Sie sind hier:

Fabrik statt Farm - Gemüse aus dem Bunker

Datum:

Bevölkerungswachstum, zunehmende Verstädterung, ausgelaugte Böden: Die Produktion unserer Nahrungsmittel wird zu einer immer größeren Herausforderung. Neue Wege sind gefragt.

Salaternte in einer Indoor Farming Anlage.
Anbau in klinisch reiner Umgebung: Schädlinge kommen gar nicht erst in die Anlage.
Quelle: ZDF

"Bitte nicht waschen!" - dieses Etikett könnte auf den Salatköpfen einer japanischen Gemüsefarm stehen. Es ist eine sogenannte Indoor- oder Vertical-Farm. Der Clou dieser Farm, die eher einer Fabrik ähnelt: Salatköpfe, Pilze und andere Gemüsesorten wachsen in einer klinisch reinen Umgebung. Ohne Ackerboden, ohne natürliches Licht. Fast vollkommen abgeschlossen von der Außenwelt. Die Mitarbeiter müssen sich vor dem Betreten der Hallen umziehen und desinfizieren - ähnlich wie bei einem Operationssaal.

Vorreiter Japan

Logo "planet e."
planet e. - Sonntags 16:30 Uhr im ZDF
Quelle: ZDF/Corporate Design

Was vor gut vier Jahrzehnten als Experiment begann, um in armen Regionen oder in Wüsten die Versorgung zu ermöglichen, ist heute besonders in Japan und den USA bereits zu einer florierenden Industrie geworden. Lange Zeit wurde die Idee als unrealistisch abgetan, die Erfinder ausgelacht. Heute lacht keiner mehr. Allein in Japan, Vorreiter im vertikalen Anbau, stehen 200 dieser geschlossenen Farmen.

Besonders seit der Katastrophe von Fukushima ist in Japan die Nachfrage nach unbelastetem Gemüse groß. Dass das Gemüse unbelastet ist, können die Betreiber garantieren. Denn in der klinisch reinen Umgebung sind keinerlei Pestizide für die Aufzucht der Pflanzen nötig. Schädlinge kommen gar nicht erst in die Anlage hinein.

Schnittlauch und Salat in einer Indoor Farming Anlage.
Kräuter können auch in Schubladen wachsen.
Quelle: ZDF

Die Pflanzen wachsen in einer Nährstofflösung mit den gleichen Stoffen, die auch im Boden enthalten sind, und werden mit einer Lichttemperatur beleuchtet, die dem Sonnenlicht entspricht. In diesem künstlichen Klima kann das ganze Jahr über Gemüse angebaut werden. Sparsame LED-Leuchten sorgen dafür, dass wenig Energie verbraucht wird. Der größte Vorteil ist allerdings der geringe Flächenverbrauch. Die Pflanzen gedeihen auf vielen Ebenen übereinander, wie in Schubkästen. So kann die Produktion beliebig gesteigert werden.

Ausgediente Chip-Fabrik wird zur Farm

Ackerflächen im Freien werden knapp und immer teurer. Der Klimawandel sorgt für Ernteausfälle. Die Nachfrage nach Lebensmitteln aber steigt rasant, denn immer mehr Menschen bevölkern unseren Planeten. Aktuell leben nach Angaben der UN 7,7 Milliarden auf der Erde. In 30 Jahren werden es elf Milliarden sein, die mit frischem Gemüse versorgt werden müssen. 2050 werden drei Viertel der Menschen in Städten leben, die sich zu Mega-Cities entwickeln.

Die vertikalen Farmen können mitten in Großstädten entstehen. Die Transportwege und -kosten können so deutlich verringert werden. Die Lieferwagen verbrauchen weniger Kraftstoff, der CO2-Ausstoß sinkt. In der Wüste, in ausgedienten Chip-Produktionsstätten, in unterirdischen Bunkern oder auf Hochhausdächern: Die neuen Gemüsefabriken stehen inzwischen an den unterschiedlichsten Standorten.

Die Forscher sind inzwischen so weit, dass sie mit Licht nicht nur Energie für die Pflanzen liefern, sondern mit unterschiedlichen Wellenlängen sogar Wachstum und Geschmack beeinflussen können. Ihr Ziel: Mit der Entwicklung von bestimmten "Lichtrezepten" wollen sie den Gemüseanbau effektiver und kreativer machen.

Deutschland hinkt hinterher

Die Indoor-Farmen sind allerdings noch nicht für alle Pflanzen geeignet: Getreide und Kartoffeln lassen sich in den Fabriken nur schwer anbauen. Doch Wissenschaftler arbeiten auch schon daran.

Deutschland hinkt beim Vertical Farming noch weit hinterher. Doch wenn der Klimawandel noch stärker spürbar wird, müssen sich auch hier Bauern über diese Hightech-Farmen Gedanken machen.

Wenn die Nahrung knapp wird - sehen Sie die planet-e.-Doku am Sonntag um 16:30 Uhr im ZDF oder ab sofort hier in der Mediathek:

Rasantes Bevölkerungswachstum, zunehmende Verstädterung, Klimawandel und ausgelaugte Böden - die Produktion unserer Nahrungsmittel wird zu einer immer größeren Herausforderung.

Beitragslänge:
28 min
Datum:
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.