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Games mit Literatur-Anspruch - Action adé

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Neue Videospiele setzen auf Geschichten mit Tiefgang und ungewöhnliche erzählerische Ansätze. Sie möchten beweisen, dass auch ein Game Literatur sein kann: zwei aktuelle Beispiele.

Schon lange beschäftigen sich Videospiele mit Büchern. In dem Adventure Myst aus dem Jahr 1993 bereiste der Spieler fantastische Welten, die Bücher zum Leben erweckt hatten. Fantasy-Rollenspiele, wie schon der Klassiker Bard's Tale, erzählen ihre Geschichten seit jeher auf etlichen Seiten Text. Und am Anfang aller Computerspiele stehen sowieso reine Text-Adventure, wie die ersten Teile der Zork-Reihe oder Per Anhalter durch die Galaxis, in denen der Spieler ausschließlich Buchstaben serviert bekam.

Doch die Frage, ob Games auch Literatur sein können, hätte bis vor kurzem wohl niemand bejaht. Das könnte sich jetzt ändern. Denn nun sind mehrere Indie-Spiele erschienen - Low Budget Produktionen also, die aus der Feder kleiner, unabhängiger Entwickler stammen - die durchaus literarischen Anspruch haben.

Spielprinzip: Erlebnisse teilen

Screenshot aus dem Spiel "Where the Water tastes like Wine"
In „Where the Water tastes like Wine“ bereist der Spieler die USA zu Zeiten der Großen Depression, sammelt und tauscht Geschichten.
Quelle: Dim Bulb Games / Good Shepherd Entertainment

Where the Water tastes like Wine ist eine erzählerische Reise durch die USA der 30er Jahre und beruft sich auf die Erzähltradition von Autoren wie Jack Kerouac. Auf seinem Weg durch das Land erlebt der Spieler Momente des Glücks und der Verzweiflung, erlebt Skurriles, Mondänes, Übernatürliches.

Diese Momente, in wenigen Sätzen zusammengefasst, werden zu Geschichten, die der Spieler mit Begegnungen am Lagerfeuer teilt. Wer seinem Gegenüber eine Liebesgeschichte erzählt, bekommt eine zurück. Die Wahl der Geschichte, die man anbietet, ist dabei entscheidend. Denn Ziel des Spiels ist, allen Begegnungen alle Geschichten zu entlocken.

Text und Bild verschmelzen

Screenshot aud dem Spiel "What remains of Edith Finch"
Ein Mädchen entdeckt In “What remains of Edith Finch” ihre eigene Geschichte durch die Augen von Familienmitgliedern
Quelle: Giant Sparrow / Annapurna Interactive

Ein ebenfalls bemerkenswertes Spiel ist What remains of Edith Finch, das bereits vor einem Jahr erschienen ist. Ein Mädchen kehrt in das verlassene Familienhaus zurück, findet Aufzeichnungen und Gegenstände ihrer bereits verstorbenen Familienmitglieder und erlebt die Vergangenheit durch deren Augen.

Der Text ihrer Erinnerungen wird dabei zum Mitlesen auf die Umgebung projiziert, parallel zur Erzählerstimme. Eine ungewöhnliche Kombination, bei der Text und Bild miteinander verschmelzen und der Spieler am Ende nebenbei einen Roman gelesen hat.

Erste Gehversuche

Ob solche Beispiele nun tatsächlich schon als Literatur gelten oder nicht: Videospiele sind längst nicht mehr nur hektisch und action-geladen, ihre Geschichten längst nicht mehr nur Untermalung, mehr als reines Beiwerk.

Manche Spiele nehmen sich auch viel Zeit. Vor einigen Jahren bereits etablierte sich mit den sogenannten First-Person-Exploration Games ein Genre, das Videospiele deutlich entschleunigte: No Man’s Sky oder Firewatch waren ruhige, teils besinnliche Entdeckungsreisen aus Sicht der Spielfigur. Interaktives Storytelling - so der Fachbegriff - steckt zwar noch in den Kinderschuhen. Aber die ersten Versuche, literarische Inhalte in Videospielen zu transportieren, sind vielversprechend.

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