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Videospiel-Messe E3 - Suche nach mehr Spielraum

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Mit dem Joystick die Richtung auswählen, Knopf drücken - fertig. Gamer schwelgen gern in Erinnerungen an die simplen Videospiele vergangener Zeiten. Auf der weltweit wichtigsten Messe für Videospiele E3 in Los Angeles holen jetzt auch die großen Firmen die "alten" Spielweisen zurück.

Die Entwickler von Videospielen stellen auf der E3 allerhand Neuheiten vor, wollen vor allem mehr Menschen für Spiele begeistern und "offline" zusammenbringen. Um das zu erreichen sollen Spiele wieder einfacher und geselliger werden.

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Auch wer sich nicht als Videospieler bezeichnet, dürfte sich an die Wii erinnern. Die Heimkonsole von Nintendo war 2006 erschienen und wurde die jüngste von nur drei solchen Geräten, deren weltweite Verkaufszahlen über die magische 100 Millionen Marke kletterten. Dabei war das Geheimnis dieses Erfolges kein Geheimnis. Der Controller der Wii war wie eine Fernseh-Fernbedienung gestaltet und kam mit neun Knöpfen aus - die Konkurrenz hatte doppelt so viele.

Vor allem aber war die sogenannte Wii Remote bewegungsempfindlich und wurde zur natürlichen Verlängerung des Armes. Man bewegte sie ganz intuitiv wie ein Tennisracket oder einen Golfschläger. Wer noch nie ein Videospiel gespielt hatte, sollte möglichst keine Hemmungen verspüren, die Wii auszuprobieren. Blue Ocean nannte sich diese Strategie: Wenn ein Gebiet überfischt ist, fahre einfach woanders hin und suche neue Jagdgründe. Diese Lektion schien aber schnell wieder vergessen. Die Konkurrenten Sony und Microsoft hatten erfolglos versucht, die Steuerung zu kopieren. Und auch Nintendo überließ den Blue Ocean bald wieder sich selbst. Der Controller des Wii-Nachfolgers hatte 16 Knöpfe. Seitdem fischten alle Konsolenhersteller wieder in Sichtweite zueinander.

Schlicht genial

Nun werden Videospiele wieder simpler und sollen erneut ganz neue Käuferschichten erschließen. Nintendos jüngste Spielkonsole heißt Switch und ist im Grunde genommen ein Tablet mit Knöpfen - damit sie möglichst vielen Menschen vertraut erscheint. "Der große Vorteil von Nintendo Switch ist, dass man spielen kann, wo auch immer man möchte: Sei es nun Zuhause am TV-Gerät oder unterwegs über den Bildschirm der Konsolen", erklärt Shigeru Miyamoto.

Er ist seit Jahrzehnten Nintendos kreativer Kopf und Erfinder von bekannten Serien wie "Donkey Kong", "Super Mario" und "The Legend of Zelda". "Es ist einfach sehr reizvoll, wenn sich Spieler im selben Raum befinden und einander anschauen und erleben können. In Gruppen zusammen zu spielen, bis zu acht Nintendo Switch drahtlos miteinander verbinden zu können - das hat großes Potenzial."

Nintendo will den öffentlichen Raum erobern. In Bussen und Bahnen soll gespielt werden - und zwar am besten gemeinsam. Auch auf dem heimischen Sofa sollen lieber zwei Spieler als nur einer sitzen. "Nintendo Switch will die Menschen animieren, miteinander zu spielen." Deshalb ist die Konsole auch mit zwei Controllern ausgestattet. Miyamoto ist überzeugt: "Ich denke, dass das die Menschen verbinden wird - und dass das bis in ihren Alltag durchsickern wird."

Das Smartphone als PlayStation-Controller

In den vergangenen Jahren hatten Marktbeobachter angemahnt, dass immer weniger auf klassischen Konsolen und immer mehr auf Smartphones und Tablets gespielt werde. "In Größe und Umfang kommt das nicht an Spiele heran, die du auf der PlayStation 4 spielen kannst", wirft Jim Ryan ein, Europachef von Sony Interactive Entertainment. Gleichzeitig gibt er zu, dass solche Spiele in den vergangenen Jahren an Qualität dazugewonnen haben. Deshalb möchte Sony auch diese Geräte mit in das PlayStation-Ökosystem integrieren.

Auf der E3 stellte der Konzern PlayLink vor: eine Serie von Spielen, die per Smartphone gesteuert werden. Mittels einer App werden Android oder iOS Geräte mit der PlayStation 4 verbunden und schon können mehrere Spieler per Abstimmung zusammen Kriminalfälle lösen, Fotos voneinander bemalen oder die Vorlieben der Mitspieler erraten. "Wie kommen wir von 60 Millionen verkauften Konsolen auf, sagen wir, 100 Millionen? Wir müssen andere Käuferschichten ansprechen. Und zwar Käuferschichten, die in vielen Fällen weniger Erfahrung mit einem klassischen Controller haben und all den Knöpfen, die gedrückt werden müssen."

Es lockt das virtuelle Meth-Labor

Selbst virtuelle Welten, die den Spieler komplett umgeben, sollen Gelegenheitsspieler anziehen. Wer sich Sonys VR-Brille aufsetzt, soll in Zukunft weit mehr als nur Spiele geboten bekommen. Die Produktionsfirma von Hollywood-Schauspieler Elijah Wood hat ein Projekt mit dem französischen Spieleverlag Ubisoft enthüllt. Auch das renommierte Smithsonian Museum und das NASA-Labor JPL seien an einer Zusammenarbeit interessiert, sagt Sony.

Dazu haben die Macher der TV-Serie Breaking Bad angekündigt, die fiktive Welt von Walter White in der Virtuellen Realität erlebbar zu machen. Wie das konkret aussehen mag, ist nicht ganz leicht zu beschreiben. Für Ryan verschwimmen da Grenzen zwischen klassischen Unterhaltungsformen: "Früher war klar definiert, was ein Spiel und was ein audio-visuelles Erlebnis war. Es war entweder das eine oder das andere. Durch VR beginnen diese Grenzen aufzubrechen."

Die Rückkehr des Joysticks

Natürlich wird es immer Spiele geben, die eine große Herausforderung bieten und an der nur die hartnäckigsten Gamer nicht entnervt scheitern. Das hat allein der Erfolg der Dark-Souls-Serie bewiesen. Wichtigster Trend auf der diesjährigen E3 ist jedoch die Suche nach neuen Käuferschichten. Und die Ansätze dafür erinnern durchaus an die Videospiele vergangener Tage. Als schlicht und gesellig präsentieren die Hersteller ihre digitale Ware. Die Schwelle, über die Neukunden springen müssen, soll möglichst niedrig sein. Da hilft es, auch an mit Nostalgie behaftete Joysticks zu erinnern. Die gibt es zwar im Grunde genommen seit Jahren nicht mehr. Die abnehmbaren Controller-Elemente an Nintendos Switch-Konsole heißen aber bestimmt nicht ohne Grund Joy-Cons.

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