Sie sind hier:

Trends bei Videogames - Wohin steuert die Spieleindustrie?

Datum:

Die Spielebranche boomt, für 2017 melden die Hersteller Rekord-Absatzzahlen. Welche Trends zeichnen sich fürs nächste Jahr ab? heute.de sprach mit Branchenkennerin Petra Fröhlich.

Menschen mit iPads, auf denen Augmented Reality Apps laufen am 17.11.2017 in Cupertino (USA)
Menschen mit iPads, auf denen Augmented Reality Apps laufen am 17.11.2017 in Cupertino (USA) Quelle: reuters

Zur Weihnachtszeit fährt die Gamesbranche traditionell schwere Geschütze auf. Wer Computer- und Videospiele zu seinem Unterhaltungsmix zählt, hat auch dieses Jahr wieder die Qual der Wahl: "Super Mario Odyssee", "Destiny 2", "Assassins Creed: Origins", "Star Wars: Battlefront 2" sind nur einige Blockbuster, die Spieler dieses Weihnachten an die Konsole und PC locken sollen.

Die Absatzzahlen der Spieleindustrie sind 2017 auf einem Rekordniveau, die Branche boomt. Computerspiele-Fachfrau Petra Fröhlich konstatiert, dass nahezu alle großen Hersteller ihre Prognosen sogar noch anheben. "Nintendo profitiert zum Beispiel von der großen Nachfrage nach der Nintendo Switch; und in den Appstores werden weiterhin viele Milliarden Dollar mit ‘kostenlosen’ Spielen umgesetzt", erklärt die frühere PC-Games-Chefin, die jetzt das Online-Magazin GamesWirtschaft betreibt.

Große Hersteller und Marken dominieren die Branche

Während vor allem die US-Branche Gewinne einfährt, sieht es für deutsche Spieleschmieden schlechter aus. "Abgesehen von seltenen Ausreißern ist ihr Marktanteil im Inland rückläufig. Zum Vergleich: An der Kinokasse geht hierzulande jeder vierte Euro an einen deutschen Film, bei den Games entfällt 94 Prozent des Umsatzes auf Importspiele." Weltweit gesehen sieht es nicht besser aus: "Selbst die Branchenverbände warnen davor, dass die deutschen Studios in der 'internationalen Bedeutungslosigkeit' versinken."

Für einige deutsche Studios gibt es jedoch optimistische Signale. Sie haben den Krisenmodus verlassen und wachsen wieder, zum Beispiel durch neue Niederlassungen. "Viel wird von der Games-Förderung auf Bundesebene abhängen, wie sie die Branchenverbände von der neuen Regierung fordern."

Trotzdem dominieren die großen US-Hersteller mit ihren eingeführten Marken das Geschäft. "An dieser Konstellation wird sich wenig ändern", konstatiert Fröhlich. Die Marktführer konzentrieren sich auf einige wenige, eingeführte Spiele-Marken, die sie über Jahre hinweg mit Zusatz-Inhalten pflegen. Gleichzeitig wächst das Angebot von kleineren und mittleren Entwicklern, insbesondere in den Appstores. "Auch in Zukunft wird es regelmäßig Überraschungs-Hits geben, die niemand auf dem Zettel hatte und die sich binnen weniger Monate zu Welthits entwickeln."

Trend 1: Solospieler und Multiplayer gehen getrennte Wege

Drei Trends haben sich 2017 ganz klar verstärkt. Der Erste: Statt einem Mehrspieler-Game eine lustlos zusammengestrickte Einzelspieler-Mission anzuhängen, verzichten die Spielehersteller darauf, ein Spielerlebnis für Solo-Spieler zu bieten - und umgekehrt.

Das liege daran, erklärt Fröhlich, dass Solo-Spiele "den Spieler durch eine mit großem Aufwand inszenierte Spielwelt und vorgegebene Geschichte führen - das Erlebnis ist für die meisten Spieler also recht ähnlich. Bei Multiplayer-Spielen kommt es hingegen auf eine ausgewogene Spielbalance, stabile Internet-Server, motivierende Spielmodi und eine dauerhaft aktive Community an." Nur wenige Spiele wie "Grand Theft Auto 5"“ hätten es geschafft, beide Welten sinnvoll und nachhaltig zu verknüpfen.

Trend 2: Mehr AR, weniger VR

Gamer mit VR-Brillen am 29.10.2017 in Madrid
Gamer mit VR-Brillen am 29.10.2017 in Madrid Quelle: epa

Kritisch sieht Petra Fröhlich die Zukunft von Virtual-Reality-Spielen (VR-Spielen), die noch vor zwei Jahren das Hype-Thema der Branche war. "Die bislang erhältlichen Virtual-Reality-Systeme sind immer noch zu kompliziert, zu teuer, zu umständlich", findet sie. Zudem würden weiterhin bahnbrechende Inhalte fehlen, die den Mehrwert der VR-Technologie sinnvoll zur Geltung bringen. "Hier liegt die Hoffnung der Branche auf neuen Modellen, etwa von der Facebook-Tochter Oculus."

Spannender wird es bei Augmented-Reality-Spielen (bekannt durch "Pokemon Go"). Fröhlich ist sich sicher: "Der Start des Pokemon-Go-Nachfolgers 'Harry Potters: Wizards Unite' im Frühjahr 2018 wird den Fokus wieder auf das Thema Augmented-Reality- und GPS-gestützte Spielekonzepte richten." Außerdem setzten die Handyhersteller stark auf Augmented Reality (AR), um neue Geräte interessanter zu machen. Apple macht es mit seinem "ARKit"-Programmierern einfacher, AR-Apps zu programmieren. Samsung zieht gemeinsam mit Google mit ARCore nach. Sprich: Nächstes Jahr sei eine AR-Spieleschwemme zu erwarten.

Trend 3: Einmal kaufen, mehrmals zahlen

Der dritte Trend dürfte den wenigsten Spieler schmecken. Denn wer heute ein PC- oder Konsolenspiel für 70 Euro kauft, kann nicht mehr sicher sein, nicht nachträglich nochmal zur Kasse gebeten zu werden. "Lootboxen" und "Mikro-Transaktionen", die günstige Preise bei Smartphone-Apps ermöglichten, sind immer häufiger in Vollpreisspielen zu finden.

Manche Hersteller übertreiben es dabei mit der Monetarisierung. So zog sich Electronic Arts mit "Star Wars: Battlefront 2" den heiligen Zorn der Spielergemeinde zu - und schaltete nach wochenlanger Kritik alle Mikrotransaktionen ab. "Grundsätzlich besteht gerade bei börsennotierten Unternehmen das Risiko, dass sie mit Blick auf den Umsatz die Schraube überdrehen", so Fröhlich. "Die jüngste Unwucht dürfte kurzfristig für eine Sensibilisierung seitens der Studios sorgen. Mmittelfristig wird es das Ziel bleiben, die Käufer von Spielen auch im laufenden Betrieb immer wieder zum Geldausgeben zu bewegen."

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.