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Immer mehr Frauen in Deutschland wohnungslos

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Ohne eigene vier Wände - Immer mehr Frauen in Deutschland wohnungslos

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Wohnungslos: In Deutschland betrifft das vor allem Flüchtlinge. Das zeigen Zahlen der Wohnungslosenhilfe. Aber auch der Anteil der Frauen wächst weiter - mit gefährlichen Folgen.

Archiv: Eine Obdachlose Frau schiebt im Bezirk Mitte auf dem Alexanderplatz bei einbrechender Dämmerung ihre Habe in zwei Einkaufswagen über den Platz, aufgenommen am 24.03.2019 in Berlin.
Eine Obdachlose Frau schiebt ihre Habe in zwei Einkaufswagen (Archivbild).
Quelle: picture alliance/dpa

Zwei Drittel der Wohnungslosen in Deutschland sind nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe anerkannte Flüchtlinge. Insgesamt seien 2018 rund 678.000 Menschen ohne eigene Unterkunft gewesen, davon 441.000 anerkannte Geflüchtete, sagt die Geschäftsführerin des Verbandes, Werena Rosenke, der "Rheinischen Post".

Seit 2016 schließt der Verband nach eigenen Angaben in seine Schätzung die Zahl der Geflüchteten ein. Bei den Detailangaben bezieht sich die Auswertung der Wohnungslosenhilfe aber ausschließlich auf die 237.000 Deutschen, EU-Migranten und Drittstaatler. Denn: Zu den geflüchteten Menschen fehlten der Bundesarbeitsgemeinschaft sozio-demografische Angaben wie Geschlechterverteilung, Familienstand und Haushaltsgröße.

Wohnungslosigkeit: Immer mehr Frauen betroffen

Es ist eine prekäre und gefährliche Situation für Frauen, dass es immer noch Gemeinschaftsunterkünfte und sogar sanitäre Anlagen gibt, die nicht nach Geschlechtern getrennt sind.
Werena Rosenke, Wohnungslosenhilfe

Zudem weist die Wohnungshilfe darauf hin, dass immer mehr Frauen von Wohnungslosigkeit betroffen sind. In Notunterkünften drohe ihnen häufig Gewalt. "Es ist eine prekäre und gefährliche Situation für Frauen, dass es immer noch Gemeinschaftsunterkünfte und sogar sanitäre Anlagen gibt, die nicht nach Geschlechtern getrennt sind", kritisiert Geschäftsführerin Rosenke. Dort ließen sich auch Waschräume nicht abschließen.

Der Anteil der Frauen unter den Wohnungslosen sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen und liege nun bei 27 Prozent. Die größte Gruppe stellten die unter 25-Jährigen: Ihr Anteil belaufe sich auf 23 Prozent gegenüber 17 Prozent bei den Männern in dieser Altersgruppe.

Außerhalb von Unterkünften lebten Frauen oft in Wohngemeinschaften, um nicht auf der Straße zu landen. "Dafür erwarten Männer in der Regel Sex", sagt Rosenke. Sie sprach sich für die Einrichtung von Hilfeeinrichtungen und Unterkünften aus, die ausschließlich Frauen vorbehalten sind. Dazu zählten etwa Frauencafés und von Frauen geführte, niedrigschwellige Beratungsstellen.

Frauen seien oft schon vor dem Verlust ihres Zuhauses Opfer von Gewalt geworden und hätten Hemmungen, sich Hilfe zu holen, wenn sie dort wieder auf Männer träfen, erklärt Rosenke.

Zwei Wohnungslose im Dezember erfroren

Rosenke begrüßt, dass die Bundesregierung künftig selbst Zahlen der Wohnungslosen erheben will. Sie fordert zudem, einen Schuldenerlass für diejenigen Wohnungslosen zu ermöglichen, die Schulden bei Krankenkassen haben. Außerdem sollten Bund, Krankenkassen und kassenärztliche Vereinigungen einen Notfallfonds bilden, aus dem Behandlungen für Wohnungslose bezahlt werden können. Dieser Fonds müsse sich auf 150 Millionen Euro pro Jahr belaufen.

Im Dezember sind Rosenke zufolge zwei Obdachlose bei Minusgraden erfroren. Ein Mann habe tot auf einem Feld bei Rostock, ein anderer vor einer Kirche in Sachsen-Anhalt gelegen.

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