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Videospiel - "Death Stranding" - skurriles Hightech-Märchen

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Der kreative Kopf hinter der Videospielserie "Metal Gear Solid", Kojima, liefert sein neues Werk ab. An der Oberfläche wirkt "Death Stranding" platt, doch es ist ein Meilenstein.

In Death Stranding schlüpft der Spieler in die digitale Haut von Schauspieler Norman Reedus, bekannt aus der TV-Serie The Walking Dead.
In "Death Stranding" schlüpft der Spieler in die digitale Haut von Schauspieler Norman Reedus, bekannt aus der TV-Serie "The Walking Dead".
Quelle: Kojima Productions / Sony

"Futurama", die zweite Zeichentrickserie von Simpsons-Erfinder Matt Groening, beginnt damit, dass die Hauptfigur 1.000 Jahre in die Zukunft geschleudert wird. Das ist ihm auch ganz recht, denn sein altes Leben als Lieferjunge war ihm verhasst. Nun ist er in der fernen Zukunft angekommen und freut sich auf den neuen Job als - Lieferjunge. Was man tut, so diese Lektion, ist eher zweitrangig. Entscheidend ist, wo und wie man es tut.

In "Death Stranding" von Hideo Kojima muss der Spieler Fracht zwischen isolierten Bunkern hin- und hertragen. Die ersten Stunden des Videospiels geht das nur zu Fuß durch unwegsames Gelände. Gegen die vielfältigen Bedrohungen, die dort auf ihn lauern - saurer Regen etwa oder Wegelagerer - kann er sich zunächst kaum wehren. So verkürzt klingt das erst einmal gar nicht reizvoll. Kojima schafft es aber, uns genau das schmackhaft zu machen.

Skurrile Handlung in mysteriöser Welt

In Death Stranding schlüpft der Spieler in die digitale Haut von Schauspieler Norman Reedus, bekannt aus der TV-Serie The Walking Dead.
Held der Spielewelt: Norman Reedus.
Quelle: Kojima Productions / Sony

Den Spieler zu packen, funktioniert einerseits durch das fesselnde Setting einer mysteriösen Welt. Eine dunkle Bedrohung hat die USA zum Kollaps gebracht. Der Staat existiert nicht mehr. Einige der isolierten Bunker haben sich zu den United Cities of America zusammengeschlossen. Deren Kuriere durchstreifen das Land und versorgen die Mitglieder mit allen möglichen Gütern, von seltenen Weinen bis hin zu Unterhosen.

Ausgerüstet sind sie dabei mit einem Scanner, der mit einem ungeborenen Kind in einer künstlichen Gebärmutter verbunden ist, die die Kuriere auf dem Bauch tragen. Die Kinder sind Bindeglied zwischen der Welt der Lebenden und der der Toten, denn ihre Mütter werden alle gehirntot in einem Krankenhaus am Leben gehalten. Dazu gelten sie als Ausrüstung. Die Spielerfigur wird ermahnt, keine Gefühle für das Kind aufzubauen.

Simple Botschaft

In Death Stranding schlüpft der Spieler in die digitale Haut von Schauspieler Norman Reedus, bekannt aus der TV-Serie The Walking Dead.
Mads Mikkelsen spielt in "Death Stranding" eine Nebenrolle.
Quelle: Kojima Productions / Sony

Viel verrückter geht es wohl nicht. Und Kojima kopiert hier offensichtlich ein Element aus dem Blockbusterspiel "Bioshock" aus dem Jahr 2007, in dem Wesen, die wie kleine Mädchen aussehen, in einer ähnlichen Symbiose stehen. Das war seinerzeit noch sehr umstritten. Auch hier dient dieser Kniff dazu, die emotionale Fallhöhe deutlich anzuheben. Subtil ist das nicht gerade. Auch die Botschaft des Spiels ist denkbar simpel gestrickt: Zusammen ist man stärker.

Doch solche Oberflächlichkeiten darf man Kojima nachsehen. Denn darunter besticht seine Welt vor allem durch viel Liebe zum Detail. In vielen Zwischensequenzen, Briefen und Enzyklopädie-Einträgen entfaltet sich eine sehr komplexe Geschichte. Dazu hat der Spieler tatsächlich den Eindruck, in der Haut des Schauspielers Norman Reedus zu stecken. Eine solche Identifikation mit der Hauptfigur ist bislang einzigartig bei Videospielen. Und das Sounddesign ist preisverdächtig.

An der Grenze zum "Grinden"

Andererseits ist es der sogenannte Gameplay-Loop, der die Spieler bei der Stange hält. Das heißt in diesem Fall: Ich stelle Lieferungen zu, werde dafür belohnt, kann mir mit diesen Belohnungen die weiteren Lieferungen erleichtern und nehme die nächsten Aufträge an. Zu den Belohnungen zählen Waffen, Fahrzeuge und die Möglichkeit, komfortable Straßen zu errichten. Dauern solche Aufträge zu lange, reden Experten von "Chores", oder vom "Grinden" - beides Bezeichnungen für lästige Aufgaben in Videospielen, die man mehr oder weniger missmutig erledigt.

Die Urfassung des Weltraumspiels "No Man’s Sky" war vielen Kritikern genau deshalb zu eintönig. "Death Stranding" ist oft kurz davor, in dieselbe Falle zu tappen, der Gameplay-Loop motiviert aber zum Weiterspielen. Es entsteht gar der Eindruck, dass Kojima diese Gratwanderung absichtlich wählt, um die Monotonie der Welt zu unterstreichen. Würde "Death Stranding" in der Gegenwart spielen, wäre es der Paketdienst-Simulator 2019.

Kritiker bewerten das Spiel unterschiedlich. Das zeigt, dass hier neues Terrain beschritten wird. Hideo Kojima hat viel Mut bewiesen und liefert mit Death Stranding ein Spiel, über das noch lange geredet werden wird.

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