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Zocken auf Rezept - Videospiele als digitales Medikament

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Mit Videospielen lassen sich inzwischen überraschend viele Krankheitsbilder behandeln. Sie können bei Aufmerksamkeitsschwäche, Lähmungen und sogar Krebserkrankungen helfen.

Ob Phantomschmerzen nach Amputationen oder Sehschwächen: Therapeutische Videospiele können Behandlungserfolge verbessern.

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"Ein Löffelchen voll Zucker versüßt bitt're Medizin", heißt es im Musical "Mary Poppins" von 1964. Medizin ist auch heute noch eher bitter. Nur der Zucker von damals sind die Videospiele von heute. Immer mehr Krankheitsbilder können mit Games therapiert werden.

Spielen auf Rezept

Die Uniklinik Mainz hat als erste in Deutschland digitale Medizin in den Lehrplan aufgenommen. Privatdozent Dr. Sebastian Kuhn ist dort Oberarzt und Lehrbeauftragter. Therapien mit Videospielen sind für ihn längst eine Selbstverständlichkeit: "Eine App, die als Medizin-Produkt zugelassen wird, ist wie ein Medikament zu sehen. Das ist Spielen auf Rezept, wenn man so will."


Videospiele - egal ob auf PC, Konsolen, Smartphones oder Tablets - eröffnen neue therapeutische Möglichkeiten und motivieren Patienten oft stärker als herkömmliche Methoden. Einige werden auch in Deutschland bereits auf Rezept verschrieben und von Krankenkassen bezahlt.

Schießen auf Krebszellen, Punkte für Blut

Schon vor mehr als zehn Jahren kam "Re-Mission" auf den Markt, ein Action-Spiel, das Krebspatienten über ihre Krankheit und Behandlungsmethoden wie Chemotherapie aufklären wollte. Schauplatz ist der menschliche Körper. Geschossen wird auf Krebszellen. Artikel in medizinischen Fachmagazinen bescheinigten dem Spiel, dass besonders junge Patienten danach konsequenter ihre Medizin einnahmen.

Kurz darauf kam mit "Glucoboy" ein Blutzucker-Messgerät auf den Markt, das an die tragbare Spielkonsole Gameboy Advance angeschlossen werden konnte. Zuckerkranke Kinder und Jugendliche wurden von dem Spiel für regelmäßiges Messen und gute Zuckerwerte belohnt.

Sehschwäche, ADHS, Autimus, Depression und Multiple Sklerose

Auch heute entwickeln große Spieleverlage sogenannte Health Games. Der größte europäische Publisher Ubisoft bringt mit "Dig Rush" ein sogenanntes Jump'n Run auf den Markt, bei dem einige Figuren und Objekte komplett rot oder blau dargestellt sind. Gedacht ist es für Menschen mit Amblyopie, also einseitiger Sehschwäche. Patienten tragen beim Spielen eine Brille mit jeweils einem roten und einem blauen Brillenglas. So werden die Augen unabhängig voneinander trainiert.

"Das wird rezeptiert in Form von einer Behandlung", erzählt Dr. Kuhn. Es sei eine Ergänzung zu dem herkömmlichen Abkleben eines Auges und habe sich auch in ersten Untersuchungen bewährt. "Da hat sich gezeigt, dass Abkleben plus Videospiel bessere Ergebnisse geliefert hat, als das Abkleben allein."

Ein weiteres aktuelles Beispiel ist die Firma Akili Interactive in Boston. Sie arbeitet an Videospielen, die bei Krankheitsbildern wie ADHS, Autimus, Depression und Multiple Sklerose helfen sollen. Ein erstes Spiel für ADHS-Patienten habe sich in einer klinischen Studie als wirksam erwiesen, teilte der Hersteller mit.

“Digitale Spiele-Therapie steckt noch in den Kinderschuhen.”

Solche Spiele sind nur auf Rezept erhältlich. Von den Hunderttausenden vermeintlichen Gesundheits-Apps, die auf Geräten von Google oder Apple verfügbar sind, sei eher abzuraten. "Man sollte genau hinschauen, was man sich da runterlädt. Häufig ist auch der Arzt nicht der gute Wegweiser." Denn bis jetzt war digitale Medizin eben kein Bestandteil der medizinischen Ausbildung.

"Die digitale Spiele-Therapie steckt noch in den Kinderschuhen", erklärt Dr. Kuhn. "Da ist ein Riesen-Wissens-Defizit bei den Ärzten, aber auch bei den Gesundheitssystemen allgemein. Da haben wir einen sehr, sehr großen Bildungsauftrag, das zu verändern." Bis dahin sollten sich Interessierte bei den Verbraucherzentralen oder Unikliniken melden.

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