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Friedlicher Protest - Tausende demonstrieren für und gegen die AfD

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In Berlin demonstrieren mehre Zehntausend Menschen für und gegen die AfD. Die Polizei war mit 2.000 Beamten im Einsatz, der Protest blieb aber auf beiden Seiten friedlich.

Rund 5.000 AfD-Anhänger haben in der Hauptstadt gegen die Bundesregierung demonstriert. Etwa fünfmal so viele Menschen stellten sich ihnen entgegen.

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Techno-Sound, Flöße auf der Spree, Partystimmung: Tausende Gegner der AfD haben eine Demonstration der Rechtspopulisten durch das Berliner Regierungsviertel mit friedlichem Protest und einem Politik-Happening begleitet. Rund 5.000 AfD-Anhänger aus mehreren Bundesländern versammelten sich am Sonntag am Hauptbahnhof und zogen zum Brandenburger Tor. Die befürchteten Zusammenstöße mit Linksautonomen blieben aus. Zu den Gegendemonstrationen kamen nach Polizeiangaben 25.000 Menschen.

Protest blieb friedlich

Die Polizei hatte schon früh angekündigt, dass sie das Versammlungsrecht durchsetzen werde - auch gegen AfD-Gegner. "Die Versammlungsfreiheit steht allen zu", sagte ein Polizeisprecher. Doch der Protest blieb friedlich und war ein wenig wie Karneval.

AfD-Demonstration am 27.05.2018 in Berlin
AfD-Demonstration in Berlin Quelle: ap

Auf der Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor ging der AfD-Bundesvorsitzende Jorg Meuthen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) scharf ins Gericht, nannte sie eine "Hohepriesterin des Zynismus der Macht". Mit ihrer Flüchtlingspolitik werde "Deutschland buchstäblich hergeschenkt". Co-Vorsitzender Alexander Gauland sagte, die etablierten Parteien "lieben die Fremden, nicht uns, nicht euch, nicht die Deutschen." Die Polizei hatte den Platz abgeriegelt, Gegendemonstranten aber in Sichtweite gehalten, die sich lautstark äußerten. Immer wieder wurden aus der AfD-Demonstration heraus Rufe gegen Merkel, Flüchtlinge und Ausländer laut. 

Von Storch: Özil Beispiel "für grandios gescheiterte Integration"

Bevor sich die Demonstranten in Bewegung setzten, redete unter anderen AfD-Fraktionsvize Beatrix von Storch. Dabei kritisierte sie den türkischstämmigen Fußball-Nationalspieler Mesut Özil. Dieser sei ein Beispiel "für eine grandios gescheiterte Integration" und "kein Deutscher", rief von Storch.

Özil und sein Teamkollege Ilkay Gündogan hatte eine Welle der Empörung ausgelöst, als sie sich Mitte Mai mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan in London fotografieren ließen.

Gegendemonstrationen an verschiedenen Orten in Berlin

Bei bestem Sommerwetter hatten sich die Gegendemonstranten an verschiedenen Orten versammelt. Vor dem Reichstagsgebäude trafen sich das Berliner Bündnis gegen Rechts und die Initiative Aufstehen gegen Rassismus. Ganz in Silber und Gold verlief eine "Glänzende Demonstration" von Künstlern über Unter den Linden zum Pariser Platz am Brandenburger Tor. Ein von der Berliner Clubszene organisierter Umzug von rund 30 Musikwagen zog über die Siegessäule zur Straße des 17. Juni. "AfD wegbassen" hieß das Motto der lautstarken Karawane, die sich teilweise entlang der Strecke der einstigen Berliner Loveparade bewegte. "Bass statt Hass", "Schabernack gegen Nazikack" und "Hier marschiert der rationale Widerstand" war auf Plakaten zu lesen.

Auch am Potsdamer Platz und in der Nähe des Hauptbahnhofs trafen sich Techno-Fans, um ihren Protest mit Musik zu äußern. Die Organisatoren sprachen von 10.000 Teilnehmern allein an der Straße des 17. Juni. Rund 20 Boote waren auf der Spree unter Elektromusik von Berlin-Friedrichshain in Richtung Hauptbahnhof gefahren. "Nie wieder braune Soße" war auf einem Floß zu lesen.

Habeck beklagt Einknicken vor der AfD

Gewerkschaften und weitere Gruppierungen hatten zu Protesten gegen die AfD aufgerufen, auch Vertreter von Linken und Grünen kündigten ihre Teilnahme an. Unter ihnen war auch der Grünen-Chef Robert Habeck. Dieser beklagte im Redaktionsnetzwerk Deutschland ein Einknicken aller Parteien vor der AfD. Diese bestimme seit drei Jahren den Diskurs über Flucht und Einwanderung. "Die Angst vor dem Rechtspopulismus treibt Politiker zu dummen Fehlern", sagte Habeck. Er kritisierte auch eine einseitig geführte Debatte über Einwanderung. "Wer spricht denn heute noch von Integration?"

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer warf der AfD vor, "Antisemitismus in die Parlamente" zu bringen. "Alte Nazis, Neonazis und Rechtspopulisten. Sie sehen den Menschen nicht in seiner Würde als Individuum. Diese Leute sind eine Bedrohung für jüdisches Leben in Deutschland", schrieb Kramp-Karrenbauer in einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag". Die "Rattenfänger" der AfD würden zwar versprechen, jüdisches Leben in Deutschland schützen zu wollen. Allerdings gebe es in der Partei "an allen Ecken und Enden Antisemitismus".

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