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Mit Doppelpass in Deutschland - Viele Eingebürgerte behalten ihren alten Pass

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Die meisten Menschen in Deutschland behalten bei ihrer Einbürgerung ihre alte Staatsbürgerschaft. Das gilt vor allem für EU-Bürger - aber auch für Flüchtlinge. Ein Überblick.

Deutsche Reisepaesse liegen auf einem Stapel
Wer einen deutschen Pass haben möchte, muss seinen alten normalerweise abgeben. Es gibt aber zahlreiche Ausnahmen. Quelle: imago

Insgesamt haben im vergangenen Jahr 112.211 Menschen einen deutschen Pass erhalten. Davon haben 61,4 Prozent - in absoluten Zahlen 68.918 - ihre alte Staatsbürgerschaft behalten. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor, die dem ZDF vorliegen.

Dabei haben vor allem EU-Bürger, Asylberechtigte und anerkannte Flüchtlinge ihren alten Pass behalten. Von den 38.707 Eingebürgerten aus der Europäischen Union haben nur 339 ihre alte Staatsangehörigkeit aufgegeben (0,9 Prozent). Die meisten EU-Bürger, die sich gegen eine doppelte Staatsbürgerschaft entschieden haben, kamen dabei aus Österreich (145), der Slowakei (68) und Litauen (53). Mehr als jeder dritte Eingebürgerte aus Österreich (35,1 Prozent) gab mit dem Erhalt des deutschen Passes seinen alten ab.

Einbürgerungen aus EU-Staaten
Nationalität Einbürgerungen Verlust der alten Staatsangehörigkeit
EU-Staaten gesamt 38.707 339 (0,9 Prozent)
Belgien 185 5 (2,7 Prozent)
Bulgarien 1.739 0
Dänemark 229 0
Estland 98 0
Finnland 159 2 (1,3 Prozent)
Frankreich 963 5 (0,5 Prozent)
Griechenland 3.424 0
Irland 97 1 (1 Prozent)
Italien 4.256 7 (0,2 Prozent)
Kroatien 2.896 1 (<0,1 Prozent)
Lettland 252 0
Litauen 335 53 (15,8 Prozent)
Luxemburg 43 0
Malta 7 0
Niederlande 853 22 (2,6 Prozent)
Österreich 413 145 (35,1 Prozent)
Polen 6.613 1 (<0,1 Prozent)
Portugal 803 8 (1 Prozent)
Rumänien 4.238 1 (<0,1 Prozent)
Schweden 125 1 (0,8 Prozent)
Slowakei 417 68 (16,3 Prozent)
Slowenien 236 0
Spanien 1.127 15 (1,3 Prozent)
Tschechien 606 0
Ungarn 1.081 1 (0,1 Prozent)
Vereinigtes Königreich 7.493 3 (<0,1 Prozent)
Zypern 16 0
Quelle: Statistisches Bundesamt

Viele müssen Pass abgeben - aber es gibt Ausnahmen

Bei den eingebürgerten Iranern (2.689), Syrern (2.479), Afghanen (2.400), Marokkanern (2.390), Libanesen (1.294), Tunesiern (1.125), Nigerianern (954) und Algeriern (462) gab 2017 kein einziger seinen Pass ab. Bei den eingebürgerten Irakern (3.480) gaben dagegen 733 (21,1 Prozent) Menschen ihre alte Nationalität auf.

Deutschland verlangt bei Einbürgerungen meist die Aufgabe der bisherigen Staatsangehörigkeit. Allerdings gibt es auch zahlreiche Ausnahmen, unter anderem "weil bestimmte Staaten ihre Staatsbürger grundsätzlich nicht aus der Staatsbürgerschaft entlassen", schreibt das Statistische Bundesamt. Dazu gehören etwa Afghanistan, Eritrea, Iran, Nigeria und Syrien, wie die Bundeszentrale für politische Bildung unter Berufung auf das Innenministerium schreibt. Hinzu kommen EU-Bürger, die ihren alten Pass grundsätzlich behalten dürfen, sowie Asylberechtigte, anerkannte Flüchtlinge und persönliche Härtefälle.

Hintergrund: Doppelte Staatsbürgerschaft

Vor allem bei Einbürgerungen aus den EU-Kandidatenländern gaben viele Menschen ihre alte Nationalität auf. Bei den eingebürgerten Albanern (339 von 362) waren es 93,6 Prozent, bei den Mazedoniern (926 von 988) sogar 93,7 Prozent. Bei den eingebürgerten Türken (12.436 von 14.984) waren es 83 Prozent, die ihren türkischen Pass abgaben.

Einbürgerungen aus EU-Kandidatenländern und dem sonstigen Europa
Nationalität Einbürgerungen Verlust der alten Staatsangehörigkeit
Albanien 362 339 (93,6 Prozent)
Bosnien-Herzegowina 2.089 1.954 (93,5 Prozent)
Kosovo 3.909 3.561 (91,1 Prozent)
Mazedonien 988 926 (93,7 Prozent)
Moldau 342 313 (91,5 Prozent)
Montenegro 190 172 (90,5 Prozent)
Russland 2.123 1.754 (82,6 Prozent)
Serbien 1.950 1.162 (59,6 Prozent)
Türkei 14.984 12.436 (83 Prozent)
Ukraine 2.718 2.369 (87,2 Prozent)
Weißrussland 356 317 (89 Prozent)
Quelle: Statistisches Bundesamt
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