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Lithium in Bolivien - Deutschland greift nach dem "weißen Gold"

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Im Salzsee Salar de Uyuni in Bolivien schlummern große Lithiumreserven. Nun bekommt ein deutsches Unternehmen Zugriff. Denn die Autokonzerne planen eine Elektro-Auto-Offensive.

Lithiumabbau in Bolivien am Salars de Uyuni
Am Salars de Uyuni in Bolivien wird schon heute Lithium gewonnen - Deutschland will sich jetzt einen Teil des Kuchens sichern.
Quelle: dpa

Salz, so weit das Auge reicht. Mittendrin surreal anmutende Lagunen, mal türkis, mal rot-violett, gesäumt von Flamingos, bizarren Steinformationen und meterhohen Kakteen. Der Salar de Uyuni, der größte Salzsee der Welt, ist für viele der Höhepunkt einer Reise durch Südamerika: Natur pur, tagelang geht es mit dem Jeep durch das bolivianische Hochland. Aber noch lukrativer als das Geld der Touristen ist der Schatz, der unter der Kruste schlummert: das weiße Gold.

"Lithium ist das neue Erdgas", findet Boliviens linker Präsident Evo Morales. Der dienstälteste Staatschef Südamerikas ist seit 2006 im Amt und hat mit Erdgas-Milliarden die Armen mit Sozialprogrammen beschenkt. Nach jahrelanger Forschung und Abwägung will Bolivien nun verstärkt mit ausländischen Partnern zusammenarbeiten, um den Schatz im Salar de Uyuni zu heben. Denn Lithium wird für Batterien von Elektro-Autos benötigt.

Unterzeichnung in Berlin

Der Salzsee ist so riesig, dass die Touristen das nicht mitbekommen sollen. Aber Anwohner fürchten, dass am Ende die Förderung immer weiter ausgeweitet werden könnte. Der politische Direktor des Lithium-Programms, Juan Carlos Montenegro, hat in Heidelberg Mineralogie studiert und betont: Nur 0,4 Prozent des Salzsees würden zunächst industriell ausgebeutet, das sind etwa 40 Quadratkilometer.

Er ist auch nach Deutschland gereist zur Vertragsunterzeichnung in Berlin, auch der Außen-, und der Energieminister sind dabei, genauso wie Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Kanzlerin Angela Merkel hatte Morales schon vor längerem eine Lithium-Partnerschaft vorgeschlagen. Jetzt wurde ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet.

Deutsche Autoindustrie muss umsteuern

Das Unternehmen ACI Systems Alemania aus dem baden-württembergischen Zimmern ob Rottweil (ACISA) und das bolivianische Staatsunternehmen Yacimientos de Litio Bolivianos (YLB) werden die Gemeinschaftsfirma bilden. Ab 2021 wollen sie jährlich 40.000 bis 50.000 Tonnen Lithiumhydroxid über 70 Jahre in dem vermutlich größten Lithium-Vorkommen der Welt fördern.

"Durch das Joint Venture sichert sich Deutschland erstmals nach Jahrzehnten wieder den direkten Zugriff auf wichtige, nicht-heimische Rohstoffe", sagt ACISA-Chef Wolfgang Schmutz. "Dies ist insbesondere für die deutsche Automobilindustrie von Bedeutung." Denn "Lithium ist einer der Schlüsselrohstoffe des 21. Jahrhunderts", und insbesondere die Diesel-Krise zeigt: Die deutsche Automobilindustrie muss umsteuern.

Der Rohstoff ist teuer geworden

Bis 2023 will VW rund 44 Milliarden Euro für Zukunftstechnologien ausgeben; Audi plant mit 14 Milliarden Euro für die Entwicklung von Elektroautos, Digitalisierung und autonomes Fahren. Und ohne Lithium, dem Schmierstoff für Batterien mit möglichst langer Reichweite von 300 Kilometern und mehr, geht nichts bei der geplanten E-Auto-Offensive. Daher hat sich auch der Preis je Tonne seit 2016 auf zeitweise weit über 13.000 US-Dollar verdoppelt. Die deutsche Regierung will für die Förderung einer Batteriezellenfertigung bis zu eine Milliarde Euro an Forschungsgeldern bereitstellen. Und das Lithium für die Batterien soll eben künftig aus Uyuni kommen.

Gerade in Argentinien, Chile und Bolivien liegen riesige Vorkommen - weil die sogar größer sein könnten als vermutet, waren viele Lihiumwerte an den Börsen stark unter Druck geraten. Aber das dürfte sich schon bald ändern. "Wenn man sich die Pläne etwa von VW, Audi und in China anschaut, ist die Lithium-Menge sicher nicht zu klein", sagt Heiner Marx, Vorstandschef des Thüringer Unternehmens K-Utec, das seine Ursprünge im Kali- und Steinsalzbergbau der DDR hat und für die salzverarbeitende Industrie weltweit Projekte plant.

Fast nur Chinesen arbeiten dort

So auch eine erste Anlage im Salar de Uyuni, die rund 15.000 Tonnen Lithiumkarbonat im Jahr fördern soll. Und man setzt auf einen Zuschlag für die Planung der Anlage, mit der ACISA bis zu 50.000 Tonnen Lithiumhydroxid fördern will. Beide Lithiumverbindungen werden für die Batterieherstellung benötigt, wobei der Anteil von Lithium bei Lithiumhydroxid etwas höher ist. Mit einer Menge von 50.000 Tonnen im Jahr lassen sich Batterien für rund eine Million Elektroautos mit einer Reichweite von über 300 Kilometern fertigen.

Doch der Deal zeigt auch die Probleme im Ringen um einen Zugriff auf das "weiße Gold", wie Lithium inzwischen auch genannt wird. Wer den Aufbau der Produktionsstätten im Salzsee besucht, fühlt sich hier, auf 3.600 Metern Höhe, wie mitten in China. Schriftzeichen, Karaoke, Hühnchen süß-sauer - in der Containersiedlung arbeiten fast nur Chinesen. Ein Unternehmen hat sich schon den Zugriff auf eine riesige Kaliumchlorid-Anlage für Düngemittel mit 350.000 Tonnen Produktionsvolumen pro Jahr gesichert.

Und chinesische Firmen buhlen weiter auch auf einen Zugriff auf die Lithiumvorkommen - wobei Morales bei jedem Gemeinschaftsunternehmen, auch mit ACISA, dafür sorgen will, dass ein satter Teil der Umsätze in Bolivien bleibt. Zudem wurden Anforderungen mehrfach geändert, die Investitionsbedingungen sind nicht gerade stabil. Mangels Geld wurden die Planungen stark verkleinert. "Sie wollten einen weißen Elefanten; herausgekommen ist jetzt erst einmal nur eine weiße Maus", sagt ein Kenner der Planungen. Daher muss sich erst noch zeigen, ob hier für deutsche Unternehmen tatsächlich ein Schatz im Salzsee schlummert.

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