Sie sind hier:

#Metoo-Bewegung - "Das Telefon klingelt fast täglich"

Datum:

Der Fall Weinstein hatte auch Auswirkungen auf Deutschland. Die hiesige Filmbranche bietet Betroffenen eine Anlaufstelle. Ihre Arbeit ist längst nicht vorbei.

Fast täglich klingelt in der "Themis"-Vertrauensstelle das Telefon. Seit Oktober 2018 können sich dort Betroffene von sexueller Gewalt melden. Eingerichtet wurde das Beratungsangebot von den Verbänden und Gewerkschaften der Film- und Fernsehbranche. In Sprechstunden berichten Betroffene von verbaler Belästigung oder Vergewaltigung: Sie wollen im Gespräch einordnen können, was ihnen passiert ist und sich darüber informieren, wie sie darauf reagieren können.

Das sind ganz reale, gewichtige Gründe, warum Betroffene schweigen.
Barbara Rohm, Themis-Vertauensstelle

Doch das fällt vielen nicht leicht. Betroffene fürchten, dass ihnen eine Mitschuld gegeben wird, sie als "Netzbeschmutzer" gelten oder Kontrolle über den Prozess verlieren, der in Gang gesetzt wird, wenn sie sich beschweren, berichtet Barbara Rohm. Sie ist Filmemacherin, Fotografin und im Team von "Themis". "Das sind ganz reale, gewichtige Gründe, warum Betroffene schweigen", sagt Rohm. Nur ein kleiner Teil derjenigen, die sich melden, wage es auch, dass "Themis" in ihrem Namen eine Beschwerde an das Unternehmen heranträgt.

Prozess gegen Weinstein gestartet

Im Prozess gegen den früheren Hollywood-Mogul Harvey Weinstein bekommen Betroffene sexueller Gewalt eine Stimme. Der 67-Jährige muss sich den schweren Vorwürfen von zwei Frauen stellen - eine von ihnen soll Weinstein 2006 zum Oral-Sex gezwungen haben, die andere soll er 2013 vergewaltigt haben. Bei Verurteilung droht Weinstein eine lebenslange Haftstrafe.

Entscheidend wird sein, ob der Fall, der 2017 die MeToo-Ära der Kritik an einem Muster sexualisierten männlichen Machtmissbrauchs eingeläutet hat, auch vor einem Strafgericht besteht.

Die Anschuldigungen gegen Weinstein im Herbst 2017 lösten die #Metoo-Bewegung aus. Überall auf der Welt erkannten viele Frauen und auch einige Männer ihre eigenen Geschichten in denen der Weinstein-Opfer wieder und begannen, sie unter dem Schlagwort #Metoo zu sammeln.

Eine Last für Betroffene

Auch in der deutschen Filmbranche wurden Fälle von sexueller Belästigung und der Umgang damit zum Thema. Anlaufstellen wie "Themis" wurden deswegen gegründet. Doch Barbara Rohm sieht immer noch Verbesserungspotenzial. "Wenn wir es ernst meinen mit dem Kulturwandel, müssen wir die Last von den Betroffenen nehmen."

Wenn wir es ernst meinen mit dem Kulturwandel, müssen wir die Last von den Betroffenen nehmen.
Barbara Rohm, Themis-Vertrauensstelle

Es würden nun alle darauf warten, dass sich Betroffenen melden. Doch hier brauche es ein Umdenken. "Die Unternehmen müssen sich fragen, was muss ich zur Verfügung stellen, damit ich das Vertrauen meiner Arbeitnehmenden gewinne, damit sie sich im Falle an mich wenden", so Rohm.

Ausgang des Prozess völlig offen

Heute beginnt im Weinstein-Prozess die Auswahl der Geschworenen-Jury, die bei so einem schlagzeilenträchtigen Prozess mehrere Tage dauern kann. Einige Beobachter gehen in diesem Fall sogar von bis zu zwei Wochen aus. Weinstein will einem Gerichtssprecher zufolge aber stets anwesend sein.

Der Ausgang des Prozess ist völlig offen. Die Staatsanwälte müssen juristisch beweisen, dass Weinstein sich der Vergewaltigung, krimineller sexueller Handlungen und räuberischer sexueller Übergriffe schuldig gemacht habe. Der 67-Jährige hat immer wieder betont, jegliche Handlungen seien einvernehmlich gewesen.

Kampf um die Geleichstellung von Frauen in der Filmbranche

Währenddessen geht die Arbeit der "Themis"-Vertrauensstelle weiter. "Wir haben gezeigt, dass das der richtige Weg ist," so Rohm. Aber es braucht mehr finanzielle Unterstützung, um das Angebot auszuweiten. Es müsse immer noch mehr getan werden für die Gleichstellung von Frauen in der Film- und Kulturbranche.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.