Sie sind hier:

China - Rätselraten um Liu Xia

Datum:

Seit fünf Wochen hat man Liu Xia nicht mehr gesehen. Die letzten Aufnahmen zeigen die Witwe des verstorbenen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo bei der Bestattung ihres Ehemanns. Zwar ist nun ein neues Video von ihr aufgetaucht. Doch es liefert kaum Antworten auf drängende Fragen.

Der Nobelpreisträger Liu Xiaobo ist seinem Krebsleiden erlegen. Unser früherer China-Korrespondent Johannes Hano sieht in ihm einen inspirierenden Menschen, den Chinas Führung allerdings komplett aus dem kollektiven Gedächtnis Chinas getilgt hat.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

In dem YouTube-Video sieht man Liu Xia auf einer Couch sitzen, sie spricht mit schwacher Stimme. In dem rund eine Minute langen Beitrag sagt sie, sie müsse sich ausruhen. Sie brauche Zeit, um sich zu erholen. Eines Tages werde sie wieder gesund zurückkommen.

Es ist unklar, wer das Video aufgenommen hat, wann genau und unter welchen Umständen es entstanden ist. Viel spricht dafür, dass es nach dem Tod ihres Mannes gewesen sein muss. YouTube ist in China geblockt. Es gibt Vermutungen, dass die Aufnahme ganz bewusst und unter Kontrolle der Behörden stattgefunden haben könnte.

Anwalt: "Ihre Freiheiten sollten nicht eingeschränkt sein"

Kurz bevor das Video auftauchte, sagte der Anwalt der Familie dem ZDF, er selbst habe seit Wochen keinen Kontakt mehr zu Liu Xia: "Die Behörden wollen offenbar nicht, dass sie mit der Außenwelt kommuniziert", sagte Shang Baojun. "Liu Xia ist eine Bürgerin, die nie angeklagt wurde. Daher sollten ihre Freiheiten nicht eingeschränkt sein, auch nicht die Reisefreiheit. Das ist klar rechtswidrig. Aber das ist in China der Normalzustand."

Liu Xia, Dichterin und Künstlerin - sie war bis zum Schluss an der Seite ihres Mannes. Liu Xiaobo war wegen seiner schweren Krebserkrankung aus der Haft in ein Krankenhaus verlegt worden, wo er am 13. Juli starb. Jahrelang saß Liu Xiaobo im Gefängnis, weil er sich für Menschenrechte und Demokratie in China einsetzte. Den Friedensnobelpreis durfte er deshalb 2010 nicht selbst in Empfang nehmen. Sein Stuhl in Oslo blieb leer.

Und der lange Arm der Sicherheitsbehörden reicht bis in seine Familie: Auch seine Frau steht seit Jahren unter Hausarrest. In einem älteren Interview mit dem ZDF sagte sie einmal: "Was ich mir wünsche? Ich wünsche mir, einen einzigen Tag wirklich ein Leben in Freiheit führen zu können."

Auswärtiges Amt bemüht sich mit Vorsicht

Freunde und Weggefährten haben in den letzten Wochen immer wieder auf das Schicksal von Liu Xia aufmerksam gemacht. So wie der bekannte chinesische Bürgerrechtler Hu Jia bei einem ZDF-Interview vor gut einem Monat. Dabei bat er auch die deutsche Regierung um Mithilfe.

Jedes Wort abwägend sagte Martin Schäfer, der Sprecher des Auswärtigen Amtes, auf Nachfrage des ZDF am Mittwoch: "Wir bemühen uns darum, im Rahmen beschränkter Möglichkeiten, weil die chinesische Regierung das nicht gerne sieht, mit der Familie des verstorbenen Friedensnobelpreisträgers Kontakt zu bekommen und zu schauen, was aus Sicht der Familie der richtige weitere Weg für die Familienangehörigen sein könnte."

Auch das deutsche PEN-Zentrum setzt sich für die Künstlerin ein und hat sie mittlerweile zum Ehrenmitglied der Schriftsteller-Vereinigung ernannt. In erster Linie sei es eine Geste der Solidarität, so Vizepräsident Sascha Feuchert. Liu Xia solle wissen, dass sie nicht allein sei. "Es ist natürlich auch ein Signal an die chinesische Regierung, denn die soll wissen: alles was man Liu Xia tut, tut man einer von uns."

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.