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Zukunft von Youtube - Video schockt mit Fake-News

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Die beiden Videomacher Simon Difabachew und Felix Härlen wollen schocken: Die Europäische Union könnte Youtube dicht machen, suggerieren sie in einem Propaganda-Film.

YouTube - Typical
Das Video "Warum es Youtube nächstes Jahr nicht mehr gibt", hat viele Kinder in Deutschland geschockt.
Quelle: dpa

Die Experten sind sich noch nicht einig, ob es nur "Clickbaiting" ist, was zwei junge Videomacher veranlasst hat, ein Horrorszenario auf Youtube zu verbreiten. Mit mehr als drei Millionen Klicks dürften die beiden Betreiber des Kanals "Wissenswert" jedenfalls schon jetzt mehrere Tausend Euro verdient haben.

Unbelegte Horrorszenarien

Das Video "Warum es Youtube nächstes Jahr nicht mehr gibt", hat jedenfalls in deutschen Kinder- und Jugendzimmern zu schockartigen Zuständen geführt. Fünf Minuten und 47 Sekunden lang wird nackte Angst erzeugt. In dem Video wird erklärt, dass Youtube doch tatsächlich demnächst für Urheberrechtsverstöße haftbar gemacht werden könne. Das europäische Urheberrecht werde dafür sorgen, dass Youtube europäische Kanäle löschen müsse.

Gemeint ist der Artikel 13 des neuen europäischen Urheberrechts. Das Europäische Parlament hat die Vorlage beschlossen. Jetzt müssen EU-Kommission, Parlament und der Rat der Mitgliedsländer im sogenannten Trilog über die genaue Ausformulierung des europäischen Urheberrechts verhandeln.

Politische Stimmungsmache

Genau diese Verhandlungen laufen. Und selbst wenn die Vorlage von Kommission und Parlament direkt übernommen werden würde, gäbe es keine rechtliche Grundlage, alle europäischen Youtube-Kanäle schließen zu müssen. Die beiden Videomacher Simon Difabachew und Felix Härlen wehren sich zwar gegen den Vorwurf, hier als verlängerter Arm der Propaganda-Abteilung von Youtube zu agieren. Aber sie machen vor allen Dingen den Kids gehörig Angst.

Die Pflicht, Urheber für ihre kreativen Leistungen zu entlohnen, gerät im Video über das Ende von Youtube in Europa zur Horrordarstellung, Urheberrecht würden die Menschen bevormunden. Dass es darum geht, dass Musik, Text oder Videos anderer nur mit deren Einwilligung genutzt werden können, wird im "Wissenswert"-Video zur üblen Bevormundung von Eurokraten verzerrt.

Kampagne gegen Kreative

Artikel 13 der diskutierten Reform des europäischen Urheberechts sieht vor, dass die Plattformbetreiber wie Youtube, aber auch Twitter, Google oder Facebook dafür haften, wenn auf diesen Plattformen Urheberrechte verletzt werden. Gesetze sollen also in der digitalen Welt genauso gelten wie in der analogen. Das mag offenbar weder Youtube-Chefin Susan Diane Wojcicki, noch mögen es die beiden Kanalbetreiber von "Wissenswert".

Und das ist auch ihr gutes Recht. Ebenfalls ist es das gute Recht eines jeden Bürgers oder Youtubers, die gerade diskutierte Urheberrechts-Reform der Europäischen Union abzulehnen. Diesen Standpunkt allerdings mit Horrorszenarien unbedingt durchsetzen zu wollen, das muss einfach als schlechter Politik-Stil angesehen werden.

Upload-Filter sind gar nicht nötig

Die derzeit diskutierten Upload-Filter sind in der Tat umstritten. Allerdings ist deren Einsatz auch gar nicht nötig, um Urheberrechte zu schützen. Digitale Wasserzeichen und ähnliche Techniken sind viel effizienter als die bereits heute von Youtube eingesetzten Upload-Filter. Die Youtube-Betreiber wollen einfach die Rechte der Urheber nicht bezahlen müssen. Sie wollen Haftungen nicht übernehmen, die seit Jahrzehnten gesetzlich verankert und in der analogen Welt durchgesetzt sind.

Mit dem "Anti-Urheberrechts-Video" machen sich Difabachew und Härlen zu Handlangern dieser gesetzesverachtenden und Autoren und Urheber geringschätzenden Plattformbetreiber. Als Kollateralschaden erzeugen sie damit zudem eine populistische europafeindliche Stimmung.

Update am 7.11.2018: Google Deutschland hat der Darstellung widersprochen, dass man die Rechte der Urheber nicht bezahlen wolle. Die Stellungnahme des Konzerns in Auszügen:  
"Wir untersagen Nutzern das Hochladen von geschützten Inhalten und kooperieren mit Rechteinhabern, um Inhalte, die ohne entsprechende Rechte auf YouTube hochgeladen wurden, zu identifizieren und zügig zu entfernen. Wir haben im Zuge dessen mit Content-ID eine Technologie entwickelt, die es Rechteinhabern erlaubt, ihre urheberrechtlich geschützten Inhalte mittels eines “digitalen Fingerabdrucks” zu identifizieren und diese dann entsprechend zu sperren oder damit Geld zu verdienen. […] YouTube hat zudem für über 140 Länder weltweit Verträge mit den jeweiligen Verwertungsgesellschaften geschlossen, welche die Nutzungen von Musikinhalten auf YouTube durch Nutzer oder Labels abdecken und vergüten."

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