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Großbritanniens Tourismus - "Staycation": Ich bleib dann mal hier

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Seebäder, Wanderparadiese, Pub-Kultur: Großbritannien gefällt nicht nur ausländischen Touristen - auch die Briten selbst verbringen ihren Urlaub gern daheim. Die Zahlen einheimischer Touristen steigen stetig. Wobei das auch ganz praktische Gründe hat.

Dass der Brexit auch Vorteile haben kann, beweist der Blick auf die Tourismus-Zahlen in Großbritannien. Das niedrige Pfund lockt ausländische Touristen an und hält Briten von Auslandsreisen ab. Wenn es woanders zu teuer ist, dann macht man Urlaub …

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"Staycation" heißt das im Englischen, wenn Briten zu Hause Urlaub machen: Sie bleiben (stay) im Urlaub (vacation) zu Hause (staycation). Das belegen auch aktuelle Zahlen. Von Oktober 2016 bis Januar 2017 ist die Zahl der Briten, die ihren Sommerurlaub in der Heimat gebucht haben, allein beim Reiseanbieter Sojern um 23 Prozent gestiegen. Sojern ist ein Anbieter, der viele Großbritannien-Reisen im Programm hat.

Das kleine Fischerstädtchen Padstow in Cornwall platzt aus allen Nähten. Padstow liegt in Cornwall, ganz im Südwesten, wo die Insel am Atlantik endet. Spitzenköche bieten feinsten Fisch und am Hafen gibt es allerhand zu erleben. Die Tochter von Familie Hatton lässt sich bunte Kugeln in die langen blonden Haare flechten. Sie kommen oft hier her, sagt Rod Hatton, sie lieben Cornwall. Und es regnet hier auch nicht so oft, wie alle behaupten. "Aber ich vermute, dass das schwache Pfund viele meiner Landleute ermutigt, nicht im Ausland Urlaub zu machen."

Urlaub im Ausland viel teurer

Seit einem Jahr, seit die Briten den Ausstieg aus der EU beschlossen haben, kennt das Pfund nur eine Richtung: Abwärts. Im Moment kostet ein Pfund 1,25 US-Dollar, vor dem Brexit war es noch 20 Prozent teurer. Und so wird auch der Urlaub im Ausland für die Briten immer teurer, Natasha Rowley, die Haarflechterin, hat schon lange bemerkt, dass sich in Padstow was geändert hat. "Es kommen immer mehr Menschen hierher, und das obwohl die Gegend nicht gerade günstig ist". Aber eben immer noch günstiger als Mittelmeer oder Schwarzwald.

Das Reisebüro von Padstow hat sich eingerichtet. Überall hat Deborah Thomas Flyer ausgelegt, die das schöne Cornwall anpreisen: Das Land der Rosamunde-Pilcher Filme, der kulinarische Himmel auf Erden, mit bald 500 Kilometer Wanderwegen. Sie spricht nicht so gerne über Geld, es sei die Gegend, die Cornwall so attraktiv mache, das hätten die Briten eben bemerkt. Erst wenn man etwas nachbohrt, gibt Deborah zu, ja, das Pfund spielt eine Rolle. Und die Geborgenheit. "Brexit und Terrorismus haben die Menschen stark verunsichert. Hier finden sie so etwas wie heile Welt."

Dreimal mehr Gäste aus dem Ausland

Und einen, der darauf aufpasst: König Artus wacht überlebensgroß über Tintagel. Tintagel liegt etwas oberhalb von Padstow und ist so etwas wie die Herzkammer des legendären Großbritannien. Das Land der Burgen, der Grals-Geschichten und seiner sagenhaften Könige. Mannshoch thront Artus über den Klippen Tintagels, an deren Fuß sich die Wellen des Atlantiks brechen. Um die respektgebietende Statue tummeln sich allerhand Touristen, die sich eben noch über regennasse Felsen (von wegen, es regnet nicht so oft, wie alle behaupten) und über Ruinenfelder gekämpft haben. Die Stimmen verraten, sie kommen aus Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Amerika. Um das Dreifache, im Vergleich zum letzten Jahr, sind die Buchungen aus diesen Ländern gestiegen, verrät der Chef von Staycation Holidays, die hier Ferienwohnungen vermietet. Denn auch für‘s Ausland ist Großbritannien wegen des schwachen Pfunds attraktiver geworden.

"Cornwall war früher ein wichtiges Zentrum. Nirgends sonst in Großbritannien hat man mehr mittelalterliche Töpferei gefunden, als hier in Tintagel. Dieser Ort war das Herz eines blühenden Handels mit Europa", erklärt Georgia Butters. Sie ist die Chefin von Operations for English Heritage in Cornwall, sozusagen die oberste Bewahrerin des kulturellen Erbes. Und das Erbe Cornwalls ist sein Kapital. Bob und Laura Radlinski kommen bald jedes Jahr aus Washington D.C. nach Cornwall, "wegen der schönen Flecken, der Geschichte der Kultur und dem sagenhaften Essen", wie Laura verrät. Und, so schiebt Bob hinterher, weil dieser Urlaub so günstig war, dass sie es selbst kaum glauben konnten.

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