiert. "Dadurch sind sehr viele Anzeigen ausgefallen, unter anderem eben auch die Möglichkeit, Treibstoff abzulassen." Der Pilot habe daher den nächsten größeren Flughafen in Köln angesteuert. Weil der A340 für einen 15-stündigen Flug vollgetankt und entsprechend schwer gewesen sei, sei die Feuerwehr bei der Landung vor Ort gewesen. Eine heiße Bremse habe gekühlt werden müssen, ehe die Passagiere aussteigen konnten.

Auf die Frage nach dem Gefahrenpotential antwortete Henrich: "Keins". Die Situation sei immer unter Kontrolle gewesen. Der Pilot sei der Kanzlerin von früheren Flügen bekannt gewesen und habe sehr besonnen gehandelt. Verdachtsmomente für einen kriminellen Hintergrund gibt es nach Angaben der Luftwaffe und des Verteidigungsministeriums nicht. Auch teilnehmende Journalisten in der Maschine bezeichneten die Lage als ruhig.

Die Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios, Bettina Schausten, war an Bord des Regierungsfliegers.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Flugbereitschaft der Bundeswehr zuständig

Die Flugbereitschaft hat zwei Langstreckenflugzeuge, die ohne Zwischenstopp von Berlin nach Argentinien fliegen können: Den Airbus "Konrad Adenauer" und die "Theodor Heuss". Vor dem Abflug der Kanzlerin habe die "Theodor Heuss" als Reserve in Berlin in Bereitschaft gestanden, sagte ein Sprecher der Luftwaffe. Nach Merkels Start sei die Maschine nach Köln zurückgeflogen. Ein Weiterflug des zweiten Airbus nach Buenos Aires sei wegen der vorgeschriebenen Ruhezeiten der Crew nicht möglich gewesen.

"Es war eine ernsthafte Störung", hatte Merkel in der Nacht zum Freitag in Bonn gesagt. Rund eine Stunde nach dem Abflug in Berlin war sie während eines Hintergrundgesprächs mit den mitreisenden Journalisten über die technischen Probleme informiert worden. Glücklicherweise habe man eine sehr exzellente Crew gehabt, sagte die Kanzlerin in der Nacht. "Da war der erfahrenste Pilot der Flugbereitschaft an Bord." Wegen des Vorfalls schaltete sich am Donnerstagabend auch Verteidigungsminister Ursula von der Leyen ein, mit der die Kanzlerin Kontakt hatte.

Schon mehrere Pannen mit Regierungsfliegern

In den vergangenen Monaten gab es einige Zwischenfälle mit der Regierungsflotte. Finanzminister Scholz wurde nun schon zum zweiten Mal innerhalb von sechs Wochen Opfer: Nach der IWF-Jahrestagung Mitte Oktober im indonesischen Bali musste er seine Rückflugpläne kurzfristig über den Haufen werfen, weil ein Nager die Elektronik der "Konrad Adenauer" angeknabbert und damit lahmgelegt hatte. Scholz ließ seine Abschlusspressekonferenz sausen und mit seinen engsten Mitarbeitern Plätze auf einem Linienflug zurück nach Berlin buchen. Die Journalisten in der Delegation und einige wenige verbleibende Mitarbeiter seines Hauses mussten sich selbst um ihre Rückflüge kümmern. In Zeitungen erhielt der Vorfall den Titel "Nager-Gate".

Auf die Pannen angesprochen sagte Merkel in der Nacht nur: "Ein einzelner Vorfall sollte uns nicht dazu bringen, das System zu verändern." Die Ausfallrate der Maschinen liegt nach Angaben des Verteidigungsministeriums bei unter zwei Prozent.

Der Fehler an der Verteilerbox sei erstmals bei einem A340 der Flugbereitschaft aufgetreten, sagte Ministeriumssprecher Jens Flosdorff. Die Luftwaffe tausche sich dazu auch mit zivilen Fluggesellschaften aus. Dies werde möglicherweise weitere Erkenntnisse ergeben. Grundsätzlich falle auch in der zivilen Luftfahrt öfters der Funk aus, dies werde aber selten öffentlich zum Thema. Henrich erklärte, der zweite A340 solle noch am Freitag starten, um die Kanzlerin wieder aus Argentinien abzuholen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.